Nett-Banking à la Lech

Markt / 12.06.2013 • 21:06 Uhr
Raiba-Vorstand Stefan Schneider, Referent und Hotelier Michil Costa, VN-CR Verena Daum-Kuzmanovic und Raiba-Vorstand Markus Walch.
Raiba-Vorstand Stefan Schneider, Referent und Hotelier Michil Costa, VN-CR Verena Daum-Kuzmanovic und Raiba-Vorstand Markus Walch.

Banken haben derzeit kein gutes Image. Für die Raiba Lech ändert sich das gerade.

Lech. Banker als Philantropen? Das mag sich die Mehrheit der „Wutbürger“ gar nicht vorstellen. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Den Vorständen der Raiffeisenbank Lech, Georg Gundolf, Stefan Schneider und Markus Walch, war das schlechte Image, das Banken sich in den letzten Jahren erarbeiteten, nicht egal. Sie beschlossen, einen neuen Weg zu gehen, nämlich den Weg in die Gemeinwohlwirtschaft. Ausgerechnet eine Bank, ausgerechnet in Lech. Einwände, die natürlich auf die Ankündigung folgten. Skepsis von Mitarbeitern, Genossenschaftern und Kunden.

Am Dienstagabend nun wurde die erste Gemeinwohlbilanz präsentiert, und das Interesse der Lecher war groß. Sie ließen sich von Günter Reifer aus Brixen erklären, was die Vorteile der Gemeinwohlwirtschaft sind – nämlich eine neues Wertesystem, das auf soziale, ökologische und demokratische Kriterien im Unternehmen achtet – und waren gespannt, wie „ihre“ Bank das umgesetzt hat.

Und so erfuhren sie, dass die Bank im Jahr 2012 132.000 Euro für Produkte und Leistungen von Lecher und Warther Betrieben ausgegeben hat. Gesamt haben die rund 200 Lieferanten, die fast alle aus der Region sind, Aufträge im Wert von 580.000 Euro von der Raiffeisenbank erhalten. 80 Prozent des Stroms, der das Gebäude in Gang hält, war 2012 ökologisch, „in Zukunft werden es 100 Prozent sein“, kündigt Direktor Gundolf gegenüber den VN eine Maßnahme an, die sofort umgesetzt werden kann.

Der heikelste Teil des Bankgeschäfts bleiben die Fragen „Woher kommen die Geldmittel unserer Bank?“ und „Was macht unsere Bank mit diesen Geldmitteln?“. Man habe großen Einfluss und umfassende Kontrolle auf die Herkunft der Mittel, „wobei wir uns das Recht vorbehalten, Kunden und deren Einlagen, die unseren ethischen Grundsätzen widersprechen, abzulehnen“ (Zitat Gemeinwohlbilanz 2012). Und auch bei den Ausleihungen achte man sehr genau darauf, ob diese nachhaltig eingesetzt werden.

Die Qualität des Arbeitsplatzes wurde in zwei Schritten verbessert. Nach Ermittlung des Status quo wurden die Arbeitsbedingungen dort, wo es Kritikpunkte gab, verbessert. Selbst das Arbeitsvolumen wurde gerecht verteilt, wie die Mitarbeiter an diesem Abend gerne bestätigten. Weitere Pluspunkte in der Bilanz: Die ehrenamtliche Arbeit im Ort und von Raiba-Angestellten wird von einer Mitarbeiterin unterstützt, das ökologische Verhalten gefördert. Zur Generalversammlung kamen übrigens 25 Mitglieder, zur Gemeinwohlpräsentation waren es 100.

Raiffeisenbank Lech

» Mitarbeiter: 27

» Durchschnittsalter: 40 Jahre

» Durchschnittliche Dienstjahre: 14

» Krankheitstage pro MA und Jahr: 4

» Einkommensspreizung: 1 zu 3,8

» Gemeinwohlstunden pro Jahr: 5234

» Überstunden pro MA und Jahr: 6

» Mobilität zum Arbeitsplatz mit ÖPNV: 74 Prozent.

» Bilanzsumme: 293 Mill. Euro

» EGT: 3 Millionen Euro

» Eigenmittel: 31 Mill. Euro

» Geschäftsvolumen: 625 Mill. Euro