Maschinen stehen still

Markt / 14.06.2013 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Solange noch Bildschirme leuchten, ist die Lage noch kontrollierbar. Aber Sabotageakte und Naturkatastrophen können hoch technisierte Staaten wie Österreich schnell ins Chaos stürzen. Foto: Reuters
Solange noch Bildschirme leuchten, ist die Lage noch kontrollierbar. Aber Sabotageakte und Naturkatastrophen können hoch technisierte Staaten wie Österreich schnell ins Chaos stürzen. Foto: Reuters

„Blackout“ und „Cyberwar“ sind die Schreckgespenster von Sicherheitsbeauftragten.

Lustenau. Das aktuelle Hochwasser hat gerade wieder gezeigt, wie fragil unsere hoch technisierte Welt ist. In der deutschen Stadt Magdeburg musste beispielsweise der große Teil der Helfer zum Schutz des Stromwerkes eingesetzt werden, weil es sonst nicht nur düster geworden wäre, sondern die Infrastruktur komplett zusammengebrochen wäre. Wie hilflos man ohne die Helfer unserer Zeit ist, konnten vergangene Woche auch etliche Bregenzer erleben: In der Rathausstraße brach die Kommunikation zusammen.

Udo Ladinig, Oberst i. R., weiß genau, was passiert, wenn nichts mehr passiert, und darüber klärte er vor Kurzem Sicherheitsfachleute und Wirtschaftsvertreter bei einem Vortrag in Lustenau auf. Was sie zu hören bekamen, dürfte bei etlichen Zuhörern für Unruhe sorgen. Denn Fakt ist: Vorbereitet sind wir auf den Ernstfall nicht. Die Wirtschaft hat nicht mehr und nicht weniger Problembewusstsein wie die gesamte Bevölkerung: „80 Prozent unserer Bürger können die Bedrohung nicht registrieren“, sagt der Vorarlberger Militärkommandant Ernst Konzett. Besonders schnell droht dem Produktionssektor das Aus. Das belegt auch eine Studie der Linzer Johannes-Kepler-Universität: 900 Millionen Euro kostet es die Volkswirtschaft, wenn die Maschinen einen Tag still stehen. „Das klingt wie ein Horrorszenario, wir müssen aber immer vom Schlimmsten ausgehen“, berichtet Ladinig über seine Forschungen: „Sobald die Elektrizität ausfällt, verlieren jegliche technische Einrichtungen ihre Funktion, so es keine Notstromaggregate oder Akkus gibt.“ Und auch der Zugriff auf Treibstoff ist dann nicht mehr möglich, nimmt Ladinig jenen den Wind aus den Segeln, die diese Energieform im Notfall präferieren würden. Die Pumpen arbeiten nämlich nicht mehr: „Mit relativ geringen Mitteln könnte dem abgeholfen werden“, so Ladinig, „wenn man nur wollte. Aber die Politik ist sehr resistent gegen unsere Warnungen.“ Mit 4,5 Millionen Euro könnte man den Komplettausfall der Tankstellen und Tanklager in ganz Österreich verhindern, rechnet der Experte vor.

Sabotage schadet Wirtschaft

Schon Naturkatastrophen bringen das System an den Abgrund, aber richtig gefährlich wird die Sache, wenn Sabotage im Spiel ist. Und Ladinig kennt einige Möglichkeiten, wie durch Manipulation im internationalen Datennetz Staaten schwer geschädigt wurden. „Im Iran wurde durch Cyber-Attacken die Nuklear-Industrie lahm- gelegt. Chinesen haben sich bei den USA nach einem Blackout von sechs Kraftwerken für das Versehen entschuldigt.“ Das sei wohl kein Zufall gewesen, zitiert er aus Zivilschutzkreisen. Und malt den Teufel an die Wand: „Wenn terroristische Gruppen oder Staaten statt Waffen den Cyberkrieg wählen, können sie unseren Staaten und Unternehmen damit viel mehr schaden.“

Cyber-Attacken treffen uns stärker als konventio­nelle Waffen.

Udo Ladinig, Zivilschützer

Blackout & Cyberwar

Die Ursachen:

» Naturereignisse: Blitzschlag, Erdbeben, Klima, Hochwasser etc.

» Menschliches Versagen: Schaltfehler, Fehlreaktionen

» Technisches Versagen: Wartungsmängel, überalterte Anlagen

» Ausfall von Primärenergie: Engpässe an Öl, Gas, Kohle

» Systemische organisatorische Mängel: Netzaufsplitterung, überhöhte Leitungslasten

» Gezielte Anschläge: Zerstörung durch Sprengstoff und Waffen

» EMP, Mikrowellen: Zerstörung von Elektronikbauteilen

» Cyber-Angriffe: Ausschalten von Computern und Regelsystemen