„Mir ist viel gelungen, und ich hatte auch oft Glück“

Ära Ludwig Summer bei Illwerke VKW dauert noch zehn Tage. Zeit, ein Resümee zu ziehen.
Bregenz. Am 1. Juli 1978 hat der Bregenzer Jurist Ludwig Summer sein Büro bei den Vorarlberger Illwerken bezogen. Am 30. Juni 2013, nach 35 Jahren, übergibt er seine Agenden. Die VN sprachen mit ihm über . . .
. . . Abschied nach 35 Jahren.
Ludwig Summer: Eigentlich nicht. Dadurch, dass die Entscheidung, dass ich mich zurückziehe, vor neun Monaten gefallen ist, hat es genug Zeit für die Übergabe an meinen Nachfolger Helmut Mennel gegeben. Er war seit seiner Bestellung bei allen Sitzungen dabei, wir haben uns regelmäßig getroffen. Ich geh also davon aus, dass das ein völlig reibungsloser Übergang werden wird. Wir haben gestern die Verabschiedung von der Illwerke-Belegschaft gehabt, das hat mich emotional aber stark berührt.
. . . die Fusion von Illwerke und Vorarlberger Kraftwerken.
Summer: Ich musste mich immer wieder selber am Riemen reißen, dass im Konzern beide Unternehmen gleichberechtigt waren. Das ist uns aber gut gelungen. Hinterher gesehen war das eine der erfolgreichsten Zusammenführungen von Unternehmen. Die Mannschaft beider Unternehmen ist äußerst motiviert, und heute merkt man keine Unterschiede mehr.
. . . Geschäftsmodelle.
Summer: Im Rahmen der Liberalisierung kam der „Multi Utility“-Ansatz – also ein Unternehmen macht nicht nur Energie, sondern auch Bereiche wie Wasser oder Abfall. Wenn man damals den Hausverstand eingesetzt hätte, hätte man sehen müssen, dass man sich bei einem solchen Eintritt in neue Geschäftsfelder äußerst schwer tut. Und es ist ja so, dass die guten Geschäfte die Privatwirtschaft macht. Alle sind auf die Nase gefallen. Fazit: Tu das, was du kannst.
. . .Strategien und Investitionen.
Summer: Ich bin ein unternehmerischer Typ, und dazu gehört auch, ein kalkulierbares Risiko einzugehen. Ich war mir beim Kopswerk II bewusst, dass ich nicht mehr an dieser Stelle säße, wenn das schiefgegangen wäre. Da habe ich mich auf meinen Verstand und unsere Mitarbeiter verlassen. Heute ist Kops das modernste Pumpspeicherkraftwerk und die Cashcow des Konzerns. Nur verwalten: Da wäre ich fehl am Platz gewesen.
. . . Öffentlichkeit.
Summer: Es ist klar, dass man mit unserem Unternehmen mit jeder Entscheidung in der Öffentlichkeit steht. Ich fühle mich in meiner Position auch als Realpolitiker – im Unterschied zum Parteipolitiker. Man könnte tagtäglich in Fettnäpfchen treten. Da hatte ich eine große Portion Glück, aber ich habe auch Fettnäpfchen getroffen. Insgesamt hat der Konzern aber ein Renommee, das einzigartig für einen Energieversorger ist. Ich habe auch immer versucht, mit allen Parteien proaktiv zu kommunizieren.
. . . politische Einflussnahme.
Summer: Da haben wir in Vorarlberg wirklich eine ganz andere Basis als in anderen Bundesländern. Mir hat man in keine einzige Personalentscheidung dreingeredet. Das war sicher auch ein Teil des Erfolges. Ich kann mich an die Zeiten vor dem Aktientransfer erinnern. Da wurde jeder Posten parteipolitisch besetzt. Die Grundlage für den Erfolg war der Aktientransfer von der Republik Österreich an das Land. Die Fusion VKW und Illwerke wäre nicht möglich gewesen und auch Kops II nicht.
. . . öffentliche Versorgungsunternehmen.
Summer: Aus meiner Sicht ja. Ich war immer der Meinung, dass Schlüsselressourcen einer Volkswirtschaft in öffentliche Hand gehören. Es muss aber auch sichergestellt sein, dass das Unternehmen betriebswirtschaftlich geführt werden kann. Damit sollte man nicht spielen, da sollte man Kontinuität haben.
. . .das Energiesparen.
Summer: Wir haben vom Eigentümer den Auftrag, die niedrigsten Strompreise zu garantieren. Das tun wir. Das führt aber auch dazu, dass wir die Energie für unsere Kunden billiger verkaufen, als wir sie einkaufen. Je nach Wasserführung kaufen wir am Strommarkt. Deshalb ist für uns jede Kilowattstunde, die wir einsparen, betriebswirtschaftlich ein Geschäft. Diese Vorteile der Wasserkraft geben wir über die billigen Strompreise weiter.



Zur Person
Dr. Ludwig Summer
Vorstandsvorsitzender der Illwerke VKW seit 1. 4. 1993, beschäftigt bei den Illwerken seit 1. 7. 1978;
Studium der Rechtswissenschaften in Innsbruck;
verheiratet, zwei erwachsene Töchter