Viele Wege führen nach oben

Sport / 04.02.2026 • 18:00 Uhr
Viele Wege führen nach oben

Von Altach ging es für Ahmet Cil (40) zum türkischen Erstligisten Samsunspor.

Samsun Im Ländle ist der gebürtige Dornbirner mit türkischen Wurzeln kein Unbekannter. Nicht als Spieler und schon gar nicht als Trainer. Arbeitet Ahmet Cil doch schon 13 Jahre als Coach bzw. Videoanalyst. Viel Erfahrung bringt der 40-Jährige also mit – und dennoch strebt er nach mehr.

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Als Fußballer endete die Profikarriere des zweifachen Familienvaters nach zwei Saisonen bei Zweitligist Spittal/Drau. Stationen im Vorarlberger Amateurbereich kann er mehrere vorweisen, auch ein Wechsel in die zweite türkische Liga steht in seinem Portfolio. All das sollte ihn nicht zufriedenstellen, vielmehr skizzierte er schon als Aktiver Trainingsaufzeichnungen. “Es interessierte mich einfach”, sagt der gelernte Bäcker und Konditor. “Mein Vater vertrat stets den Standpunkt, dass ich erst eine Ausbildung abschließen soll, bevor ich Profi werde. Für mich war die Lehre perfekt. Da konnte ich frühmorgens arbeiten und abends trainieren.”

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Ahmet Cil fühlt wohl bei Samsunspor. VN
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Das Trainingszentrum in den Abendstunden, hell erleuchtet. VN

Inzwischen bestimmt das runde Leder seinen Alltag. Was als “Aushilfstrainer” bei seinem Cousin im Hatler Nachwuchs begann, nahm schnell seinen Lauf. Nach diesen Erfahrungen landete er 2018 bei der Fußballakademie des Vorarlberger Fußballverbandes. U18, U15 und U16 – Ahmet Cil durchlief alle Altersstufen und machte begleitend dazu alle Trainerausbildungen. “Stimmt für den Nachwuchsbereich, doch die UEFA-Pro-Lizenz fehlt mir noch”, erzählt er. Da scheiterte er vergangenen Herbst ein zweites Mal am Auswahlverfahren des ÖFB. Für ihn allerdings kein Grund zur Resignation. “Ich versuche es wieder.

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Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer

Sein Ziel, einmal die Cheftrainerrolle bei einem Erstligisten auszufüllen, verfolgt er konsequent weiter. Ahmet Cil ist bereit, dafür auch Umwege in Kauf zu nehmen. Das beinhaltet für ihn auch, Privates hintanzustellen. “Es ist nicht leicht, von der Familie getrennt zu leben. Deshalb hoffe ich doch, dass es bald einen Weg gibt, Beruf und Familie wieder an einem Ort zusammenzuführen.”

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Aktuell bringt er sich in der Akademie des türkischen Erstligisten Samsunspor als U19-Trainer ein. “Wir reisen stets mit der ersten Mannschaft und spielen gegen den jeweiligen Nachwuchs.” Doch die Arbeit ist laut Ahmet Cil weit mehr, gilt es doch, immer wieder Talente in den Kader der Süper-Lig-Mannschaft zu bringen. “Deshalb tausche ich mich täglich mit dem Staff um Cheftrainer Thomas Reis aus. Die Zusammenarbeit ist extrem eng.” Dabei ist er für den deutschen Coach oft auch als Übersetzer gefragt. “Ich spreche Deutsch, Türkisch und Englisch”, sagt er. Mit seinem U19-Team belegt er aktuell in der Tabelle Rang vier. Die Hinrunde hatte man auf Platz zwei abgeschlossen, doch inzwischen hat ein Quintett aus seiner Truppe in der ersten Mannschaft debütiert.

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Die Akademie bietet alle Möglichkeiten. VN
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Ahmet Cil auf Dienstreise. VN

Als ehemaliger AKA-Trainer im Ländle kann Cil einen guten Vergleich zu Samsunspor ziehen. “Alles ist noch viel professioneller. In Samsun dreht sich alles um Fußball. Jeder Spieler will in die Akademie”, erzählt er. Kein Wunder, sind die Ressourcen doch groß. So stehen ihm und den Spielern neben den Assistenz-, Tormann- und Athletiktrainern noch ein Videoanalyst sowie Physiotherapeuten, ein Arzt sowie eine Psychologin zur Seite. Auch ein Nachwuchsscout ist mit an Bord.

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Bilder aus Altach, wo Ahmet Cil (im Bild mit Co Louis Mahop) als Videoanalyst . . .
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. . . und auch als Cotrainer arbeitete. gepa/2

All das erinnert Cil an seine Zeit beim SCR Altach, wo er unter Joachim Standfest und später unter Fabio Ingolitsch als Cotrainer und zuletzt Videoanalyst gearbeitet hat. Im Sommer 2025 erfolgte dann der Wechsel zu Samsunspor. “Weil ich lieber am Platz stehe, weil ich gerne mit Menschen arbeite”, so Cil. Für ein Jahr hat er unterschrieben. “Ich fühle mich wohl hier.” Einer Rückkehr nach Österreich wäre er dennoch nicht abgeneigt.

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