Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Den Glanz der Medaillen nutzen

Markt / 10.07.2013 • 21:27 Uhr

Gold und Silber für Vorarlberger Lehrlinge in Leipzig, Spitzenplatzierungen für die fünf weiteren Teilnehmer aus Vorarlberger Betrieben – in der Nationenwertung bei den WorldSkills erreichte Österreich den siebten Rang. Gratulation an die jungen Fachkräfte. Sie zeigten einmal mehr, dass die duale Ausbildung ein „Erfolgsmodell made in Austria“ ist.

Doch der Jubel währt nur kurz und ist schon gar nicht nachhaltig. Obwohl in Vorarlberg über die Hälfte der Jugendlichen den beruflichen Lebensweg mit einer Lehre beginnen, ist damit zu rechnen, dass der Trend zur Schule anhält. Die Zahl der Lehranfänger nimmt nämlich auch bei uns in Vorarlberg ab. In anderen Bundesländern ist das Image der Lehre bereits seit Jahren am Boden. Das dort fehlende Engagement der Firmen, schlechte Ausbildung der Ausbilder und nicht vorhandene Öffentlichkeitsarbeit der Branchen sind daran ebenso schuld wie eine lange Zeit fehlende Durchlässigkeit des Bildungssystems und eine allgemeine Geringschätzung dieser Ausbildungsform.

Dass es auch anders geht, wurde in Vorarlberg vorexerziert: Die Industrie hat früh damit begonnen, die duale Ausbildung aufzuwerten. Die Berufsprofile wurden überarbeitet, neue Lehrberufe initiiert und zumindest firmenintern wurden Karrieremodelle geschaffen. Auch die Möglichkeit, die Lehre mit der Matura zu verbinden und so den akademischen Weg einzuschlagen, ist zu einem guten Teil den lästigen Vorarlberger Lehrlingsausbildern zu verdanken. Weil die Industriebetriebe damit bei den Jugendlichen den richtigen Nerv trafen, setzte eine Kettenreaktion ein. Alle anderen Berufsgruppen mussten nachziehen. Selbst kleine Handwerksbetriebe haben sich meist auf Kammerebene zusammengeschlossen, um ihren Lehrlingen mehr zu bieten als im Lehrplan vorgeschrieben ist.

Das macht die Lehre attraktiv. Sowohl für Goldmedaillengewinner Kevin Micheli als auch für Silbermedaillengewinner Martin Mittelberger war die duale Ausbildung von Anfang an die ideale Ausbildungsform. Während in der Schweiz auch Politiker und (sic!) Unternehmer stolz sind, wenn ihre Kinder eine „Stifti“ machen, tendieren Österreichs Eltern für ihre Kinder zur schulischen Ausbildung. Eine Lehre hat bei vielen Menschen zunehmend den Geruch körperlicher Arbeit, der den gesellschaftlichen Aufstieg zu wenig widerspiegelt.

Die Medaillen von Leipzig können im besten Fall eines: Der Bildungsmöglichkeit Lehre wieder mehr Glanz verleihen. Sie hat es verdient.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862