Keine Gefahr für Formel 1

ORF-Wrabetz: „Man muss mit politischen Zwischenrufen umgehen können und sich gegen Intervention wehren. Foto: VN/Hartinger
Alexander Wrabetz managt den größten Medienbetrieb Österreichs. Und muss sparen.
Schwarzach. Seit sechs Jahren navigiert Alexander Wrabetz den größten Mediendampfer des Landes. Und hat mit den Widrigkeiten der politischen Wetterlage ebenso zu kämpfen wie mit der privaten Konkurrenz, die in Österreich allerdings bislang das Nachsehen hat. Im Gegensatz zu den öffentlichen Sendern im Nachbarland Deutschland, der ARD und dem ZDF, behaupten die Sender des österreichischen Rundfunks nämlich nach wie vor den Platz an der Spitze der Hörer- und Sehergunst, wie Wrabetz bei seinem Besuch in der VN-Redaktion nicht ohne Stolz feststellte.
Gleiche Leistung trotz Sparkurs
Aber wie wird es weitergehen? Aktuell muss sich der Generaldirektor darum bemühen, einen Weg zu finden, mit weniger Geld ein dennoch attraktives Programm anzubieten. Ob die Verweigerung der Gebührenrefundierung durch die Politik, die immerhin 30 Millionen Euro beträgt, endgültig sei, mag er noch nicht ganz glauben: „Ich glaube, dass die Refundierungsregelung nach den Wahlen doch noch kommt.“ Das habe gut funktioniert in den letzten Jahren, das Geld sei für Programme wie ORF III ausgegeben worden. Aber wenn es so bleiben sollte, werde man versuchen, vernünftig zu sparen. „Das Publikum soll davon möglichst wenig merken.“ Die großen Publikumshighlights wie etwa die Sportübertragungen würden aber trotz Sparkurs weiter gesendet. Keine Gefahr also für Olympia und Fußball, und auch für die Formel 1, die öffentlich schon zur Diskussion gestanden ist, gibt Wrabetz Entwarnung: „Da haben wir auch noch einen Vertrag über mehrere Jahre“, so der General.
Beim Publikum am beliebtesten sind im internen Ranking die Informationssendungen, „daher wird in der Information am Programm gar nichts gekürzt“, vor der Unterhaltung („Fernsehen ist ein Unterhaltungsmedium“), vor dem Sport und der Kultur. Von Einschnitten, etwa der Auslagerung des Unterhaltungskanals ORF eins, will Wrabetz nichts wissen. „Man kann nur erfolgreich sein, wenn man das ganze Bouquet anbietet.“ Jedes Medium müsse darauf schauen, wie es sich in einer Familie, einer Auswahl von Kanälen, organisiere. „Es ist ganz klar, dass wir den ORF eins brauchen. Da gibt es auch ganz viele österreichische Produkte, es gibt ein selbst produziertes Kinderprogramm und die eigene Comedy-Schiene.“
In nächster Zukunft will der ORF beim Publikum mit einer umfassenden („der besten“) Information zu den Wahlen punkten, auch Sotschi verspreche ein Festival des Sports für die ORF-Seher zu werden. „Auch ,Österreich II‘ kommt wieder. Hugo Portisch arbeitet an einer Neufassung.“ Und die regionalen Programme? „Weiter stärken, na ja. Wir bekennen uns zu ihnen.“
Der ORF arbeitet unter genauer Beobachtung der Öffentlichkeit und der Politik. Wrabetz, der zuvor in der Politik arbeitete: „In den letzten Jahren hat es keinen einzigen Fall gegeben, wo man an unserer Berichterstattung etwas ausgesetzt hat.“ Man stehe natürlich in öffentlichem Eigentum und deshalb sitzen politisch legitimierte Personen im Stiftungsrat. Man müsse damit umgehen können und sich wehren gegen Interventionen: „Das ist anders als in einer Maschinenfabrik, aber auch spannender.“
Der ORF bekennt sich zu seinen regionalen Programmen und Landesstudios.
Alexander Wrabetz, ORF-Generaldirektor
ORF in Fakten
Österreichischer Rundfunk
Hauptsitz in Wien, neun Landesstudios sowie seit 1975 ein weiteres Studio in Bozen
» Generaldirektor (früher Generalintendant): Alexander Wrabetz
» Sendebeginn: 1. August 1955
» Mitarbeiter: 3115 (auf Vollzeitstellen gerechnet)
» Erlöse aus Programmentgelten: 595,5 Millionen Euro (2012)
» Werbeeträge: 210,7 Mill. Euro
» Sonstige Erlöse: 127,0 Mill. Euro
» Einsparungsauftrag: 80 Millionen Euro müssen im ORF-Budget 2014 umgeschichtet werden. Sie setzen sich wie folgt zusammen: Rund 30 Mill. Euro Wegfall der Gebührenrefundierung. Rund 30 Mill. Euro laufende jährliche Kostensteigerungen im Personal-und Sachkostenbereich. Rund 20 Mill. Euro Zusatzaufwand für zusätzliche Programminvestitionen wie die Fußball-WM und die Olympischen Winterspiele.