Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Ein Traum, der zu platzen droht

Markt / 31.07.2013 • 21:15 Uhr

Es ist sicher nicht einfach, Denkmuster und Lebensmuster zu ändern. Und es ist nun einmal der Traum des Vorarlbergers, sich ein Haus zu bauen. Wenn er stattdessen und aus Gründen der Ressourcenschonung verdichtet baut oder sich gar eine Wohnung in einem „Block“ kauft, ist das aus ökologisch/ökonomischer Sicht schon ein Fortschritt und es ist wirklich viel gewonnen für das Land, für uns und für kommende Generationen.

Aber eines wollen sich Frau und Herr Vorarlberger (das unterstelle ich an dieser Stelle) auf keinen Fall nehmen lassen. Fleißig wie wir sind, wollen wir Eigentum begründen, wollen in den bezahlten und nicht gemieteten vier Wänden leben und alt werden. Und dieser Traum gerät in Gefahr, er droht für viele zu platzen.

Es gibt viele Gründe – und wir haben sie die vergangenen Tage und Wochen in den VN auch benannt – die aus dem Plan jedes arbeitstätigen und fleißigen Vorarlbergers eine Seifenblase machen, die platzt, ehe man sich versieht. Und es gibt eine ganze Reihe Schrauben, an denen man drehen kann, damit das Wohnungseigentum als Grundrecht wieder erschwinglich wird. Und es gibt noch eines. Es gibt Bereitschaft quer durch die Parteien, bei den Sozialpartnern, bei Regierung und Nicht-Regierungsorganisationen, die Schrauben richtig einzustellen. Nur nützt es nichts, wenn sich alle gegenseitig auffordern, mit dem Drehen zu beginnen und keiner dieser Aufforderung nachkommt.

Der breite Konsens lässt hoffen, dass nach der Evaluierung der Lage bald mit der Neujustierung der Wohnbauförderung begonnen wird, dass Vorschriften und Normen überprüft und angepasst werden, dass die im Ländle immer knapper werdenden Grundstücke so bebaut werden können, dass die Wohnungen und Häuser wieder leistbar sind für jene, die tagaus tagein gutes Geld verdienen, die sich mühen, ihren Kindern ein gutes Umfeld zu bieten und die mit ihrer Arbeitskraft einen großen Beitrag dazu leisten, dass Vorarlberg ein wirtschaftlicher Spitzenstandort bleibt.

Und leistbares Bauen nützt der Wirtschaft natürlich auch direkt. Baufirmen bekommen wieder Aufträge im schwächelnden privaten Wohnbau, sie können Mitarbeiter beschäftigen und Steuern zahlen. Es kann nicht Wunsch oder Vision der Vorarlberger Politiker sein, den größten Traum der Alemannen, nämlich den vom eigenen Haus (oder besser: von der eigenen Wohnung) platzen zu lassen. Sie haben es in der Hand, dass Träume weiter Wirklichkeit werden können.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862