Die Lehre gerät auch im Ländle ins Hintertreffen

Markt / 02.08.2013 • 21:05 Uhr
Lehrlinge bei der Firma Hilti in Thüringen. Auch in Vorarlberg verliert die Lehre gegenüber der Schule an Attraktivität. Foto: Neufert
Lehrlinge bei der Firma Hilti in Thüringen. Auch in Vorarlberg verliert die Lehre gegenüber der Schule an Attraktivität. Foto: Neufert

Im September startet der neue Lehrlingsjahrgang. Politik und Wirtschaft diskutieren über Zukunft der Lehre.

Schwarzach. Das längerfristige Szenario ist für die Ausbildungsform „Lehre“ durchaus düster, im Moment ist der Vorarlberger Lehrstellenmarkt aber noch nicht ausgetrocknet. Beim AMS sind mit Ende des Monats 107 sofort verfügbare Lehrstellen gemeldet. Lehrstellensuchende sind beim Arbeitsmarktservice derzeit 172 gemeldet.

Damit ist Vorarlberg im Österreichvergleich nach wie vor das Land mit der höchsten Lehrlingsquote unter den Jugendlichen. Tendenziell entscheiden sich allerdings auch die Vorarlberger Jugendlichen immer mehr für die schulische Ausbildung und gegen die duale Ausbildung, stellt Egon Blum fest, der schon vor Wochen in den VN vor einem Notstand am Lehrstellenmarkt gewarnt hatte und dies mit einer fundierten Studie auch untermauert.

Dass die Lehre Not leidet, zeigt auch die Initiative von Bundeskanzler Werner Faymann, der den von der VEM erfundenen Lehrlingsfonds österreichweit einführen will. Der in Vorarlberg freiwillige Fonds wird gerade von jenen Betrieben gespeist, die – aus welchen Gründen auch immer – keine Lehrlinge ausbilden. Damit möchte der Kanzler erstens Betriebe motivieren, Lehrlinge auszubilden, zweitens Geld für die Lehre generieren und drittens – und dagegen wehrt sich die Wirtschaft vehement – die überbetrieblichen Ausbildungszentren stärken. Das lehnten die Unternehmervertretungen postwendend ab.

Von einer „Verstaatlichung der Lehre“, wie es Lehrlingspapst Egon Blum genannt hat, will auch die ÖVP nichts wissen. Klubobmann Karlheinz Kopf gegenüber den VN: „Ich teile die Sorge von Egon Blum, dass die SPÖ die praktische Lehrausbildung zunehmend von den Betrieben in überbetriebliche staatliche Lehrwerkstätten verlagern will. Ich bin ebenso wie Blum gegen diese Verstaatlichung der betrieblichen Ausbildung.“ Die Vorwürfe, dass auch die ÖVP und namentlich Karlheinz Kopf sowohl am Rückgang der Lehrbetriebe als auch am Imageverlust der dualen Ausbildung ihren ­Anteil haben, weist Kopf zurück. Der Blum-Bonus habe sich als „Übergangsmaßnahme“ zur Steigerung der Lehrlingszahlen insbesondere in neuen Branchen durchaus bewährt, sei aber teuer gewesen und habe Betriebe, die schon lange Lehrlinge ausbilden, strukturell benachteiligt. Das 2008 reformierte Fördersytem fördere Lehrlinge zielgerichtet, dafür würden rund 320 Millionen Euro verwendet.

Ausbildungsexperten der AK und Fachleute aus der Wirtschaft geben Blum uneingeschränkt recht, wenn es um die abgeschafften Prüfungen geht. AK-Direktor Rainer Keckeis: „Die Abschaffung war ein Blödsinn.“ Die Fachleute fordern ebenso eine regelmäßige Überprüfung der Lehrbetriebe. Es gibt – so Blum und Keckeis – Betriebe, die die Berechtigung zur Ausbildung haben, Lehrlinge beschäftigen, aber noch nie einen zum Abschluss brachten. „Das ist ein Bärendienst für die Lehre.“

Ab ins 1. Lehrjahr

Vorjahr Heuer

Gewerbe & Handwerk 947 932

Industrie 402 409

Handel 322 289

Bank und Versicherung 44 36

Transport, Verkehr, Telekommunikation 28 40

Tourismus und Freizeitwirtschaft 279 218

Information & Consulting 43 49

Sonstige Lehrbetriebe 140 144

Überbetriebliche Lehrlingsausbildung 25 10

Gesamt 2230 2127

Lehre in Vorarlberg

Während in Gesamtösterreich die Lehrlingszahlen im Vergleich zu 1990 von 145.516 auf 125.228 (-13,9 Prozent) zurückgegangen sind, stiegen die Lehrlingszahlen in Vorarlberg von 7722 auf 8104 (+5 Prozent).