Ein Gewerbepark mit Volksfest
„Nochejassa“ nennt man eine nicht immer als angenehm empfundene Manöverkritik in Vorarlberg, wobei natürlich die Nochejasser wissen, wie was richtig zu machen ist.
So weit möchte ich gar nicht gehen, denn die Messe Dornbirn ist ein großes Thema, und scheinbar haben auch x-fache Strategieseminare in den letzten Jahren nicht zu einem Durchbruch für das kränkelnde Geschäftsmodell „Messe Dornbirn“ geführt.
Die Messe hat, das hat sich zuletzt wieder gezeigt, nicht nur ein Problem mit dem Wetter (das viel zu schön war), sondern mit der Attraktivität für die Besucher. Rund 4000 Menschen weniger als im Herbst 2012 flanierten über das Gelände, manche Aussteller schätzten den Rückgang noch höher – aber das mag auch an deren Angebot gelegen haben. Seit Jahren gehen die Besucherzahlen zurück, und beim Management der Messe wurde bislang kein Rezept dagegen gefunden.
Der zumindest intermistische Geschäftsführer der Messe, Daniel Mutschlechner, hat angekündigt, dass die Konzepte, die in zahlreichen Workshops ausgearbeitet wurden, beim nächsten Mal zum Tragen kommen. Und das sind die Konzepte: Man wolle mehr Action im Messezelt und die Traditionen der Messe wieder beleben, nämlich den Fokus auf die Landwirtschaft und dabei ganz besonders auf Tiere legen. Mir scheint das ein bisschen dünn, zumal die Messetradition vielleicht bei der OLMA in St. Gallen auf der Landwirtschaft liegt, in Dornbirn aber gewiss nicht. Die Dornbirner Messe wurde von Unternehmern als Export- und Mustermesse mit Schwerpunkt Textil gegründet. Diese Herkunft lässt sich zwar noch aus der Liste der Gesellschafter erahnen. Und wer will, wird auch die Modeschau der textilen Gründerzeit zurechnen.
Der beliebteste Schwerpunkt der Messe – Bauen und Wohnen – wird aus der Frühjahrs- und Herbstmesse herausgelöst und bekommt eine eigene Ausstellung. Ob das klug ist oder den beiden Publikumsmessen weitere Besucher entzieht, das wird sich zeigen, ist aber sehr wahrscheinlich. Für Daniel Mutschlechner (oder einen Überraschungskandidaten) wird die Geschäftsführung auf jeden Fall eine Herausforderung. Die Messe braucht neue Impulse, will sie ihrem ursprünglichen Zweck gerecht werden. Aber vielleicht wäre es vernünftig, wenn die Messeverantwortlichen auch Plan B eine Chance gäben: Die Hallen und das Freigelände könnten „Gewerbe- und Lagerpark“ werden. Und zweimal im Jahr findet auf dem Gelände halt ein Volksfest mit Verkaufsständen statt.
andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862
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