“Der Konsument wird zahlen”

Markt / 26.11.2013 • 22:07 Uhr
Die heimischen Frächter vermuten, dass die höheren Mauttarife die Staatskassen auffüllen sollen.  Foto: AP
Die heimischen Frächter vermuten, dass die höheren Mauttarife die Staatskassen auffüllen sollen. Foto: AP

Es gehe bei der Lkw-Mauterhöhung nur ums Geld, sagen die Vorarlberger Frächter.

Feldkirch. Die Erhöhung der Mauttarife mit Jahresbeginn 2014 zwischen acht und neun Prozent „werde sich voll auf die Transportpreise niederschlagen“, stellt der Obmann der Vorarlberger Frächter, Christoph Linder, fest. Bedeutet: Schlussendlich wird der Konsument die Zeche zahlen. Offiziell verkaufe man die Mauterhöhung als Maßnahme zur Ökologisierung, ätzte der Interessenvertreter schon zu Monatsbeginn in den VN, „tatsächlich geht es aber nur ums Abkassieren“.

Melkkuh Transportwirtschaft

Nur vordergründig treffe es die „Melkkuh Transportwirtschaft“, in Wahrheit seien die Wirtschaft des Landes und eben die Konsumenten betroffen, so Linder gestern nochmals, ohne große Hoffnung, dass sich an der Maut-Erhöhung noch etwas ändern wird. Allerdings hätte er sich von der Industrie stärkere Proteste erwartet. Doch der Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Vorarlberger Wirtschaftskammer, Michael Amann, sieht die Sache differenzierter und will nicht ganz einstimmen in den Protest: „Wir lehnen alles ab, was die Kosten treibt.“ Man müsse die Teuerung aber von Branche zu Branche, von Produkt zu Produkt betrachten. Wer großvolumige Ware nach Ostösterreich transportieren müsse, für den sei die Erhöhung „sehr dramatisch“, auch für Lebensmittelhersteller mit Hauptmarkt über dem Arlberg wirke sich die Verteuerung sehr negativ aus, so Amann im Gespräch mit den VN. Es gebe aber auch Branchen, auf die die Mauterhöhung gar keine Auswirkungen habe. 

Staatskassen füllen

Die Pläne zur Erhöhung kommen vor dem Hintergrund, dass die Politik mit der Budgetloch-Debatte eine Einnahmendiskussion losgetreten hat, vermuten die Frächter. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die höheren Mauttarife die Staatskassen auffüllen sollen“, assistiert Albert Moder, Obmann-Stellvertreter im Fachverband Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Österreich, seinem Vorarlberger Kollegen Linder.

Was Linder besonders ärgert, ist, dass die neuen Mauttarife die sauberen Lastwagen wie Euro 5 und Euro 6 stärker treffen als etwa alte Euro-3-Lkw. „Das zeigt doch ganz deutlich, dass es nur darum geht, Geld zu machen“, schimpft er. In Vorarlberg gebe es praktisch keine Euro- 3-Laster, auch in den anderen Bundesländern seien sie nur noch vereinzelt zu finden, beteuert er. „Da ist nichts zu verdienen.“

Linder und Vorarlberger Kollegen haben aber noch größere Sorgen als die Mitbewerber aus den anderen Bundesländern. Seit dem 1. November herrscht nämlich im Nachbarland Tirol wieder ein Nachtfahrverbot – und zwar für alle Lkw, auch für die nagelneuen Euro-6-Lastwagen, die weder Lärm verursachen noch Abgasnormen verletzen. Die Vorarlberger Transportwirtschaft habe in umweltfreundliche Lkw investiert, weil sie immer noch den Versprechungen der Politik vertraut habe. „Doch Rechtssicherheit ist inzwischen ein Fremdwort, wir können uns auf nichts verlassen.“

Und das Kämpfen mache müde. Man werde wohl wieder gerichtlich gegen die Tiroler Bestimmungen ankämpfen und bekäme wohl wieder recht, doch denen falle wieder eine Abänderung der Bestimmung ein, welche die Situation prolongiere, meint er resignierend. Die Rechnung jedenfalls könne die Transportwirtschaft nicht mehr übernehmen, „das zahlt der Endverbraucher“.

Es geht nicht um die Ökologisierung, es geht ums Abkassieren.

Christoph Linder, FG-Obmann

Maut im Vergleich

Mit den jetzigen Tarifen kommt ein 40-Tonnen-Lastzug in Österreich bei einer Maut von 50 Euro nur 140 km weit. Im Vergleich dazu fährt man in der Bundesrepublik Deutschland 323 km, in der Tschechischen Republik 316 km und im südlichen Nachbarland Italien 311 km. Einzelne Unternehmen haben jährlich rund 100.000 Euro Mehrkosten durch die Tariferhöhung.