Einsamkeit der Hoffnungsträger
Morgen endlich können fast 10.000 Unternehmer Motivation tanken. Sie, die sonst alleine in ihren Werkstätten und Büros am Erfolg ihrer Geschäftsidee oder einfach ums Überleben in der Selbstständigkeit kämpfen, sind nämlich zum „EPU-Erfolgstag“ der Wirtschaftskammer eingeladen. Lange wurde in der Interessenvertretung darüber nachgedacht, wie und ob man für die Einzelkämpfer in der Wirtschaft tätig werden könnte. Nun folgt die Kammer der Macht des Faktischen: 50,5 Prozent der Mitglieder sind nämlich Ein-Personen-Unternehmen, Ende 2012 waren das exakt 9890 Unternehmer.
Wenn sie wollten und sich solidarisieren würden, könnten sie das Gefüge der Pflichtmitglieder-Organisation also gehörig ins Wanken bringen. Keine andere Branche brächte entsprechendes Gegengewicht auf, egal wieviele Mitarbeiter im Gewerbe, in der Industrie oder sonstwo beschäftigt sind. Es gilt nämlich: Eine Stimme pro Mitglied. Freilich: Nach Abwägen aller Parameter wird es nicht zu einer Liste aller EPU kommen.
Trotzdem: Es gibt genug zu tun für die kleinsten Mitglieder der Wirtschaftskammer. Viele sind in einen Streit mit der Gebietskrankenkasse verstrickt, die abwägt, wie groß das Abhängigkeitsverhältnis der Kleinen zu ihren Kunden ist und je nach dem Zahlungsaufforderungen verschickt, die manchen Alleinkämpfer in existenzielle Nöte bringen. Mit den sogenannten „Amici delle SVA“ kämpft die Sozialversicherung der Gewerbetreibenden schon seit Jahren um die Höhe der Beiträge, und sogar die Müllgebühren belasten die Ein-Personen-Unternehmen überdurchschnittlich. Das Vorarlberger Wirtschaftsparlament hat in dieser Angelegenheit vergangene Woche eine Petition ans Land gerichtet.
Bis diese und weitere Anliegen der EPU geklärt sind, gibt es nun eine Zwischenmotivation. „Du schaffst, was Du willst“ heißt der Vortrag des Extremsportlers Wolfgang Fasching, der „die Kraft der Gedanken“ ins Spiel bringt. Und ganz gut aufpassen müssen die Besucher bei Elisabeth Howard, deren Referat den Titel „Hörbar erfolgreicher“ trägt. Wenn ihre Tipps tatsächlich fruchten, könnte das auch Auswirkungen in der Interessenvertretung haben:Die Anliegen ihrer Mitglieder würden dann nämlich eher Gehör finden als bisher.
Die Empfehlung an die bislang noch einsamen Hoffnungsträger kann also nur sein: Besuchen Sie den EPU-Erfolgstag, hören Sie Elisabeth Howard genau zu – und formulieren Sie Ihre Wünsche. Denn nur wer sich Gehör verschafft, wird auch ernst genommen.
andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862
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