Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Gelegenheit am Schopf packen

Markt / 23.07.2014 • 22:24 Uhr

Die Kollektivvertrag-Saison startet und die üblichen Protagonisten nehmen die gewohnten Positionen ein.  Betriebsversammlungen der Mitarbeiter der österreichischen Schienenverkehrsunternehmen (wovon die ÖBB das größte sind) sorgten für die entsprechende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, da Zugverspätungen einkalkuliert waren.

 

Auch die Wirtschaft nimmt Aufstellung. Wie jedes Jahr sind die Konjunkturaussichten der österreichischen (und der Vorarlberger Industrie) für das zweite Quartal weit weniger optimistisch als zum Jahresbeginn. Alles wie gehabt, alles beim Alten also.

Wer gehofft hat, dass diesmal Arbeitnehmer-Vertreter und Arbeitgeber-Lobbyisten gemeinsame Sache machen, wird enttäuscht. Dabei böte sich der heurige Kollektivvertragsherbst an, endlich das alte Korsett zu sprengen und neue Wege zu gehen. Zuallererst für die Mitarbeiter, die trotz harter Diskussionen bei den KV-Verhandlungen meist durch die Finger schauen und wenn überhaupt, dann nicht nennenswerte Lohnerhöhungen erhalten. Denn das Geld fließt dank der kalten Progression direkt in die Kassen des Staates, der sich freut und nichts daran ändern will.

 

Obwohl hohe Gewerkschaftsfunktionäre in den vergangenen Monaten mehrfach betonten, diesmal zusammen mit der Wirtschaft dafür zu sorgen, dass das Geld auf dem richtigen Konto landet, haben es sich die ÖGB-Granden wohl doch wieder anders überlegt. Statt das Übel an der Wurzel anzupacken und gemeinsam eine Steuerreform zu erzwingen, schiebt Gewerkschafter Haberzettl den schwarzen Peter einfach den Unternehmen zu. Ihn interessiere gar nicht, wie hoch der Bruttolohn sei, teilt er mit. Und lässt die Unternehmer auf der kalten Progression sitzen.

 

Das zeugt nicht gerade vom Willen zur Veränderung, das zeugt eher davon, dass der ÖGB von eingefahrenen Wegen nicht abrücken will. Und Hardlinern unter den Unternehmervertretern wird das ganz recht sein. Das Problem zu hoher Arbeitskosten  wird damit aber nicht gelöst und auch die schwindende Konkurrenzfähigkeit der einheimischen Wirtschaft auf internationalen Märkten nicht gestoppt. Damit werden Arbeitsplätze gefährdet – und das kann ja wohl nicht im Sinne der Arbeiterführer sein. Noch ist es früh genug, diesmal statt oft sinnloser und ritualisierter Konflikte die Probleme gemeinsam am Schopf zu packen. Das wäre eine überraschende KV-Saison 2014.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862