Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Die Wünsche bleiben gleich

Markt / 15.10.2014 • 22:24 Uhr

Als die Wirtschaft ihre ersten Interessenvertretungen gründete – das war vor knapp 160 Jahren – war die Not für die jungen Unternehmen groß. Die Bürokratie des Kaiser- und Königreichs schnürte der aufstrebenden bürgerlichen Klasse die Luft zum Leben ab. Die Steuern waren exorbitant, denn immerhin mussten die „Neureichen“ eine ganze Reihe von Altreichen finanzieren. Die Mitarbeiter waren damals kein Thema, denn die waren im 19. Jahrhundert in Österreich noch so billig wie heute in Südostasien und hatten ungefähr die gleichen Rechte, nämlich keine. Gefordert wurde damals nichts, das war zu gefährlich. Aber gewünscht haben sich die Wirtschaftspioniere Erleichterungen, Infrastruktur und Steuererleichterung.

 

Vor Kurzem stellten wieder Manager und Eigentümer von 33 österreichischen Leitbetrieben in Absprache mit 900 kleineren Firmen ihre Wünsche vor und – wen wundert es – sie klingen genauso wie die aus den 1850er-Jahren. Einen Unterschied gibt es freilich: Die liberalen Wirtschaftsführer waren das Feindbild der kaiserlichen Regierung, heute werden die Wünsche zusammen mit dem Wirtschaftsminister präsentiert. Das erhöht die Möglichkeit, dass einige der Wünsche umgesetzt werden.

 

Drei Monate haben die Wirtschaftsführer diskutiert, abgewogen und in viele kleine Happen aufgeteilt. Dass sich die wichtigsten: Forschung und Innovation, Faire Wettbewerbsbedingungen, Klima, Energie, Umwelt und Rohstoffe, Skills und Spitzenkräfte sowie Finanzierung und Rechtsrahmen, nun in 130 kleinen Kapiteln finden, ist ein politisch kluger Schritt, denn er erhöht die Chancen, dass aus Wünschen Wirklichkeit wird. Es ist einfach realistischer, dass ein Teil dieser kleinen Forderungen umgesetzt wird.

 

An einer Tatsache änderte sich auch heute nichts. Die Wirtschaft wird immer Forderungen an die Regierenden haben und sie werden immer nur zum Teil erfüllt werden. Denn die Politik ist nicht so flexibel und schnell wie die Wirtschaft. Das zeigt sich z. B. an der Entfesselung der globalen Wirtschaft, auf die Regierungen weltweit bis heute keine Antwort gefunden haben. In einigen Bereichen ist es durchaus wünschenswert, wenn gebremst wird, denn zu den Forderungen der Wirtschaft gibt es heute auch noch die Anliegen der Arbeitnehmer. Solange die Wirtschaft „wünscht“, ist das aber ein gutes Zeichen für den Standort. Gefährlich wird es dann, wenn die Unternehmer ihre Stimme nicht mehr erheben.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862