Der Regenbogen verliert Farbe

Markt / 12.03.2015 • 21:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Voest-Manager Massimo Del Grosso führt die Vorarlberger Delegation durch die Werkshallen des Unternehmens in Kampton/Johannesburg. Fotos: VN/Scalet  
Voest-Manager Massimo Del Grosso führt die Vorarlberger Delegation durch die Werkshallen des Unternehmens in Kampton/Johannesburg. Fotos: VN/Scalet  

Der fröhliche Aufbruch ist Geschichte. Süd­afrika kämpft mit vielen Problemen.

Schwarzach, Johannesburg. (VN-sca) Wenn man durch den Johannesburger Stadtteil Sandhost fährt, wähnt man sich in einer europäischen Großstadt: Hochhäuser mit Glasfassaden, schicke Hotels, eine Shopping Mall der Superlative. Doch das Quartier ist nur eine Seite der Millionenstadt. Rundum quellen Townships, denn der Flüchtlingsstrom aus Simbabwe und anderen Nachbarländern reißt nicht ab. Downtown ist zwar sicherer als früher, aber nicht der bevorzugte Aufenthaltsort der „Joburger“.

Davon will Clifford Ndlovu, Chef des Gauteng Investment Centre (GGDA), nichts wissen. Er hat die Aufgabe, den Standort, also die Provinz Gauteng, zu verkaufen. Und da haben Probleme wenig Platz – auch nicht Bürokratie und Korruption. Alpla, so Ndlovu, sei ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Ansiedlung. Doch das relativierte Alpla-South-Africa-Direktor Javier Delgado anhand der eigenen Erfahrungen. Bürokratische Hindernisse, lange Genehmigungsfristen, Broad-Based Black Economic Empowerment (BBBE) – wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Unterstützung der rechtlichen Gleichstellung aller Südafrikaner – machen es besonders für ausländische Unternehmen schwer, sich in Südafrika niederzulassen. Alpla hat es gewagt und ist bereits im ersten Jahr auf dem Schwarzen Kontinent für anspruchsvolle Kunden tätig. Die Pläne für ein neues Werk liegen bereits vor.

In der größten Börse Afrikas, der Johannesburg Stock Exchange, schätzt man die Lage ebenfalls kritisch ein. Monica Ambrosi stellte den Vorarlbergern ein Land mit vielen Chancen vor, sprach aber die Probleme ebenfalls an. Auf Erste-Welt-Niveau sieht sie die Finanzwirtschaft, doch gebe es eine ganze Reihe von Problemen zu lösen (siehe oben). Die Gleichstellungsvorschriften etwa können sehr individuell ausgelegt werden, und das schade der Wirtschaft.

Brückenkopf nach Afrika

Die Kritik wiederholt sich auch bei den weiteren Vorarlberger Unternehmen, die besucht wurden. Dennoch sehen die Unternehmen Tridonic in Johannesburg und Grass in Kapstadt, die jeweils mit Vertriebsfirmen in Südafrika vertreten sind, auch das große Potenzial in dem 52-Millionen-Einwohner-Land, dessen Mittelschicht auf rund acht Millionen Menschen geschätzt wird. Geschätzt deshalb, weil es erstens aus verschiedenen Gründen keine Meldepflicht gibt und zweitens täglich rund 1500 Flüchtlinge nach Südafrika kommen (zurückgeschickt wird keiner). Rund 60 österreichische Unternehmen sind im Land am Kap vertreten, für die meisten ist es ihr Brückenkopf nach Schwarzafrika. Das größte Unternehmen ist die Voest Alpine ZA. CEO David Marite und CFO Massimo Del Grosso stellten Geschäftsfelder und das große Werk vor. Eines steht fest: Die Regenbogen-Nation, von Volksheld Nelson Mandela ob der Vielfalt unterschiedlicher Volksgruppen so getauft, kämpft mit den Mühen des Erwachsenwerdens – die Schwarzen (die auf dieser Benennung bestehen) verlangen ihr Stück vom Kuchen, Weiße und Farbige versuchen ihre Position zu halten. Die Farben des Regenbogens verblassen, doch die Chance ist groß, dass sich die Südafrikaner auch diesmal auf einen gemeinsamen Weg einigen.

Für die fast 30 VN-Wirtschaftsreisenden gab es neben weiteren Highlights aber auch ein ganz besonderes Vorarlberger Engagement zu besichtigen und zu verkosten. Das Weingut Constantia Glen des Dornbirners Alexander Waibel gehört zu den besten des Landes und überzeugt auch weltweit, zum Beispiel Weinpapst Robert Parker, der mit Spitzenbewertungen nicht geizte.

Die Exkursion wurde organisiert von Herburger Reisen (Transport, Unterbringung, Verpflegung), dem Büro von Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (Kontakte mit Politikern und der Europäischen Investmentbank) und der VN-Wirtschaftsredaktion (Firmenbesuche und Besuch der Börse). Der Handelsdelegierte Johannes Brunner unterstützte die Reise vor Ort.

Südafrika ist das Tor zum Schwarzen Kontinent.

Johannes Brunner, Österr. Wirtschafts­delegierter
Beeindruckend: Die Spedition DB Schenker lud zur Rundfahrt durch den Kapstadter Industriehafen.  
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Monica Ambrosi stellte Börse und Wirtschaft vor.  
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Horst Prader stellte das Weingut Constantia Glen vor.  
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Die Reiseteilnehmer im Showroom des Beschlägeherstellers Grass in Kapstadt.  
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Der ehemalige Politiker und Außenhandelschef der WKV, Walter Kornexl, berichtet über sein
Der ehemalige Politiker und Außenhandelschef der WKV, Walter Kornexl, berichtet über sein „Halbjahresleben“ am Kap.