Tausche Lohnerhöhung gegen mehr freie Tage

Markt / 13.07.2015 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Nächste Runde der Arbeitszeitdiskussion: Produktionsgewerkschaft will Freizeit­option ab Herbst.

Dornbirn. (VN-reh) Die österreichische Gewerkschaftslandschaft ist derzeit so geteilt wie selten zuvor. Denn beim Thema Arbeitszeit haben alle ihr persönliches Erfolgsrezept. Während die Gewerkschaft der Privatangestellten eine 35-Stunden-Woche fordert, will der ÖGB die sechste Urlaubswoche für alle. Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE wiederum setzt sich vehement für die Freizeitoption ein, ein Instrument also, das es Arbeitnehmern ermöglicht, anstelle einer Lohnerhöhung zusätzliche Freizeit in Anspruch zu nehmen. Für PRO-GE-Landesvorsitzenden Norbert Loacker (62) ist die Freizeit­option quasi ein kleines Allheilmittel, also eine echte Alternative für beide Seiten, für Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. Diese würden sich zurzeit aufgrund verschiedener Vorstellungen nur blockieren. Während alle anderen Modelle ein Korsett bedeuten, das allen übergestülpt wird, spreche gegen die Freizeitoption kein einziger sachlicher Grund. Für Sigi Birnleitner (56), den Landesgeschäftsführer der Produktionsgewerkschaft, ist die Freizeitoption eine klare Win-win-Situation. „Der einmalige Verzicht auf eine Lohnerhöhung bewirkt circa eine Woche bezahlte Freizeit und zwar für alle Jahre, die bei dieser Firma auch noch in Zukunft verbracht werden.“ Und das Wichtigste: Es gibt keinen Zwang, weder für den Arbeitgeber noch für den Mitarbeiter.

Gute Erfahrungen

Es gibt bereits Branchen, die das ihren Mitarbeitern ermöglichen. Die Elektroindustrie beispielsweise genauso wie die Fahrzeug- und Stahl­industrie sowie seit Neuestem die Papierindustrie. Vorzeigebetrieb im Land ist der Leuchtenkonzern Zumtobel, wo schon zehn Prozent der Mitarbeiter diese Option in Anspruch nehmen.

Damit aber niemand denkt, diese Option sei ein reines Wunschdenken der Gewerkschaft, wurde Markt- und Meinungsforscher Edwin Berndt beauftragt. Er untersuchte, wie die Vorarlberger bzw. die Mitarbeiter großer Industriebetriebe einer möglichen Freizeitoption gegenüberstehen. Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage: 60 Prozent der befragten Vorarlberger und 84 Prozent der Mitarbeiter aus der Industrie befürworten die Einführung einer Freizeitoption. Überdurchschnittlich hoch ist der Zuspruch bei den Führungskräften sowie Angestellten und Beamten. Weniger Zustimmung gibt es vonseiten der Hilfsarbeiter. Hier vermutet Edwin Berndt ein finanzielles Motiv, denn sie seien aufgrund ihres geringeren Verdienstes vielfach auf Lohnerhöhungen angewiesen. Noch höher wäre der Zuspruch für die Freizeitoption gewesen, sagt Berndt, wenn die Menschen besser informiert wären.

Ab Herbst umsetzen

Norbert Loacker sieht sich durch die Umfrage klar bestärkt. Sein Ziel ist es, dass die Freizeitoption in der Metallindustrie österreichweit ab 1. November kommt. Weitere Branchen sollen danach folgen. Diese Hoffnung gab es allerdings bereits bei der vergangenen Herbstlohnrunde, als Karl Proyer (61), Chefverhandler der GPA, betonte, dass es keine Verhandlungslösung ohne Freizeitoption geben werde. Am Ende ist daraus aber nichts geworden. Die Arbeitgeber orteten eine versteckte Arbeitszeitverkürzung. Loacker sieht in der Skepsis der Arbeitgebervertreter aber nicht Unwille, sondern mangelnde Information. Bislang sei nur die Industriellenvereinigung offen für das Thema, während sich die Wirtschaftskammer verdächtig ruhig verhalte. Goethe sagte einmal: „Der Herbst ist immer unsre beste Zeit.“ Ob das auch für die Gewerkschaft gilt, bleibt abzuwarten.

Die Freizeitoption muss in der Metallindustrie ab Herbst kommen.

Norbert Loacker