„Aus Bringgeschäft ist Holgeschäft geworden“

Markt / 09.09.2015 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Walser Privatbank im „Stern“-Gebäude in Riezlern hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu orientiert. Foto: Grabherr
Die Walser Privatbank im „Stern“-Gebäude in Riezlern hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu orientiert. Foto: Grabherr

Sparkasse Dornbirn und Bank Austria ziehen sich aus dem Kleinwalsertal zurück.

Mittelberg. (VN-sca) „Das Geschäftsmodell hat sich erledigt“, begründet Helmut Bernkopf (48), Vorstand der UniCredit Bank Austria AG und dort für das Commercial Banking zuständig, den Rückzug der Bank Austria aus dem Kleinwalsertal. Die Bankfiliale, die über viele Jahre Anlaufstelle für deutsche Kunden war, schließt ihre Pforten. Auch die Dornbirner Sparkasse zieht sich aus der für die deutschen Kunden über lange Jahre sehr attraktiven österreichischen Steuerenklave zurück, wie Werner Böhler (59) gegenüber den VN bestätigt.

Rückzug Anfang 2016

Anfang 2016 werde die in den vergangenen Jahren sehr profitable Filiale  geschlossen, die Mitarbeiter haben interessante Arbeitsplatzangebote in der Dornbirner Zentrale erhalten, so Böhler, das sei dem Vorstand der Bank wichtig gewesen. „Im Zuge unserer künftigen Strategie haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.“ Ansonsten hätte man das Engagement Richtung Deutschland ausweiten müssen, begründet er den Rückzug, aber man wolle sich auf das Geschäft im Land konzentrieren. Vor Ort wird aus dem Sparkassen-Sektor dann nur noch die Sparkasse Allgäu, die an ihren grünen Logos zu erkennen ist, tätig sein.

Anders die Hypo-Bank: „Wir bleiben im Tal“, bekräftigt Vorstandschef Michael Grahammer (51), denn die Hypo habe zahlreiche Kunden unter den Kleinwalsertalern und sei nicht auf das einstmals lukrative Geschäft mit Kunden aus dem Nachbarland fixiert gewesen. Die Filiale ist nichtsdestotrotz personell so gut ausgestattet, dass Verwaltungsaufgaben aus der Zentrale in Bregenz nach Riezlern verlegt werden.

Ebenfalls im Tal bleibt die Vorarlberger Volksbank. „Wir sind eine Vorarlberger Regionalbank und wollen für unsere Kunden im Kleinwalsertal weiterhin unsere Dienste anbieten“, begründet Gerhard Hamel (50), Vorstandsvorsitzender der in Rankweil beheimateten Bank, den weiteren Verbleib im Tal. Lange Jahre waren die Filialen Cashcows der Vorarlberger Banken, doch seit schärfere Steuerfahndung und das gelockerte österreichische Bankgeheimnis greifen, ist die Zahl der Kunden aus Deutschland wie das Volumen des verwalteten Vermögens über die letzten Jahre kontinuierlich zurückgegangen. Das bestätigen die meisten Banken im Kleinwalsertal ebenso wie im Tiroler Ort Jungholz, den dasselbe Schicksal trifft wie die Walser.

Neue Ausrichtung

Dass sich das Geschäft gewandelt hat, bestätigt auch der Vorstand der Walser Privatbank, Erhard Tschmelitsch (53). Die Bank, die zu knapp über 80 Prozent im Besitz der Walser Raiffeisen-Holding-Genossenschaft und zu über neun Prozent im Besitz der Raiffeisenlandesbank ist, hat sich auf diesen Wechsel eingestellt. Die Walser Privatbank hat inzwischen Niederlassungen in Deutschland, Liechtenstein und Luxemburg. Man setzt auf Beratung und innovative Produkte. Dass die Bank auf dem richtigen Weg ist, zeigen die zahlreichen Auszeichnungen, so Tschmelitsch, beispielsweise der Preis des „Fuchs-Report“, der der Bank herausragende Leistungen im Beratungsgespräch, in der Vermögensstrategie, bei Portfolioqualität und Transparenz bescheinigt.

Die Bank mit ihren 171 Mitarbeitern erhielt den Titel „Bester Private-Banking-Anbieter für Kunden in Deutschland und beste österreichische Adresse“. Aber eines sei klar: Früher kamen die Kunden von alleine, heute ist aus dem Bringgeschäft ein Holgeschäft geworden. Die Genossenschafter betreiben neben der Walser Privatbank für die Einheimischen drei Filialen unter dem Raiffeisen-Giebelkreuz.

Stichwort

Bankgeheimnis

Österreichs einstmals strenges Bankgeheimnis hat viele Ausländer in die Alpenrepublik gelockt. Besonders attraktiv war für deutsche Kunden das Kleinwalsertal als Zollausschlussgebiet. Sie mussten weder ihr Geld umtauschen noch den Zoll fürchten. In den vergangenen Jahre verschärften sich die Bedingungen für Steuerflüchtlinge, die Geschäfte gingen kontinuierlich zurück.

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