Der Blick über den Tellerrand

02.10.2015 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Towa-Geschäftsführer Florian Wassel.  Fotos: VN/Hofmeister
Towa-Geschäftsführer Florian Wassel. Fotos: VN/Hofmeister

Wie Vorarlbergs Unternehmen in Zeiten von Digitalisierung von Start-ups profitieren.

Schwarzach. Die Digitalisierung schreitet unaufhörlich voran – eine Aussage, die heute keinen mehr schreckt. Dennoch, in Vorarlberg passieren die Dinge manchmal etwas bedächtiger. An neue Kommunikationsmöglichkeiten gehen viele Unternehmen noch vorsichtig heran. Ein Problem, sagt Florian Wassel, Geschäftsführer der Bregenzer Digital-Agentur Towa, ist die Schnelligkeit. Wenn man sich mit einer Technologie auseinandersetze, gibt es schon etwas Neues. Viele Firmen warten damit, bis sich die Geschwindigkeit etwas verlangsamt hat. Dabei sei das gerade erst der Anfang. „Wer sich heute nicht mit Facebook oder User-Daten auseinandersetzt, der wird morgen Probleme haben, wenn es darum geht, dass beispielsweise Maschinen und Geräte miteinander kommunizieren sollen“, ist er überzeugt.

Lernen könne man dabei besonders von Start-up-Unternehmen, so Wassel, der zu diesem Thema gemeinsam mit der Zeppelin-Universität zu einer Veranstaltung lud. Von deren Mut und Neugier könne man sich jedenfalls vieles abschauen und deren Ansätze und Ideen in das eigene Unternehmen eingliedern. Aber man kann nicht nur von ihnen lernen. In sie zu investieren, ist die andere Möglichkeit. Referent Alexander Stoeckel, Partner der Venture Capital Firma b-to-v mit Sitz in Berlin und St. Gallen, sagt auch warum. Weil die Digitalisierung den Konkurrenzdruck verschärft hat, sorge eine Investition dafür, am Puls der Zeit zu sein, unternehmerische Talente an sich zu binden und auch das Akquisitionsrisiko zu mindern.

2500 Anfragen im Jahr

Sein Unternehmen b-to-v sichtet in der Woche über 50 Business-Pläne von Start-ups. Tendenz steigend – auch weil an den Universitäten Unternehmertum heute stärker gefördert wird. Die Gründer werden einer genauen Prüfung unterzogen. Von 2500 Bewerbern im Jahr werden am Ende zwischen 20 und 30 tatsächlich finanziert. Hundertprozentig abschätzen kann man den Erfolg eines Start-ups im Vorfeld natürlich nicht. Wenige werden zu „unicorns“ – also zu Firmen, die nicht an der Börse notiert und mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. „Man muss die Fähigkeit mitbringen, gezielt Risiko zu nehmen. Irrtum ist ein ständiger Beifahrer“, erzählt Stoeckel aus der Praxis. Danebengreifen zählt genauso dazu wie den richtigen Riecher zu haben. Bauchgefühl ist mit dabei, aber genauso viel Opportunismus. Man könne nicht jeden Tag die Welt retten.

Eine Möglichkeit für Unternehmen, in Start-ups zu investieren, bieten Investorenkreise – eine Gruppe von Privatpersonen mit Unternehmerhintergrund. „Man denkt Beteiligungsmöglichkeiten durch, diskutiert und investiert in der Folge gemeinsam“, erklärt Stoeckel. b-to-v, zu deren erfolgreichsten Exits Windeln.de, Qype oder Facebook gehören, investiert jährlich rund 20 Millionen Franken in Start-ups. Trotz des Erfolgs wird auch Steockel immer wieder überrascht. „Wenn ich Menschen mit herausragenden Ideen treffe, habe ich immer noch diesen Wow-Effekt.“

Alexander Stoeckel, Partner bei Venture Capitalist b-to-v.
Alexander Stoeckel, Partner bei Venture Capitalist b-to-v.