„Zwei Wochen Mallorca sind nicht meine Welt“

Markt / 09.10.2015 • 20:01 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nach seiner Tätigkeit auf den Bermudas und nach fünf Jahren als Diskothekbetreiber übernahm Franz Fetz 1975 die Geschicke des Gasthofs Hirschen in Schwarzenberg. Fotos: VN/Hofmeister
Nach seiner Tätigkeit auf den Bermudas und nach fünf Jahren als Diskothekbetreiber übernahm Franz Fetz 1975 die Geschicke des Gasthofs Hirschen in Schwarzenberg. Fotos: VN/Hofmeister

Schwarzenberg. Franz Fetz hat vor 40 Jahren den „Hirschen“ in Schwarzenberg übernommen. Nach anfänglicher Skepsis ist sein Kunsthotel heute über die Grenzen hinaus bekannt. Im Interview spricht er darüber, wie alles anfing, die Kunst, und woher er seine Inspiration nimmt.

40 Jahre Hotel Hirschen, eine stolze Zeit. Als Sie 1975 das Hotel eröffneten, war die Skepsis aber groß – in der Familie und in der Branche.

Fetz: Es war schon sehr heftig. Im Bregenzerwald war die Situation so, dass man gesagt hat, ein Hotel unter 50 Betten hat keine Chance. Ich hatte 30 Betten, und das Haus war in einem sehr miesen Zustand. Ich habe auch mit Tischdecken angefangen, das war damals nicht so üblich. Und ich habe mich dagegen gesträubt, dass man Gäste für 100 Schilling die Nacht zu Tausenden in den Bregenzerwald gekarrt hat. Viele haben lange nicht mit mir geredet. Später haben sie sich daran gewohnt, dass ich anders bin.

Bevor Sie Hotelier wurden, haben Sie sich in anderen Sparten der Gastronomie versucht, Sie waren im Ausland und haben eine Diskothek eröffnet. Was war die spannendste Zeit?

Fetz: 1970 habe ich den Felsenkeller am Bödele eröffnet. Davor war ich zwei Jahre lang auf den Bermudas, habe viel gesehen und erlebt. Mein Musiktrieb war vorher schon da, wurde dort aber intensiver. Als ich heim kam, meinte mein Vater, ich kann den Felsenkeller übernehmen – mit seinem Zitherspieler. Da wollte ich wieder zusammenpacken und gehen. Nach langen Streitigkeiten habe ich den Keller dann übernommen. Es war fünf Jahre lang eine Erfolgsstory, auch weil es mir einfach leicht von der Hand gegangen ist. Mit 30 dachte ich, ich müsste seriös werden und habe den „Hirschen“ übernommen. Das Bödele war für mich nie ein Thema. Alle meine Freunde haben gesagt, der spinnt. Wie kann der so eine alte Wälderwirtschaft übernehmen.

Sie haben schon sehr früh für ein kulturelles Umfeld im Hotel gesorgt. Wie kam es dazu?

Fetz: Als ich im „Hirschen“ angefangen habe, habe ich die Gästebücher bis ins Jahr 1850 zurück gefunden. Hier gab es damals schon eine Hochkultur. Der Bayern-König war hier genauso wie der Sachsen-König, und Eduard Mörike war auf Hochzeitsreise in Schwarzenberg. Ich habe ein spezielles Publikum hergebracht, viele Feste veranstaltet. Alles was Rang und Namen hatte, hat im „Hirschen“ geheiratet – bis zur Getty-Hochzeit. Das erste Konzert im Haus war mit Köhlmeier und Bilgeri. 27 Jahre lang hatte ich Konzerte mit Oscar Klein.

Dann ist die Kultur mehr persönliches Anliegen als Marketingkonzept?

Fetz: Ich lebe für die Kunst, habe sehr gerne Künstler hier. Es war ein Glück, dass wir uns dazu entschlossen haben, uns als Kunsthotel zu positionieren. Der erste „artist in residence“ war Paul Renner, und so hat sich viel getan. Künstler aus der ganzen Welt kamen hierher. Viel von dieser Kunst habe ich mir nicht leisten können, es ging eher sukzessive. Ich freue mich über jedes Bild, muss allerdings mittlerweile um die Plätze dafür kämpfen.

Woher nehmen Sie die Ideen und die Kraft, das alles umzusetzen?

Fetz: Ich reise sehr gerne und immer an spannende Orte, wo ich denke, da kann ich etwas lernen. Zwei Wochen Mallorca sind nicht meine Welt. Ich habe Freunde von New York bis in die Türkei. So komme ich mit Menschen zusammen, die mir Orte und Plätze empfehlen. Jetzt habe ich dafür auch mehr Zeit.

Wie geht es weiter? Was haben Sie noch für Pläne als Hotelier?

Fetz: Ich werde in erster Linie schauen, dass ich für meinen Sohn, der das Haus übernehmen wird, einen guten Sockel liefere. Damit er es einfacher hat, als ich es damals hatte. Ich werde schauen, dass es Elektro­tankstellen in der Tiefgarage gibt. Und ich möchte mehr reisen. Ich habe auf vieles verzichtet, weil ich eben viel im Haus präsent war. Da gibt es also viel nachzuholen. Zudem tue ich heute für meine Gesundheit mehr denn je.

Wie würden Sie das heutige wirtschaftliche Umfeld in Gastronomie und Hotellerie beschreiben? Was ist der Unterschied zu Ihrem Start vor 40 Jahren?

Fetz: Es ist viel dynamischer und schneller geworden. Das Internet hat unser Geschäft wahnsinnig verändert. Wir haben dadurch viel bessere Auslastungen, weil wir mehr Leute erreichen. Nicht nur während der Festspiele oder der Schubertiade, sondern auch im Winter. Früher war das eine Saure-Gurken-Zeit, in der ich wahnsinnig gelitten habe, weil niemand gekommen ist. Heute geht es nicht nur ums Skifahren, sondern man geht Touren, Schneeschuhwandern oder rodeln. Aber man hat durch die Bewertungen im Internet auch den Druck, dass alles immer picobello ist. Das muss man den Mitarbeitern predigen. Das ist die Herausforderung der heutigen Zeit. Aber wir sind Gott sei Dank überall bestens bewertet. Ich habe einen tollen Beruf und habe nach wie vor Spaß daran.

Das Kapital von Schwarzenberg sind die alten Häuser. Und dass wir Angelika Kauffmann haben.

Im Kunsthotel spürt man an jeder Stelle die Liebe zum Detail. Trotzdem wird darauf geachtet, die lange Tradition des Hauses zu bewahren.
Im Kunsthotel spürt man an jeder Stelle die Liebe zum Detail. Trotzdem wird darauf geachtet, die lange Tradition des Hauses zu bewahren.

Kennzahlen

» Gegründet: 1601, Wiederaufbau nach dem großen Dorfbrand 1755

» Hotel: 32 Zimmer, 4 Suiten, eigene Alpe, einziges Vorarlberger Mitglied der „Schlosshotels und Herrenhäuser“-Vereinigung

» Restaurant: Küchenchef Mario Herrmann, Restaurantleiter Robert Thurnes, 1 Gault-Millau-Haube sowie 89 Punkte im Falstaff-Guide

» Mitarbeiter: 30

Zur Person

Franz Fetz

Geschäftsführender Gesellschafter Hotel Gasthof Hirschen Franz Fetz GmbH

Geboren: 22.7.1946

Ausbildung: Volksschule in Schwarzenberg, Gymnasium Mehrerau in Bregenz, Hauptschule Dornbirn, Handelsschule Lustenau, dreijährige Ausbildung an der Hotelfachschule Bad Hofgastein

Laufbahn: verschiedene Auslandspraktika u. a. in Verbier (CH) und Cannes; Tätigkeit auf den Bermudas als Chef de Rang; 1970–1975 Betreiber Disco Felsenkeller am Bödele, 1975 Übernahme Gasthof Hirschen

Familie: zwei Kinder