„Mussten die alten Gespenster austreiben“

30.10.2015 • 19:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Martin Schmid ist stolz auf die Vielfalt an Produkten, die bei Montfort Kunststofftechnik produziert wird. Zum Beispiel die Trinkflaschenverschlüsse mit integriertem Sirup.  Fotos: VN/Steurer
Martin Schmid ist stolz auf die Vielfalt an Produkten, die bei Montfort Kunststofftechnik produziert wird. Zum Beispiel die Trinkflaschenverschlüsse mit integriertem Sirup. Fotos: VN/Steurer

koblach. Martin Schmid wurde mit 31 Jahren Geschäftsführer von Montfort Kunststofftechnik. Heute ist er auch Gesellschafter und hat das Unternehmen auf einen wirtschaftlich erfolgreichen Weg gebracht.

Der Startschuss für Montfort Kunststofftechnik fiel 2001 als Ein-Personen-Unternehmen. Der Betrieb wurde dann aber vollkommen neu strukturiert. Wie schwer war dieser Weg?

Schmid: Der damalige Geschäftsführer hat 2001 als „One-man-show“ gestartet, ist dann gewachsen, war aber wirtschaftlich nicht erfolgreich. Ich bin 2007 dazu gekommen, weil jemand für den Vertrieb gesucht wurde. Ich habe aber gesehen, dass die Firma eher jemanden braucht, der eine Struktur schafft und aufräumt. Wir leiden heute noch finanziell darunter, das ist ein harter Weg, aber die Gesellschafter sehen das als langfristiges Projekt. Wir haben ein Qualitätsmanagement wie eine große Firma, eine komplette Chargen-Rückverfolgung und haben festgestellt, dass wir tolle transparente Teile spritzen können, was andere nicht können. Durch diesen USP haben wir Aufträge bekommen, konnten zudem in den Medizinbereich einsteigen. Spätestens 2012, als wir mit dem Trinkverschluss angefangen haben, war uns klar, das ist der richtige Weg. Wir betreiben auch zwei Reinräume, so können wir sterile Produkte direkt herstellen. Das sind alles Segmente, die heute eine super Basis bilden, um künftig Projekte umzusetzen.

Wie wirtschaftlich erfolgreich ist Montfort heute?

Schmid: Wir sind heute im wirtschaftlich erfolgreichen Bereich, aber wir haben einen Rucksack aus der Vergangenheit zu tragen. Das ist uns bewusst und das bauen wir gezielt und langfristig ab. Es braucht dazu natürlich Gesellschafter, die das mittragen. Ohne wirtschaftlichen Erfolg darf man kein Unternehmen führen. Das muss relativ kurz- und mittelfristig ersichtlich sein. Im produzierenden Betrieb kann ich nicht die Hälfte der Mitarbeiter rausschmeißen und sagen, wir sind saniert. Als produzierender Betrieb kann ich auch nicht mit Emotionen neue Kunden gewinnen, weil das Gegenüber meist ein professioneller Einkäufer ist. Man muss sich also erholen, einen Ruf aufbauen und das Vertrauen der Kunden gewinnen. Das dauert halt lange, weil man zuerst die alten Gespenster austreiben muss.

Sie bieten den Kunden ein Komplettpaket an. Muss man das heute?

Schmid: Das behauptet eigentlich jeder, dass er alles kann. Wir alleine können das nicht. Deshalb haben wir uns in den letzten Jahren ein Innovationsnetzwerk aufgebaut. Wir bauen zum Beispiel keine Spritzgussformen, weil es welche gibt, die das viel besser können. Wir konzentrieren uns auf den Spritzgussprozess und auf das Produkt. Durch die Partner sind wir heute imstande, den Kunden von der Idee zum fertigen Produkt zu begleiten. Das bringt große Vorteile, weil der Kunde bei uns das Produkt aus einer Hand bestellen kann.

Sie konzentrieren sich auf mehrere Branchen, von Medizin bis Lebensmittel. In welchem Markt sehen Sie die größten Chancen?

Schmid: Wir sind nicht nur marktabhängig, sondern projektabhängig. Wenn das mit dem Trinkverschluss aufgeht, wird das ein großer Umsatztreiber. Auch mit anderen Kunden gibt es tolle Projekte. Das hat aber nichts mit der Konjunktur zu tun. Aber den gesamten Gesundheits-, Medizin- und Lebensmittelbereich sehen wir als Markt, in dem wir wachsen wollen, weil es tolle, stabile Märkte sind. Die Automobilindustrie war es lange Zeit, ist aber heute ein harter Markt.

Wie kommt ein relativ kleines Unternehmen zu so großen Kunden wie Volkswagen?

Schmid: Wir sind kein Tier-1-Lieferant, beliefern also VW nicht direkt. Aber es gibt im Land viele professionelle Firmen, die erfolgreich in der Automobilbranche tätig sind, und die brauchen auch Partner. Da kommen dann wir ins Spiel. Generell machen wir fast alles über Mundpropaganda.

Kommen die Kunden mit Wünschen auf Sie zu oder entwickeln Sie auch eigene Ideen?

Schmid: Üblicherweise kommt der Kunde mit einem Bedarf auf uns zu. Der klassische Fall ist, dass jemand mit der fertigen Konstruktion kommt. Es gibt aber auch viele, die sagen, das ist nicht unsere Kernkompetenz, wie das Kunststoffteil aussieht. Wir machen dann das Konzept und sind teilweise bereits während der Entwicklung eingebunden.

Sie wurden schon mit 31 Jahren Geschäftsführer. Was hat sie daran gereizt?

Schmid: Ich wollte immer schon selbstständig sein und ich wollte etwas, wo man sein Produkt angreifen kann. Das ist Monopoly für Große. Wir verändern die Welt mit unseren Produkten. Wir produzieren Dinge, die anderen nützlich sind. Klar war damals auch viel Mut dahinter, aber ich wollte es unbedingt. Wirtschaftlich war es nicht die beste Variante, aber ich kann meinen Traum leben und das ist es mir wert.

Es geht uns immer darum, zusammen mit dem Kunden die wirtschaftlichste Lösung zu finden.

Martin Schmid erklärt die Produktionsabläufe am Koblacher Firmensitz. Produziert wird im Drei-Schicht-Betrieb.
Martin Schmid erklärt die Produktionsabläufe am Koblacher Firmensitz. Produziert wird im Drei-Schicht-Betrieb.

Kennzahlen

» Gegründet: 2001

» Gesellschafter: „Eisbär“ Trockentechnik GmbH (Anteil: 23,6502 %), Cotton-tex AG, Schweiz (Confoederatio Helvetica) (20,6762 %), Ing. Mag.(FH) Martin Schmid
(24,9998 %), Ing. Martin Spiegel (20,6762 %), Markus Zimmermann (9,9976 %)

»Umsatz 2014: 2,2 Mill. Euro

» Mitarbeiter: 24

Zur Person

Martin Schmid

Geschäftsführer und Gesellschafter Montfort Kunststofftechnik Koblach

Geboren: 10.02.1976

Ausbildung/Laufbahn: HTL Rankweil für Nachrichtentechnik, Tätigkeit bei Hirschmann, später Wechsel in den Automotive-Bereich als technischer Einkäufer, berufsbegleitendes Studium Export und Internationales Management am Management Center Innsbruck; Wechsel zu Ivoclar Bürs (After-Sale-Service); seit 2007 Geschäftsführer bei Montfort Kunststofftechnik; Vortragstätigkeit am Management Center Innsbruck; Vorstandsmitglied Junge Wirtschaft Vorarlberg

Familie: verheiratet, zwei Kinder