Jobs für Ältere: Es stehen noch finanzielle Mittel zur Verfügung

Markt / 01.11.2015 • 20:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ältere Arbeitnehmer tun sich aktuell am Arbeitsmarkt so schwer wie noch nie. Foto: VN/Hofmeister
Ältere Arbeitnehmer tun sich aktuell am Arbeitsmarkt so schwer wie noch nie. Foto: VN/Hofmeister

Die Zahl der schwer vermittelbaren älteren Arbeitnehmer steigt unentwegt. Das AMS will gegensteuern.

Bregenz. (VN-sca) Ob sich
die Personalverantwortlichen von Fernsehwerbespots beeinflussen lassen? Das Arbeitsmarktservice versucht es jedenfalls. Mit einer Kampagne zum Thema „50+“ sollen die Vorzüge älterer Arbeitnehmer ins Scheinwerferlicht gestellt werden. Das ist auch bitter nötig, denn die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe steigt unentwegt.

Derzeit sind in Vorarlberg 2555 Personen in dieser Altersgruppe ohne Job, fast 37 Prozent davon bereits länger als ein halbes Jahr. Weitere 222 Personen befinden sich derzeit in Schulungen. Im Vergleich zum Oktober 2014 gibt es heute 8,5 Prozent mehr über 50-Jährige, die ohne Arbeit sind.

Diese sind aus mehreren Gründen schwer vermittelbar, so AMS-Geschäftsführer Anton Strini. Zum Beispiel, weil 44 Prozent von ihnen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Zudem sind viele von ihnen ohne entsprechende Qualifikation, so der Arbeitsmarktfachmann. Er sieht aber dennoch viel Potenzial und appelliert an die Arbeitgeber, diesen Menschen Arbeit zu geben.

Das AMS unterstützt solche Anstellungen großzügig. Um ältere Arbeitslose bei der Jobsuche zu unterstützen, wurde nämlich die Eingliederungsbeihilfe 50+ ins Leben gerufen. Mit dieser fördert das AMS die Beschäftigung von Personen, die älter als 50 Jahre und bereits sechs Monate beim AMS arbeitslos gemeldet sind. Unternehmen bekommen dabei bis zu 50 Prozent der Bemessungsgrundlage (=Bruttogehalt plus 50 Prozent Nebenkosten) für einen bestimmten Zeitraum als Förderung ausbezahlt.

Diese Möglichkeit wird den Betrieben im Zuge der Firmenbesuche – bis zu 3000 jährlich in Vorarlberg – offeriert, berichtet Strini. Jene, die das Angebot in Anspruch nahmen, seien auch sehr zufrieden mit ihren neuen „alten“ Mitarbeitern, die ihre Erfahrung gerne und engagiert einbringen. Die Unterstützung ist ein Grund, aber nicht der einzige, für die Anstellung älterer Mitarbeiter, wie eine Untersuchung der Arbeitsvermittlungsagentur anhand gängiger Vorurteile zeigt:

Ältere sind schwer zu kündigen

Einen Kündigungsschutz gibt es nicht, aber ältere Arbeitnehmer können eine Kündigung wegen Sozialwidrigkeit beim Arbeitsgericht anfechten. Die Klausel gilt nach zwei Jahren Beschäftigung.

Ältere blockieren Jobs für Junge

Dieses Argument wird durch zahlreiche Studien widerlegt. Mehr Beschäftigung von älteren Mitarbeitern hat keine Auswirkung auf den Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Der Grund für Jugendarbeitslosikeit ist in schlechten Qualifikationen zu suchen.

Ältere sind oft krank

Pauschal kann das nicht behauptet werden. Aber wenn sie krank sind, sind sie länger krank. Gibt es altersgerechte Arbeitsplätze und entsprechend motivierte Mitarbeiter, ist kein signifikanter Unterschied zu erkennen.

Ältere mit weniger Leistung

Die sozialen und menschlichen Fähigkeiten wiegen die nachlassende körperliche Leistung in den meisten Fällen wieder auf. Die Berufs­erfahrung hilft, die Arbeit zu bewältigen, auch können ältere Arbeitnehmer besser mit kritischen Situationen umgehen und haben aufgrund ihrer Erfahrung ein gutes Urteilsvermögen.

Ältere verursachen Kosten

Ältere Wiedereinsteiger seien durchaus bereit, für weniger Geld zu arbeiten, weiß Anton Strini und verweist nochmals auf die Eingliederungsbeihilfe des AMS, die der Seniorität geschuldete Mehrkosten abfedert.

Stichwort

Eingliederungsbeihilfe („Come back“). Eine Förderung für Arbeitgeber. Gefördert wird das Arbeitsverhältnis von vorgemerkten Arbeitslosen ab 50 Jahren und von Arbeitssuchenden, die mindestens sechs Monate (Personen bis 25 Jahre) bzw. zwölf Monate (Personen ab 25) arbeitslos vorgemerkt sind. Unter bestimmten Voraussetzungen wird die Förderung auch Personen gewährt, die von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind.

Mehr Information auf
www.einstellungssache50plus.at