Wer wie viel Pension bekommt

Markt / 06.11.2015 • 21:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Herbst des Lebens sollte frei sein von existenziellen Sorgen. Wie sicher ist das Pensionssystem? Eine VN-Serie gibt Antworten.
Der Herbst des Lebens sollte frei sein von existenziellen Sorgen. Wie sicher ist das Pensionssystem? Eine VN-Serie gibt Antworten.

Die Angst geht um, wenn es ums Thema Pension geht. Die VN-Serie bringt die wichtigsten Infos.

Schwarzach. (VN) Das österreichische Pensionssystem steht zunehmend im Kreuzfeuer von politischen Parteien und Interessengruppen, die für möglichst viel Privatvorsorge, Leistungskürzungen und wenig staatlich organisierte Altersversorgung eintreten. Durch die wichtige, aber oft sehr polemische Diskussion gerät aber allzuoft ins Hintertreffen, welch große Leistung die Pensionsversicherung für die Absicherung des Lebensstandards im Alter leistet. Mit einer Serie, die alle Aspekte der Altersvorsorge aufzeigt, will die VN den Lesern Grundlagen für die eigene Vorsorge bieten und dazu beitragen, auch auf die gesellschaftliche Verantwortung in der Diskussion über die künftige Existenzgrundlage der pensionsversicherten Personen hinzuweisen.

Einfacher Überblick

Eine der Besonderheiten des heimischen Pensionssystems war seine Komplexität, die es lange Zeit nur ausgewiesenen Spezialisten ermöglichte, eine gesetzliche Pension zu berechnen. Mit der Einführung des Pensionskontorechts 2004, in Wirklichkeit aber erst seit der radikalen Vereinfachung 2013 mit dem Pensionskonto NEU, ist es nun für jeden Versicherten einfach nachvollziehbar, welchen Anspruch er bereits erworben hat. Das Pensionskonto NEU funktioniert wie ein Sparbuch, bei dem nach der Kontoerstgutschrift jedes Jahr 1,78 % der Bemessungsgrundlage zum Kontostand dazugebucht werden.

Die Kontoerstgutschrift ist inzwischen an alle Versicherten, die ab dem Jänner 1955 geboren sind und bis zum 31. Dezember 2004 mindestens einen Versicherungsmonat erworben haben, versendet worden. In diesem Konto sind alle bis zum 31. Dezember 2013 erworbenen Pensionsanwartschaften enthalten.

Gleich hohe Beiträge?

Zahlt jeder gleich hohe Beiträge? Nein, die Harmonisierung der Pensionssysteme ist noch immer nicht abgeschlossen. Klassische Arbeitnehmer zahlen von ihrem Bruttoeinkommen (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von derzeit monatlich 4650 Euro) einen Beitrag von 10,25 Prozent. Der Beitragsanteil des Unternehmens von 12,55 Prozent ergibt den Gesamtbeitragssatz von 22,8 Prozent und ist Teil der Lohnnebenkosten.

Bei Unternehmern und Bauern übernimmt der Bund – also die Steuerzahler – einen Teil der Beitragszahlungen in Höhe von 4,3 Prozent bei Gewerbetreibenden
( 2014 waren das 350.600.000 Euro) und 5,8 Prozent bei den Bauern (2014 waren das 157.000.000 Euro). Trotz dieser „Partnerleistung“ sind die Defizite in diesen Pensionsversicherungen um ein Vielfaches höher, als bei den Arbeitern und Angestellten. Bei den Bauern hängt das unter anderem mit den Einheitswerten zusammen, von denen als Bemessungsgrundlage ausgehend extrem wenig an Pensionsbeiträgen geleistet wird. Zudem leistet sich die Sozialversicherung der Bauern den Luxus, einfach allen selbstständigen Bauern ohne jegliche Prüfung, ­ wie sie für alle anderen Berufsgruppen zwingend vorgeschrieben ist, ­ den Status eines Schwerarbeiters zuzuerkennen. Das bedeutet: Pensionsantritt mit 60 und das bei deutlich geringeren Abschlägen. Laut Rechnungshof ist diese Vorgangsweise  nicht gesetzlich und kostet den Steuerzahler Millionen.

Frauen bekommen weniger

Bei einem Vergleich der Pensionsansprüche nach den Geschlechtern steigen Frauen deutlich schlechter aus. Sie erhalten etwa halb so hohe Pensionen wie die Männer. Die Gründe dafür sind relativ klar und liegen im System begründet. Eine Pension berechnet sich nach den geleisteten Beiträgen (Beitragsgrundlagen) und der Anzahl der Versicherungsmonate. Wer also mehr Jahre gearbeitet und besser verdient hat, erhält am Ende mehr Pension. Erwerbsunterbrechungen, Teilzeit, früheres Pensionsantrittsalter, Arbeitslosigkeit etc. verringern den Pensionsanspruch. Mittels der Anrechnung von Kindererziehungszeiten wird derzeit versucht, die Erwerbsunterbrechungen von Frauen zumindest pensionsrechtlich einigermaßen abzufangen.

Frauen steigen deutlich schlechter aus. Sie erhalten etwa halb so hohe Pensionen wie die Männer.

Rainer Keckeis, Arbeiterkammer

Nächster Teil der Serie in der Montag-Ausgabe: Können wir uns Pensionen leisten?