Die wirtschaftsfreundlichsten Gemeinden in Vorarlberg

Markt / 22.11.2015 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wirtschaftsflaggschiffe wie die Firma Blum sorgen in den Gemeinden für viele Arbeitsplätze.  Foto: VN/Steurer
Wirtschaftsflaggschiffe wie die Firma Blum sorgen in den Gemeinden für viele Arbeitsplätze. Foto: VN/Steurer

Fußach konnte dank großer Betriebsansiedlungen das Kommunalsteueraufkommen fast verdoppeln.

schwarzach. (VN-sca) Vorarlberg, so die offizielle Sprachregelung und die Wahrnehmung der Bürger, ist wirtschaftsfreundlich. Doch es gibt ganz offensichtlich ein Bundesland, das noch weit mehr für Unternehmen übrig hat als unser Land: Oberösterreich. Die Fachzeitschrift „Industriemagazin“ hat auf Basis der Daten von Statistik Austria ein Ranking jener Gemeinden in Österreich veröffentlicht, die in den Jahren 2003 bis 2013 bei der Kommunalsteuer besonders stark zulegen konnten. Und das bedeutet: Sie konnten in dieser Zeit neue Unternehmen ansiedeln bzw. die ansässigen Betriebe so fördern, dass sie stark gewachsen sind. Das Ergebnis könnte nicht eindeutiger ausfallen: Die ersten acht Plätze in dieser Hitparade der wirtschaftsfreundlichsten Gemeinden in Österreich nehmen oberösterreichische Kommunen ein. Sage und schreibe 654,11 Prozent beträgt die Steigerung der Kommunalsteuereinnahmen in der erfolgreichsten Gemeinde. Reichersberg hat seine gute Lage zwischen Salzburg, Passau und Linz ins Rennen geworfen, aber auch eine gute Infrastruktur für Unternehmen geschaffen. Diese umfasst Straßen und Kanalisation ebenso wie ein gute Internetverbindung, begründet der Reichersberger Bürgermeister Bernhard Öttl das Erfolgsrezept.

Vorarlbergs wirtschaftsfreundlichste Gemeinde in dieser Hitparade ist die Rheindelta-Gemeinde Fußach auf Platz 11. Zu verdanken ist das Plus von knapp 200 Prozent vor allem den beiden großen Unternehmen Blum und Alpla, die in der Gemeinde große Produktionswerke ansiedelten und entsprechend viele Arbeitsplätze schufen. Und es wäre durchaus mehr möglich – wenn es denn genug Betriebsflächen gäbe, stellt Bürgermeister Ernst Blum fest. „Die Möglichkeiten für neue Ansiedlungen sind ausgeschöpft“, sagt er im Gespräch mit den VN. Fußach hat schlicht und einfach keine entsprechenden Grundstücke mehr verfügbar. Dass die Gemeinde bei Firmen als Standort gefragt ist, liegt aber auch daran, dass die Bürokratie auf Blums Weisung hintangehalten wird. Wichtig sei auch eine gute Durchmischung der Branchen und zwischen Klein- und Mittelbetrieben. Das mache den Standort attraktiv für Firmen und für die Bevölkerung, stellt er fest.

Rheindelta weit vorne

Auch die zweitplatzierte Vorarlberger Gemeinde liegt im Rheindelta. Gaißau steigerte die Kommunalsteuer in den zehn Jahren um 162,03 Prozent. Hauptausschlaggebend dafür ist wie in Fußach der Beschlägehersteller Blum, der am Hauptstandort Höchst längst nicht mehr expandieren kann, weil es an Gewerbegründen fehlt. Unter den Siegern finden sich die traditionellen Unternehmensstandorte nicht – sie können wie z. B. Höchst nicht mehr wachsen, weil es an dem entsprechenden Platz fehlt. Punkten können die Kommunen demgemäß nur noch mit besserem Service.

Möglichkeiten für neue Ansiedlungen sind ausgeschöpft.

Bürgermeister Ernst Blum

Ranking

Die wirtschaftsfreundlichsten Gemeinden Vorarlbergs

1. Fußach + 194,86 % (im Österreich-Ranking Platz 11)

2. Gaißau + 162,03 % (Ö: 22)

3. Hörbranz + 158,70 % (26)

4. Au + 119,05 % (53)

5. Röthis + 103,18 % (74)

6. Ludesch + 91,60 % (110)

7. Klaus + 84,88 % (131)

8. Bezau + 83,07 % (144)

9. Wolfurt + 75,5 % (174)

10. Hittisau + 73,12 % (190)

Quelle: Statistik Austria, ausgewertet wurden 2100 Gemeinden