„Einzigartige Bedingungen“

Markt / 17.01.2016 • 20:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
CEO Daniel Steffen baut heuer Linie und Urlaubsdestinationen der People’s Viennaline aus. Foto: VN/Hofmeister

CEO Daniel Steffen baut heuer Linie und Urlaubsdestinationen der People’s Viennaline aus. Foto: VN/Hofmeister

Der neue People’s-CEO Daniel Steffen über seine Pläne für Fluglinie und Flughafen.

Altenrhein. (VN-sca) Seit Anfang Dezember 2015 hat People’s einen neuen Kapitän an Bord: Daniel Steffen hat das Steuer übernommen. Das Unternehmen hat er seit August 2015 als Manager Business Development kennengelernt. Steffen hat über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Verkehrs-, Airline- und Airportmanagement. In Altenrhein ist er für Flughafen und Fluglinie zuständig, eine Aufgabe, die es in dieser Kombination auf der ganzen Welt sehr selten gibt. Diese Konstellation habe ihn besonders gereizt, erzählt er im Gespräch mit den VN.

Rahmenbedingungen

Das vergangene Jahr war für People’s eine Berg-und-Tal-Fahrt: Die Passagierzahlen wuchsen, bis Ende November 2015 wurden auf der Strecke Altenrhein–Wien 79.670 Passagiere befördert. Bis Ende Jahr rechnete Steffen mit 90.000 Passagieren. Doch der Dezember bereitete dem Flughafen Sorgen. Anhaltender Nebel zwang den People’s-Flieger mehrfach zu einer Landung in Friedrichshafen. Auch in der Business Aviation gab es deshalb Einbußen. Mehr Sorgen bereiten aber die Rahmenbedingungen, „wie sie auf der ganzen Welt einzigartig sind“, spricht der Avitationmanager die Zuständigkeiten und speziell den Staatsvertrag mit Österreich an.

Aber zuerst zu den Neuerungen im Flugbetrieb: Ab Frühling 2016 fliegt die People’s Viennaline täglich eine vierte Rotation zur Mittagszeit. Die zusätzlichen Flüge zur Mittagszeit sollen den Businesskunden mehr Gestaltungsfreiheit bieten und außerdem Wien-Touristen ansprechen. Damit unterstreicht die Fluglinie ihre Rolle bei der effizienten Zeitgestaltung. Mehr Flexibilität bei der Flugwahl, mehr Qualitytime, bringt es die Airline auf den Punkt. Steffen: „Bei uns gibt es dann keine Tarife mehr, die nicht durchbuchbar sind.“ Rund 5500 zusätzliche Passagiere erwartet er sich von der zusätzlichen Rotation.

Erweitert wird das Angebot in die Feriendestinationen. Zu den Reisezielen Sardinien kommen ab 2016 Palma de Mallorca und in Griechenland Lefkas und Epiros neu hinzu. Partner sind einheimische Reisebüros, denn ein Ziel des neuen Chefs ist es, das Motto „Zu Hause abfliegen“ in der Bevölkerung zu etablieren. Was er sich wünscht und worauf er auch hinarbeitet, ist, dass sich im Einzugsgebiet des Flughafens, zu dem „unbedingt Liechtenstein gehört“, Bewusstsein und Stolz auf Airport und Airline entwickelt. Nicht in seiner To-do-Liste findet sich die Flugverbindung nach London. Dafür könne man überlegen, Ziele anzufliegen, die für die Wirtschaft interessant und nicht schon so gut versorgt sind wie die britische Metropole. Zur Ausweitung des Betriebs sagt er auch: „Die zweite Maschine ist noch nicht vom Tisch.“

Große Investitionen

Damit der Flugbetrieb in Altenrhein klaglos funktioniert, brauche es Investititionen in die Infrastruktur. In den nächsten zehn Jahren will das Unternehmen zwischen 20 und 30 Millionen Franken investieren: „Acht Millionen kostet allein die Pistensanierung.“ Steffen ist bereits vorsichtig geworden. Er betont, dass damit nur der Istzustand verbessert wird. Da seien keine Erweiterungen bzw. keine Verlängerung geplant. Rund sechs Jahre dauerte es, bis Ende 2015 die Baugenehmigung für den dringend benötigten Hangar erteilt wurde, allerdings mit großen Wermutstropfen. Denn die Genehmigung ist an zahlreiche Bedingungen geknüpft, u. a. an eine Reduzierung der Flugbewegungen von 36.500 auf 32.000. „Ich weiß nicht, was das mit dem Hangar zu tun hat“, fragt er sich. Die schwierige Situation sei auch dem Staatsvertrag geschuldet, der People’s dazu verpflichte, immer mit Österreich und der Schweiz zu verhandeln. Zur Infrastruktur zählt auch der Bau eines Parkhauses, das, so Steffen, zusammen mit anderen Firmen in Altenrhein realisiert werden könnte.

Bauchschmerzen verursacht ihm allerdings die bis 2017 aufgeschobene Entscheidung in Sachen Flugsicherung. Die Überwachung würde, wenn es zu keiner Lösung mit dem Schweizer Verkehrsministerium kommt, bis zu vier Millionen Euro jährlich kosten. Das sei ein Beitrag, den die drei hauptbetroffenen Airports Bern, Lugano und Altenrhein nicht stemmen könnten. Die Schweizer beharren nach wie vor darauf, dass die Sicherung durch „Skyguide“ durchgeführt wird. Für die Flughäfen gibt es in diesem Fall keine Möglichkeit, unter mehreren Anbietern auszusuchen. Es gäbe also keinen Wettbewerb, so Steffen.