„Milchquote ist keine Lösung“

Markt / 02.06.2016 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberg Milch will am Kühlregal weiter mit 100 Prozent Vorarlberger Ursprung bei den Konsumenten punkten. Foto: doh
Vorarlberg Milch will am Kühlregal weiter mit 100 Prozent Vorarlberger Ursprung bei den Konsumenten punkten. Foto: doh

Trotz sinkendem Milchpreis zieht Vorarlberg Milch eine positive Jahresbilanz.

feldkirch. (VN-doh)  Es sind unruhige Zeiten für die Milchbauern. Der Milchpreis ist im Keller. Eine rasche Marktentspannung mit steigenden Milchpreisen erwartet die Genossenschaft der Milchbauern nicht, das erklärte Raimund Wachter von der Vorarlberg Milch bei der gestrigen Pressekonferenz in Feldkirch. Die 46 Cent für den Liter Milch in deutschen Supermärkten bezeichnete er als „Horrorpreis“, bei dem es keine Gewinner geben könne. Auch hierzulande sei die Entwicklung alles andere als erfreulich, bei Vorarlberg Milch will man sich dem „Gejammer“ aber nicht anschließen. Es gelte, Lösungen auf europäischer Ebene zu finden und qualitative Produkte anzubieten, die die Konsumenten auch kaufen. Denn der Preis wird sich wieder ändern, betonte Wachter. Man gehe davon aus, dass sich die Milchmenge im Juni nicht weiter erhöht. Europaweit ist die Milchmenge zwischen Jänner und März 2016 um 7,2 Prozent gestiegen, während die Nachfrage nicht solche Sprünge macht.

Mehr Milch produziert

Allerdings leisten auch die Vorarlberger Milchbauern ihren Beitrag zu sinkenden Milchpreisen: Sie lieferten zwischen Jänner und Mai 2016 um 7,5 Prozent mehr Milch. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Zahl der Vorarlberg-Milch-Lieferanten im Vorjahr um über zehn Prozent zurückging. Das bedeutet: Immer weniger Bauern produzieren im Schnitt immer mehr Milch.

Dass die Wiedereinführung der Milchquote das Problem lösen kann, glaubt Wachter nicht. Man befinde sich im freien Milchmarkt und nicht in einer Planwirtschaft. Es gehe vielmehr darum, die Konsumenten mit seinen Produkten zu überzeugen und sich damit abzuheben. In Vorarlberg könne man dankbar sein, dass viele Konsumenten die heimischen Produkte und die Qualität sehr schätzen.

Das als Genossenschaft geführte Unternehmen wird von 502 Landwirten aus ganz Vorarlberg mit Milch beliefert. Es wird also die Milch von heimischen Kühen verarbeitet. Und die ist gentechnikfrei. Aktuell bekommt ein Landwirt 32,58 Cent pro Kilogramm Milch. Im vergangenen Jahr Lag der Durchschnitt bei 36,99 Cent. Die Preise für Heumilch und Biomilch liegen höher. Damit zahle man immer noch zehn Prozent mehr als der Österreichschnitt und sogar 30 Prozent mehr als der deutsche Markt.

Im vergangenen Jahr konnte ein Gewinn von 488.487 Euro erwirtschaftet werden. Der Warenumsatz ging um 3,8 Prozent zurück, was auf den sinkenden Milchpreis zurückzuführen sei. Für die gesamte angelieferte Milch hat das Unternehmen 22,9 Millionen Euro ausbezahlt.

Investition in neue Anlagen

Um die Konsumenten auch überzeugen zu können, wird bei Vorarlberg Milch auf Kundenwünsche und Nachfrage mit neuen Produkten reagiert, etwa mit dem „Ländle Rahm – länger frisch“ der kommende Woche auf den Markt kommt. Aber auch in Anlagen wird investiert. 2016 sind es 1,2 Millionen Euro. Derzeit wird eine neue Umkehrosmose-Anlage gebaut. Durch dieses Verfahren soll ein Molkekonzentrat hergestellt werden. Dadurch sollen die Logistikaufwendungen für die weitere Verarbeitung um etwa drei Viertel reduziert werden.