Männlich, studiert und über 50 Jahre

Markt / 28.07.2016 • 22:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vorarlberg mit österreichweit höchstem Bruttostundenlohn. Geschlecht, Alter und Bildung entscheidend.

Wien. (VN-reh) Jedes Jahr, meist Anfang Oktober, kommt der „Equal Pay Day“. Also jener Tag, ab dem Männer statistisch betrachtet bereits jenes Einkommen erreicht haben, für welches Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Grund ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Dieser liegt, gemessen am Mittelwert, nach aktuellen Daten der Statistik Austria bei 19 Prozent. Zwar ist die Ungleichheit innerhalb von acht Jahren gesunken, allerdings nur um magere 3,7 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig, haben aber viel seltener einen diskriminierenden Hintergrund, als behauptet wird. Das haben Studien, die in Vorarlberg nicht nur einfach die Gehälter von Männern und Frauen verglichen haben, sondern die gleiche Tätigkeit, längst untermauert. Die Schere, die es zweifelsohne gibt, fällt deutlich geringer aus und kam auch durch Alters- oder Betriebzugehörigkeitsunterschiede zustande. Zudem arbeiten Frauen vermehrt in Billiglohnbranchen – und hier oft nur als Teilzeitkräfte. Und auch wenn eine Frau im Land im Schnitt ihr erstes Kind mit knapp unter dreißig Jahren bekommt, gelingt es laut den Experten der Statistik Austria danach den wenigsten, wieder Anschluss an gut bezahlte Spitzenpositionen zu erringen. Den Männern komme zugute, dass sie im Schnitt länger beim gleichen Unternehmen beschäftigt bleiben, was sich positiv auf das Gehalt auswirkt.

14,55 Euro Stundenlohn

Der Bruttostundenlohn in der Privatwirtschaft betrug in Österreich 2014 übrigens 13,87 Euro im Mittel. Vergleicht man die Zahlen mit 2010, stiegen die Verdienste zwar nominal; bereinigt um die Inflation zeigt sich jedoch ein Rückgang um 1,1 Prozent, so die Statistik Austria. Die jahrelange Wirtschaftsflaute habe ihre Spuren bei den durchschnittlichen Bruttoverdiensten hinterlassen, sagt Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria, und spricht von einer stagnierenden Lohnentwicklung.

Die besten Verdienstmöglichkeiten hat man dabei noch in Vorarlberg mit 14,55 Euro brutto pro Stunde, dem höchsten Wert aller Bundesländer. Das sind allerdings nur Mittelwerte. Ausreißer nach unten und oben gibt es naturgemäß. So verdient beispielsweise der männliche Akademiker über 50 Jahre am meisten; die unter 30-jährige Frau mit Pflichtschulabschluss und einer ausländischen Staatsangehörigkeit am wenigsten. Die Verdienste von Führungskräften liegen mit 29,24 Euro erwartungsgemäß an der Spitze, jene von Hilfsarbeitskräften mit 9,91 Euro brutto pro Stunde am untersten Ende der Skala.

Wir beobachten eine stagnierende Lohnentwicklung.

Konrad Pesendorfer