„Wir unterscheiden bei Kunden nicht“

14.04.2017 • 15:53 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Karin Seyfried fungiert seit 2008 als Geschäftsführerin.
Karin Seyfried fungiert seit 2008 als Geschäftsführerin.

Dornbirn. Karin Seyfried ist Geschäftsführerin von Schneider Automobil. Im Interview spricht sie über Wachstum, die Dieseldiskussion und die Zukunft des Elektroautos.

Das Bild des Automobils hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt – von der Euphorie für die individuelle Mobilität hin zu einer oft kritischen Beobachtung, aktuell mit der Dieseldiskussion. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Seyfried: Wir sehen dem noch sehr gelassen entgegen, da die Nachfrage derzeit sehr groß und die individuelle Nutzung bei uns gefragt ist. Das ist sicher in Ballungszentren ein anderes Thema. In Vorarlberg sind die Absatzzahlen steigend. 2016 waren sie sehr gut, speziell im Premiumsegment. Die Menschen sind also schon noch am individuellen Auto interessiert. Bei uns ist die Nachfrage nach Diesel nach wie vor am stärksten. Daimler wird auch weiter in die Technologie investieren. Die Kunden können die Fahrzeuge also getrost kaufen.

Sind bei der Absatzentwicklung künftig noch Steigerungen möglich?

Seyfried: Langfristig wird es ein Verdrängungswettbewerb sein. Das geht allen Marken so. Dort sind aber Potenziale da, die gilt es für jeden zu nutzen. Das Produkt ist die Grundvoraussetzung, die einzelnen Händler müssen sich vielmehr durch Dienstleistungen und Service hervorheben. Wir bieten neben dem Fahrzeug auch Gesamtkonzepte an. Vom Kreditangebot oder Leasing bis hin zum Servicevertrag oder 24-Stunden-Notdienst.

Welche Rolle spielen Frauen als Kunden?

Seyfried: Der Trend geht zu viel mehr Frauen als Kunden, und das von der Kompakt- bis zur Oberklasse. Das darf man nicht unterschätzen. Frauen werden bei uns gleich kompetent beraten wie jeder Mann. Wir unterscheiden nicht zwischen jungen Menschen, Geschäftsmann oder Frau. Damit würden wir uns keinen Gefallen tun. Jeder Kunde ist für den Verkäufer eine Herausforderung und wird dementsprechend beraten.

Apropos Frauen: Schneider wird seit Jahrzehnten von Frauen geleitet. Wie kam es dazu?

Seyfried: Das hat sich aus der Geschichte entwickelt. Gegründet haben die Firma meine Großeltern. Als mein Großvater den Betrieb nicht mehr leiten konnte, hat ihn meine Großmutter weitergeführt. In der männerdominierten Welt war das hinsichtlich der Akzeptanz eine große Herausforderung. Später haben ihre Töchter die Firma übernommen. So ist es jetzt in die dritte Generation weitergegangen.

Zwischen Mercedes und Schneider Automobil besteht bereits eine jahrzehntelange Bindung. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Seyfried: Wir sehen darin unsere Stärke. Dadurch, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen und heute in jedem Bezirk in Vorarlberg vertreten sind, haben wir eine langjährige Tradition aufgebaut. Wir haben eine große Kundenbindung, gehen offen und herzlich mit ihnen um und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Und wir haben ein richtig starkes Team mit vielen langjährigen Mitarbeitern, die stark hinter der Firma stehen und ohne die wir nichts bewegen könnten. Das zusammen schafft ein großes Vertrauensverhältnis.

Mercedes hatte jahrelang das Image, nur von Älteren und Taxifahrern gefahren zu werden. Hat sich das durch die Modell­offensive nun geändert?

Seyfried: Unser Kundenstock ist sehr breit gefächert. Wir konnten ab 2012 mit der neuen A-Klasse wirklich sehr viele neue Kunden gewinnen. Und das in allen Altersklassen. Somit decken wir heute die gesamte Breite der Gesellschaft ab.

Früher musste man als Autohändler Benzin im Blut haben. Heute stehen verstärkt Elektroautos im Fokus. Wo geht die Entwicklung Ihrer Meinung nach hin?

Seyfried: Das Elektroauto ist sicher das Fahrzeug für die Zukunft. Wir werden ab 2019 mit Fahrzeugen auf dem Markt sein, die gute Reichweiten haben und werden in mehreren Segmenten präsent sein. Es werden aber die Verbrennungsmotoren nicht so schnell ersetzt werden. Denn es ist noch nicht die letzte Technologie und niemand kann heute sagen, welche Technologie sich letztlich durchsetzen wird. Das Elektroauto wird von den Händlern neue Geschäftsmodelle verlangen. Wir stellen uns dem aber gerne und werden stark in die Werkstätten investieren, damit wir dem Wachstum gerecht werden.

Was wünschen sich Ihre Kunden heute im Speziellen von einem Auto?

Seyfried: Die Kunden legen sehr viel Wert auf die Attraktivität der Marke und das Design. Bei uns im Land tendieren sie auch eher noch zur guten Ausstattung. Sicherheit und Assistenzsysteme sind dabei ein großes Thema.

Neben vier Pkw-Standorten betreiben Sie in Götzis auch ein Nutzfahrzeugcenter. Wie wichtig ist diese Sparte für den Betrieb?

Seyfried: Wir haben den großen Vorteil, dass wir vom Smart bis zum Lkw und Unimog alles abdecken und wir somit Synergieeffekte nutzen können. Wir sind mit unserer Marke gut aufgestellt. Sehr gesteigert haben wir uns bei den Transportern, da sind wir um ein Drittel gewachsen.

Spielt eine starke Marke auch eine Rolle bei der Rekrutierung von Fachkräften?

Seyfried: Die Marke ist sicher auch beteiligt, aber ich denke, dass es vor allem an der Firma Schneider liegt. Wir haben ein starkes Team und das hat eine Strahlkraft. Deshalb finden wir auch gute Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel beunruhigt uns natürlich und wir fördern deshalb die Lehrlingsausbildung sehr. Wir haben immer zwischen 28 und 30 Lehrlinge in Ausbildung und eigene Programme zur Lehrlingsförderung. Dabei geht es uns auch um Persönlichkeitsbildung und den Bezug zur Firma.

Nicht nur Autos zu verkaufen, sondern mit der ganzen Struktur zu wachsen, ist eine Herausforderung.

Karin Seyfried führt das Unternehmen in dritter Generation. Ihre Großeltern Herbert und Marianne Schneider gründeten die Firma 1932 als kleine Kfz-Werkstätte. Fotos: VN/Steurer
Karin Seyfried führt das Unternehmen in dritter Generation. Ihre Großeltern Herbert und Marianne Schneider gründeten die Firma 1932 als kleine Kfz-Werkstätte. Fotos: VN/Steurer

Kennzahlen

» Gegründet: 1932

» Branche: Kfz-Handel und Service

» Eigentümerin: Ulrike Janschek

» Geschäftsführung: Karin Seyfried, Johann Egger, Joachim Singer

» Umsatz 2016: 84 Millionen Euro (+16,7 %)

» Mitarbeiter: 150, davon 28 Lehrlinge

» Niederlassungen: Dornbirn (Hauptsitz), Bregenz, Feldkirch, Bludenz, Götzis (Nutzfahrzeuge)

Zur Person

Karin Seyfried

Geschäftsführerin der Schneider Automobil GmbH

Geboren: 31. Dezember 1966

Ausbildung: Gymnasium Dornbirn, Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) in Wien und Innsbruck

Laufbahn: Sparkasse Dornbirn, seit 2006 bei Mercedes Schneider, seit 2008 in der Geschäftsführung des Familienbetriebs

Familie: zwei Kinder