Viele Aufträge, keine Erträge

08.05.2018 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Firmenchef Roman Zech und Unternehmensberater Herbert Loos (r.) wollen das Unternehmen wieder flottkriegen.VN/Lerch
Firmenchef Roman Zech und Unternehmensberater Herbert Loos (r.) wollen das Unternehmen wieder flottkriegen.VN/Lerch

Insolvenzantrag für vier Zech-Unternehmen. 50 Arbeitsplätze gehen verloren.

Götzis Der Götzner Fensterbauer Roman Zech tat sich sichtlich schwer, als er am Dienstagvormittag zuerst vor seine Mitarbeiter und wenige Stunden später vor die Presse trat, um einzugestehen, dass es für vier der insgesamt sieben Unternehmen so nicht weitergehen wird. Am Vormittag trat er den Gang zur Insolvenzrichterin an. Nun stehen die Unternehmen still, bis das Gericht die Masseverwalter bestimmt hat. Es wird für jedes der vier Unternehmen einen Masseverwalter brauchen, denn obwohl sie als Gruppe bezeichnet werden, ist jede der Firmen eigenständig. Allerdings ist Roman Zech Hauptgesellschafter und Geschäftsführer von Zech Holzfenster GmbH, Zech Kunststofffenster GmbH, Zech Fenstertechnik GmbH und der Zech GmbH, in der die Zech World an der Götzner Lastenstraße und die Produktion in Ludesch zusammengefasst sind. Sowohl die Zech World, in der u. a. die Schauräume des Unternehmens sind, als auch die Produktion in Ludesch sollen geschlossen und verkauft werden.

Gesundschrumpfen

Zech geht „im besten Falle“ von einer Überschuldung von zwei Millionen Euro aus – dies allerdings mit der Einschränkung, dass die Kunden die offenen Forderungen auch begleichen. Unternehmensberater Herbert Loos, der die Neustrukturierung wesentlich konzipiert hat und begleitet, hofft auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung mit einer Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren. Das Fortführungskonzept sieht im wesentlichen Entwicklung, Produktion, Beratung, Vertrieb, Montage und Service von Fenstern und Türen in einer schlankeren und damit langfristig wettbewerbsfähigen Struktur vor. Auch die Fertigung an den vier Produktionsstandorten soll deutlich verkleinert werden. „Wir müssen uns von einem Teil der Mitarbeiter trennen“, so Zech. 50 der 145 Mitarbeiter werden das Unternehmen verlassen. Die 20 Lehrlinge sollen ihre Ausbildung bei Zech abschließen können. Er werde sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sie einen Arbeitsplatz bekommen, sagt Zech, der bei diesem Thema sichtlich zu kämpfen hatte, seine Fassung zu bewahren . Alle Ansprüche der Mitarbeiter werden gewahrt, verspricht er. Die nächsten Monate bleiben sie noch im Betrieb, „denn die Auftragsbücher sind voll“. Allerdings ist in vielen Bereichen auch mit vollen Auftragsbüchern kein Geld zu verdienen.

Ein Grund für die Insolvenz sei die osteuropäische Konkurrenz, die viel billiger produziere und damit auch viele Bauherren gewinne, die sonst gerne von Regionalität reden. Ein weiterer Grund ist der uneinbringliche Betrag von knapp einer Million Euro bei einem Großprojekt in Deutschland (Auftragsvolumen: 3,5 Millionen Euro). Außerdem haben sich Projekte verschoben. Schließlich wurde in den Firmen der Zech-Gruppe aufgrund der Struktur nicht immer so effizient gewirtschaftet, wie es möglich bzw. notwendig gewesen wäre. VN-sca

Zech Gruppe

Gegründet 1904

Unternehmen insolvent Zech Holzfenster GmbH, Zech Fenstertechnik GmbH, Zech Kunststofffenster GmbH, Zech GmbH Götzis (mit Zech-World und Produktion in Ludesch)

Unternehmen nicht betroffen Zech Fenster GmbH, Tübach (Schweiz), Zech Fenster GmbH, Lindau (Deutschland) – wird geschlossen, Zech Immobilien- und Service GmbH (soll gestärkt werden)

Umsatz 2017 rd. 20 Millionen Euro

Überschuldung (lt. Zech) 2 Millionen Euro, angestrebt wird ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung mit einer Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren.