Mit Bier zum Großen Verdienstzeichen

Markt / 14.05.2019 • 22:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tief verwurzelt in Wien, ist Siegfried Menz noch immer leidenschaftlich gerne Vorarlberger. Am Dienstag wurde ihm das Große Verdienstzeichen des Landes überreicht.
Tief verwurzelt in Wien, ist Siegfried Menz noch immer leidenschaftlich gerne Vorarlberger. Am Dienstag wurde ihm das Große Verdienstzeichen des Landes überreicht.

Das Land Vorarlberg würdigt Ottakringer-Aufsichtsrat Sigi Menz für sein jahrzehntelanges Engagement.

Birgit Entner-Gerhold

wien Die Ottakringer kennen den Malzgeruch gut, der sich je nach Windrichtung über Teile ihres Wiener Gemeindebezirks legt. Er ist für die Nase genauso markant wie der Darreturm der Brauerei für das Auge. Das Wahrzeichen des Unternehmens ist längst zum Wahrzeichen der Ottakringerinnen und Ottakringer geworden. So historisch das Betriebsgelände teils anmutet, stehen geblieben ist die Zeit dort nie. Dafür hat Siegfried Menz in den vergangenen 35 Jahren gesorgt. Seit 1984 ist der gebürtige Dornbirner in der Unternehmensgruppe am Werk, 2000 stieg er zum Vorstandsvorsitzenden auf, im Juli des vergangenen Jahres wechselte Menz als Miteigentümer in den Aufsichtsrat der Ottakringer Getränke AG. Tief verwurzelt in Wien, ist der 66-Jährige aber noch immer leidenschaftlich gerne Vorarlberger. Am Dienstag erhielt er von Landeshauptmann Markus Wallner das Große Verdienstzeichen des Landes. Gefeiert wurde in der Ottakringer Brauerei.

„I freu mi“, reagiert Siegfried Menz – den eigentlich alle lieber Sigi nennen – auf die Auszeichnung. „Im Herzen bleibst du ja irgendwie immer Vorarlberger.“ Die Landesregierung würdigt in ihrem Beschluss zum Großen Verdienstzeichen nicht nur die beruflichen Erfolge des gebürtigen Dornbirners und seine Funktionen in der Industriellenvereinigung sowie der Wirtschaftskammer, sondern auch sein Engagement beim Verein der Vorarlberger in Wien, bei der „Wiener Funkenzunft“ und als Gastgeber zahlreicher Veranstaltungen des Landes in der Bundeshauptstadt. Das regelmäßige Preisjassen des Vereins der Vorarlberger in Wien zählt zu den ältesten Ländle-Events in der Brauerei. Ob Menz selbst gut jassen kann?

Er tue es zumindest gerne und regelmäßig, wie er sagt – unter anderem in einer Runde mit Kardinal Christoph Schönborn und dem früheren Casinos-Austria-Generaldirektor Karl Stoss.

Liebe zur Mundart

Mit Sigi Menz sei der Brückenschlag zwischen Vorarlberg und Wien stets ein leichter gewesen, hält die Landesregierung in ihrer Stellungnahme zum Großen Verdienstzeichen fest. Vertreter aus Politik und Wirtschaft würden in ihm immer einen verlässlichen Gesprächspartner finden; noch dazu einen, der die Mundart liebt. „Sie ist Teil unserer Identität“, sagt der 66-Jährige; ein Stück Heimat, das er sich nach Wien mitgenommen habe.

Dort hat Menz in den vergangenen Jahrzehnten die Ottakringer Brauerei geprägt, wie die Brauerei das Stadtbild. Dass es heutzutage ungewöhnlich ist, einem Betrieb so lange anzugehören, ist ihm bewusst. „Wenn man das Gefühl hat, man kann etwas bewegen, rennt man aber nicht davon. Es gab immer neue Aufgaben und neue Herausforderungen. Dass ich die Möglichkeit hatte, mich zu beteiligen, hat sicher auch mitgespielt“, sagt Menz.

Zu seinen beruflichen Highlights zählt er den Börsengang der Ottakringer Brauerei AG im Jahr 1986, den Kauf der Schärdinger Brauerei Kapsreiter, den Erwerb von Vöslauer und vor allem den Freikauf von Heineken. „Dass ein solcher Konzern Anteile an einem Familienunternehmen hat, war ein riesiger Schönheitsfehler.“ Seit 2009 ist die Brauerei wieder ganz in österreichischer Hand. Am Markt hat sich von damals bis heute einiges getan. Das Bier erlebte eine Art Renaissance. „Es wird viel mehr über die unheimliche Vielfalt der Rohstoffe gesprochen, vor allem über den Hopfen, der geschmacklich unheimlich viel beitragen kann“, sagt Menz. Er selbst trinkt am liebsten ein helles Zwickl.

Mittlerweile haben es aber auch schon Mannerschnitten in eines der Ottakringer Biere geschafft; im Sinne einer guten Nachbarschaft, wie es heißt. Nicht einmal zehn Minuten Fußweg trennen die Brauerei im 16. und den Süßwarenproduzenten im 17. Bezirk. Je nach Windrichtung ist der Ottakringerin und dem Ottakringer also eine Abwechslung gegönnt. Statt Malz liegt hin und wieder auch Schokolade in der Luft.

„Im Herzen bleibst du ja irgendwie immer Vorarl­berger.“