Showdown in Innsbruck

Markt / 16.05.2019 • 22:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ort des Aktionärsduells: das Stadtforum im Hauptquartier der Bank für Tirol und Vorarlberg in Innsbruck. Fa
Ort des Aktionärsduells: das Stadtforum im Hauptquartier der Bank für Tirol und Vorarlberg in Innsbruck. Fa

Konflikt um 3-Banken-Gruppe: Auch bei der BTV-Hauptversammlung wurde Sonderprüfung abgelehnt.

Innsbruck Ob aller guten Dinge drei sind? Das war die Frage, die sich Aktionäre und Vorstand der Bank für Tirol und Vorarlberg im Vorfeld der Hauptversammlung der Regionalbank stellten. Als letzte der 3-Banken-Gruppe hielt das Institut am Donnerstag seine Hauptversammlung ab, bei der es diesmal um mehr ging, als nur um das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte abzusegnen und den Vorstand zu entlasten: Es ging um die Macht im Haus. Der größte Einzelaktionär der drei Banken Oberbank, Bank für Kärnten und Steiermark sowie der Bank für Tirol und Vorarlberg, die Unicredit Bank Austria, hat bei zwei der drei Banken eine Sonderprüfung der Kapitalerhöhungen seit dem Jahr 1993 beantragt und bei einem Institut einen weiteren Vertreter im Aufsichtsrat verlangt (die VN berichteten).

Wenig Einflussmöglichkeiten

Ziel der Aktion: Die Großbank ist aufgrund des Syndikatsvertrages, der Anfang der 50er Jahre geschlossen wurde, um sich gegen den Zugriff der Besatzungsmächte wirksam zu wehren, zwar Hauptaktionär, hat aber relativ wenig Einflussmöglichkeiten auf die Geschäfte der regionalen Banken. Die wiederum sind im Ringelreihen bei den jeweils anderen Banken beteiligt und halten ebenfalls abwechselnd den Aufsichtratsvorsitz. Bei der BTV begrüßte Franz Gasselberger, Generaldirektor der Oberbank, als Aufsichtsrat die Aktionäre, die ob des Konfliktes diesmal in großer Zahl zur Veranstaltung strömten.

Diese ließen keinen Zweifel daran, wem sie in dem Streit – der „an allen zehrt und die Reputation aller Beteiligten schädigt“, so Gasselberger gegenüber den VN – beistehen. Aber obwohl die Unicredit-Mannschaft auf eine Handvoll Vertreter beschränkt war, war bis zum Schluss nicht ganz sicher, wie das Match ausgehen wird: Denn die fünf „Bank Austrianer“ hatten Stimmrechte für über 49 Prozent. Da zählte jede Stimme, um die Begehrlichkeiten abzuwehren. Schon ein unaufmerksamer Aktionär hätte die Mehrheit ins Wanken gebracht.

„Interessenskollision“

Die Wortmeldungen zum Tagesordnungspunkt 9, dem Antrag auf Durchführung einer Sonderprüfung, gerieten zum Showdown. 16 Fragen mit weiteren Einlassungen schmetterte Martin Breuer namens der Unicredit Richtung Vorstand. Er sprach von unrechtmäßigen Zahlungsflüssen, Benachteiligung auch der Kleinaktionäre, Befangenheit der Aufsichtsorgane („Aufsichtsrat Gasselberger kontrolliert sich selbst.“) und Interessensverletzung. Das gab Vorstand Gerhard Burtscher zurück: Man habe alle Fragen im Aufsichtsrat beantwortet, „unsere Auffassung ist rechtlich abgesichert“. Eine Anwaltsarmada im Hintergrund des Podiums bekräftigte die Auffassung der 3-Banken-Gruppe. Auch der Vertreter eines großen Vorarlberger Aktionärs, der Dornbirner Wirtschaftsanwalt Wilhelm Klagian, unterstützte die Rechtsauffassung der BTV: „Der Antrag von Unicredit-Vertreter Gregor Hofstätter-Pobst stellt eine massive Interessenskollision dar. Die Sonderprüfung ist rechtsmissbräuchlich“.

Wortgewaltiger Kleinaktionär

Wortgewaltig äußerte sich ein weiterer Kleinaktionär: Tirols Alt-Landeshauptmann Herwig van Staa, betonte, erstmals auf einer Aktionärsersammlung zu sein. Die Sorge um die regionale Bank habe ihn dazu veranlasst, sagte er in Richtung Unicredit: „Man merkt die Absicht und ist entsetzt.“ Die Vorgangsweise der Unicredit sei eine „ausgesprochen gefährliche Drohung“ für Tirol und Vorarlberg, „und wenn der Unicredit-Vertreter von der Sorge um die Rechte der Kleinaktionäre spricht, dann warne ich diese.“ Man habe in der Vergangenheit gesehen, wie Bank Austria und Unicredit agieren. „Was da passiert, ist eine Kapitalvernichtung“.

Die Vorstände von BTV, Oberbank und BKS erhielten Rückendeckung aus der Hauptversammlung von Kleinaktionären und der Wirtschaft. Gasselberger und Burtscher jedenfalls hoffen, dass diese Botschaft auch in Mailand im Unicredit-Hauptquartier angekommen ist. „Was die Kunden wollen, ist klar: Regionalität und Kundennähe,“ so BTV-Aufsichtratschef Gasselberger im Gespräch mit den VN nach der Hauptversammlung. Doch ganz sicher sind die Regionalbanker nicht, denn sie harren jetzt der weiteren Aktivitäten der Großbank.

Falls der Sonderprüfung zugestimmt worden wäre, hätten wir Widerspruch eingelegt. Der Aktionär war immer mit der BTV zufrieden und will, dass sie eine Regionalbank bleibt. Wilhelm Klagian, Wirtschaftsanwalt, Aktionärsvertreter

Falls der Sonderprüfung zugestimmt worden wäre, hätten wir Widerspruch eingelegt. Der Aktionär war immer mit der BTV zufrieden und will, dass sie eine Regionalbank bleibt. Wilhelm Klagian, Wirtschaftsanwalt, Aktionärsvertreter

Ich bin aus Sorge um die BTV gekommen. Es ist aus regionalpolitischen Überlegungen wichtig, dass die Banken eigenständig bleiben. Und für Kleinaktionäre spricht die Unicredit sicher nicht. Herwig van Staa, Kleinaktionär, Alt-LH Tirol

Ich bin aus Sorge um die BTV gekommen. Es ist aus regionalpolitischen Überlegungen wichtig, dass die Banken eigenständig bleiben. Und für Kleinaktionäre spricht die Unicredit sicher nicht. Herwig van Staa, Kleinaktionär, Alt-LH Tirol

Wir haben sehr viel Zuspruch von unseren Kunden bekommen. Die Vorwürfe der Unicredit Bank Austria treffen aus unserer Sicht nicht zu, das sagen auch die Rechtsexperten . Gerhard Burtscher, Vorstandsvorsitzender BTV

Wir haben sehr viel Zuspruch von unseren Kunden bekommen. Die Vorwürfe der Unicredit Bank Austria treffen aus unserer Sicht nicht zu, das sagen auch die Rechtsexperten . Gerhard Burtscher, Vorstandsvorsitzender BTV