Sicher ist nur die Unsicherheit

Markt / 20.05.2019 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Louis Norman-Audenhove, Generalsekretär des Versicherungsverbandes Österreich, VLV-Direktor Robert Sturn und Univ.-Professor Wolfgang Mazal. VN/Paulitsch
Louis Norman-Audenhove, Generalsekretär des Versicherungsverbandes Österreich, VLV-Direktor Robert Sturn und Univ.-Professor Wolfgang Mazal. VN/Paulitsch

Sind Pensionen sicher? Mehr Bewusstsein und verantwortungsvoller Umgang sind gefragt.

Schwarzach Wir werden immer älter. Das ist Fakt. Im Jahr 2040 wird laut Versicherungsverband mehr als Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Im Jahr 2070 werden es laut EU-Langfristprognose über 30 Prozent sein. Alle wollen dann auch eine Pension erhalten.

Das österreichische Pensionssystem basiert auf drei Säulen: der gesetzlichen, betrieblichen und privaten. Dabei braucht es alle drei, sagen VLV-Direktor Robert Sturn, Universitätsprofessor Wolfgang Mazal und Louis Norman-Audenhove, Generalsekretär des Versicherungsverbandes. Das staatliche System sei gut, wenn auch mit Fragezeichen behaftet. Versicherungen und Mitarbeitervorsorge hingegen seien wichtige Ergänzungen. Gemeinsam müsse man daran arbeiten, dass es für die Bevölkerung insgesamt keine Verschlechterung der Leistung gebe.

Das Grundproblem sei, dass alle Finanzierungsformen eine Vorlaufzeit haben. Man könne nicht warten, vielmehr brauche es einen langfristigen Planungshorizont. Mit dem Motto „More of the same“ oder der Adaptierung bestehender Formeln sei es nicht getan. Eine echte Reform des Systems bedinge auch mehr Flexibilität beim Antrittsalter und eine Vielfalt bei den Beschäftigungsverhältnissen. Vor allem auch in Hinsicht der steigenden Lebenserwartung. Denn momentan habe man nur die Möglichkeit, entweder in Pension zu gehen oder zu arbeiten. Und wenn man früher in Pension gehe, habe man mit massiven Abschlägen zu rechnen. Aber warum sollte ein 60-Jähriger nicht noch zehn Jahre in Teilzeit arbeiten? Oder gar einen 80-Jährigen begleiten und in haushaltsnahen Dienstleistungen unterstützen? Denn in Anbetracht höherer Lebenserwartung steige auch der Betreuungsbedarf, und diesen könne man nicht rein mit finanziellen Mitteln lösen. „Dabei geht es um Begleitung, nicht um Pflege“, sagt Mazal. Diese könne weiter nur durch Fachpersonal erfolgen.

Wer nun ab Herbst die neue Regierung bilde, sei dabei nicht die zentrale Frage. Denn für die Experten ist das Thema Pension frei von Ideologie. Der Wunsch wäre allerdings, mehr in die Finanzbildung junger Menschen zu investieren. Nur so könne man auch ein entsprechendes Bewusstsein schaffen. Bei diesem Thema sei man zu sehr in Watte gepackt. „Der Staat signalisiert: Ich kümmere mich darum.“

Dass man nun zwar auf dem Pensionskonto schwarz auf weiß sieht, wie hoch die staatliche Pension einmal ausfallen wird, sei zu wenig. Vielmehr brauche es eine gemeinsame Plattform mit allen Altersvorsorgesäulen, die vom Staat kofinanziert werden. So wie in Deutschland, wo bald alle Elemente der persönlichen Absicherung im Alter gebündelt abrufbar sind. Also gesetzliche Rente genauso wie betriebliche und private Vorsorge.

Verantwortung übernehmen

Letztlich, so Mazal, sei nur die Unsicherheit sicher. Damit müsse man als Bürger verantwortungsvoll umgehen und der Staat müsste Interesse haben, das zu fördern. „Sonst übernimmt er die Verantwortung für künftige Probleme.“ Und Generalsekretär Norman-Audenhove rät dazu, früh genug mit der Altersvorsorge anzufangen. „Dafür reicht schon der Verzicht auf den ein oder anderen Espresso.“ VN-reh