Lauteracher Werkzeugbauer liefert die Innereien für Hightechmaschinen

Markt / 03.07.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Harald Jussel mit der Fräsmaschine, mit der sein Unternehmen auch besonders große und komplizierte Werkstücke bearbeiten kann.VN/SCA

Firma Jussel hat sich in der Nische etabliert. Größte Investition in der Firmengeschichte.

Lauterach Soll einer sagen, die EU bringt nichts. Dem kann der Chef des Lauteracher Maschinen- und Werkzeugbauers Jussel, Harald Jussel, überhaupt nicht zustimmen. Nicht nur deshalb, weil das vor 55 Jahren von Franz Jussel Senior gegründete Unternehmen in der ganzen Region Kunden hat, sondern auch, weil die Europäische Union bei der größten Anschaffung der Firmengeschichte, einer Reiden RX14 Universalfräsmaschine einen ganz schönen Betrag zugeschossen hat. „Die Investition konnten wir nur tätigen, weil sie aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert wurde“, bestätigt Jussel, der darüber auch auf der Homepage des Unternehmens berichtet.

Hunderstelmillimeter

In den Vordergrund drängt sich das Unternehmen nicht. „Wir sind Lohnfertiger. Was wir machen, verbirgt sich im Inneren der Maschinen von so renommierten Firmen wie Windmöller & Höscher in Deutschland, Battenfeld Cincinnati oder Soplar, die zwar in der Öffentlichkeit ebenso wenig bekannt sind wie Jussel, in der Fachwelt aber ob ihrer Innovationen, der Qualität und Genauigkeit ihrer Machinen, die vor allem in der Kunststoffverarbeitung eingesetzt werden, höchste Anerkennung finden. Jussel liefert zum Beispiel die Spindeln, die für die Herstellung von PET-Flaschen und anderen Kunststoffverpackungen von höchster Wichtigkeit sind. Mit den Präzisionsteilen kann auch der Rohstoffverbrauch reguliert werden, weist Harald Jussel auf die aktuelle Diskussion hin. „Wir arbeiten im Hunderstelmillimeter-Bereich.“

Mit der neuen, von der EU mitfinanzierten Fünfachsfräsmaschine kann Jussel Teile herstellen, wie sie sonst niemand im weiten Umkreis anbieten kann. Ein Alleinstellungsmerkmal, das allerdings nur zum Tragen kommt, wenn man auch die entsprechenden Mitarbeiter hat, die damit umgehen können, streut der Firmenchef seinen 25 Mitarbeitern Rosen. Die sind nicht nur auf dem letzten Stand ausgebildet, sie zeichnen sich auch durch Flexibilität aus. „Auch wenn es ganz schnell gehen muss, kann ich mich auf sie verlassen.“

Die Fräsmaschine hat 1,3 Mill. Euro gekostet, doch in den Hightechmaschinenpark wird ständig investiert. Außerdem arbeitet Jussel nicht mit Standardmaschinen, sondern mit eigens entwickelten Vorrichtungen und Werkzeugen. Neben den Spindeln ist das Portfolio des Familienunternehmens breit gefächert. Gefertigt werden Prototypen und Kleinserien, es wird im Kundenauftrag geschliffen, gedreht und gefräst. Deshalb ist Jussel um die Zukunft nicht bang und er wäre froh, wenn er für diese Zukunft noch einige ebenso engagierte wie qualifizierte Mitarbeiter fände, spricht er das Thema Mitarbeitermangel an, das auch den Nischenanbieter betrifft.

Jussel Werkzeugbau

Gegründet 1964, 1979 Umzug in neues Firmengebäude

Eigentümer und Geschäftsführer Harald Jussel

Mitarbeiter 25

Umsatz 2018 4,6 Millionen Euro

Portfolio Werkzeug- und Maschinenbau, Tieflochbohren, Fräsen, Drehen, Schleifen etc.