Einzelhandel: Weniger Schweizer, aber mehr Bewusstsein

08.08.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kunden strömen wieder stärker in den stationären Handel. Davon profitieren gut konzipierte Quartiere wie der Garnmarkt und gut aufgestelle Geschäfte.FA/PRISMA

Stationärer Einzelhandel im Land im ersten Halbjahr nur langsam gewachsen.

Feldkirch, Wien Der stationäre Einzelhandel in Vorarlberg hat im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatzwachstum von nominell einem Prozent erzielt. Damit tritt der Vorarlberger Handel quasi auf der Stelle. Oder anders ausgedrückt: „Der Einzelhandel entwickelt sich stabil“, wie die KMU Forschung Österreich formuliert. Fest steht: Vorarlberg hat sich nach den Boomjahren durch den starken Franken wieder auf einem Wachstum auf Österreich-Niveau eingependelt. Die Wachstumsdynamik flachte im Vergleich zu den Jahren 2017 (+2,6 Prozent) und 2018 (+1,5 Prozent) jedoch weiter ab. Hoffnung lässt derzeit allerdings der steigende Frankenkurs bei den Händlern keimen, der das Shoppen in Vorarlberg für die Eidgenossen wieder attraktiver macht.

April bester Monat

„Das Umsatzplus ist vor allem auf die positive Konjunkturentwicklung im April zurückzuführen“,analysiert Theresia Fröwis, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die von der KMU-Forschung ermittelten Zahlen. Dabei ist der Start ins neue Jahr durchaus gelungen: Mit einem Umsatzanstieg im Jänner von 2,2  Prozent war der erste Monat 2019 dynamischer als die Entwicklung im Gesamtjahr 2018 (+1,5 Prozent). Und im Februar ging es weiter, das Plus betrug gegenüber dem Vorjahr sogar 3,4 Prozent. Bedingt durch die kalendarische Verschiebung des Ostergeschäfts vom März 2018 in den April 2019 bilanziert der stationäre Einzelhandel im März 2019 dann negativ (-3,0 Prozent) und im April sehr positiv (+5,8 Prozent gegenüber 2018). Mai und Juni zeigen hingegen Umsatzrückgänge. Allerdings hatten die Geschäfte im Juni im Vergleich zum Vorjahr um drei Einkaufstage weniger geöffnet. 

„Wieder mehr Kunden kaufen vor Ort und schätzen, dass wir Arbeitsplätze schaffen.“

Theresia Fröwis, Obfrau Sparte Handel in der WKV

Abgenommen habe der Einkaufstourismus aus der Schweiz, so Fröwis im Gespräch mit den VN. Der Rückgang hat Gründe: Der Währungsvorteil schmolz langsam, aber kontinuierlich. Auch hat sich der Schweizer Handel nach dem Währungsschock wieder erfangen und das Preisniveau angepasst. Und es hakt auch bei der Mehrwertsteuerrückvergütung. Die vom Zoll geplante automatische Rückvergütung kommt nicht richtig in Fahrt, befindet sich noch immer in der Pilotphase.

Was allerdings festzustellen sei, so Fröwis, sei ein verstärktes Bewusstsein bei vielen Kunden, die sich wieder dem stationären Handel zuwenden. „Viele Kunden haben die Einsicht, dass der Handel vor Ort attraktiv ist und zudem viele Arbeitsplätze schafft“, so die Spartenobfrau zum Thema Onlinehandel. Dennoch sei der stationäre Handel gefordert, sich ständig anzupassen, sowohl was die Beratung betreffe, denn heute sind viele Kunden sehr gut informiert, als auch im Sortiment, das ständig aktualisiert werden müsse.