Zahlungsmoral in Vorarlberg gesunken

Markt / 18.09.2019 • 16:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Obwohl (oder weil?) elektronisches Banking längst flächendeckend eingesetzt wird, zahlen Vorarlberger Unternehmen und Behörden ihre Rechnungen später. APA
Obwohl (oder weil?) elektronisches Banking längst flächendeckend eingesetzt wird, zahlen Vorarlberger Unternehmen und Behörden ihre Rechnungen später. APA

Firmen und öffentliche Hand zögern beim Zahlen, Private sind vorbildlich.

Schwarzach, Wien Gemeinhin steht Vorarlberg im Ruf des Musterknaben, wenn es um finanzielle Dinge geht. Doch nun ist der Ruf dahin, das zeigen die Zahlen, die am Mittwoch vom Gläubigerschutzverband KSV 1870 zum Thema Zahlungsmoral im Jahr 2019 vorgelegt wurden. Der Spitzenplatz als schnellste Zahler ist dahin. 30 Tage lassen sich Vorarlbergs Buchhalter Zeit, um Rechnungen zu begleichen, noch im vergangenen Jahr haben sie innert 25 Tagen die Überweisungen durchgeführt.

Zahlungsmoral lässt nach

Aber nicht nur die Vorarlberger Firmen warten beim Zahlen ab, auch die öffentliche Hand in Vorarlberg hat es nicht mehr so eilig, die Rechnungen zu begleichen, berichtet KSV1870-CEO Ricardo-José Vybiral. Die Vorarlberger Behörden und die Verwaltung lassen sich drei Tage mehr Zeit, offene Forderungen zu begleichen, nämlich 31 Tage. Erstaunlich ist, dass seit dem vergangenen Jahr alle anderen Bundesländer ihre Zahlungsmoral deutlich verbessert haben. Das Schlusslicht vom letzten Jahr, das Burgenland, sogar deutlich, um sieben Tage.

Vorbildlich sind die privaten Auftraggeber: Ganz im Gegensatz zur gewerblichen Zahlungsmoral sieht das Bild bei ihnen, welche nahezu innerhalb des Zahlungsziels (87 Prozent) zahlen, gut aus. Die Vorarlberger halten das Zahlungsziel von 14 Tagen sogar exakt ein. 2018 zahlten sie ihre Rechnungen innerhalb von 15 Tagen. „Firmen und die Öffentliche Hand sollten sich ein Beispiel an den Privaten nehmen, die mit durchschnittlich einem Tag Verzögerung ihre Rechnungen bezahlen“, so Vybiral. Die vorbildlichsten Zahler finden sich beim Nachbarn Tirol: Firmen begleichen die Rechnungen innerhalb von 29 Tagen, Gemeinden schon nach 24 Tagen.

Existenzbedrohend

Eine schlechte Zahlungsmoral bringt besonders die kleinen und mittleren Unternehmen in die Bredouille. 88 Prozent sind laut Analyse des KSV 1870 von einem Forderungsverlust von Rechnungen bis zu 50.000 Euro betroffen. Für Kleinstunternehmen ist das oft ein existenzbedrohender Betrag. Sie rechnen in Zukunft mit einer noch schlechteren Zahlungsmoral.

zahlungsmoral in Österreich 2019

Ausstehende Zahlungen 1,9 Mill. Rechnungen (1,35 Mrd. Euro) werden selbst nach Mahnungen nicht bezahlt

Firmen 20 Prozent der österr. Firmen zahlen Rechnungen verspätet

Private 87 Prozent zahlen innert 15 Tagen (1 Tag Verzug)