Joschka Fischer nimmt beim Wirtschaftsforum die Zukunft Europas unter die Lupe

Markt / 20.09.2019 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Joschka Fischer ist einer der Redner beim Vorarlberger Wirtschaftsforum. VN

Ex-Politiker Joschka Fischer als prominenter Speaker in Bregenz.

Bregenz Joschka Fischer (71) ist ein grünes Urgestein und eine Persönlichkeit mit vielen Facetten. Von jeher galt er als „political animal“ – als einer, der ohne Politik nicht leben kann. Der ehemalige Buchhändler und Taxifahrer, Straßenkämpfer und Autodidakt trat 1982 in die damals neu gegründete Partei der Grünen ein und wurde bereits 1983 in den Bundestag gewählt. 1985 wechselte er in die hessische Landespolitik. Als erster grüner Umweltminister auf deutschem Boden wurde er dort Ende 1985 vereidigt. Die politische Karriere zog steil an, bis zum Vizekanzler und Außenminister schaffte er es. Nach der Wahlniederlage von Rot-Grün im September 2005 zog sich Fischer aus der Parteipolitik zurück und ließ damals wissen: „Ich war einer der letzten Live-Rock´n‘Roller der deutschen Politik. Jetzt kommt in allen Parteien die Playback-Generation.“ So verabschiedete sich der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (71) von der Politik. Wenn er auch nicht mehr tanzt – zu sagen hat der einst sehr beliebte Minister bis heute sehr viel. Für seine Europapolitik und sein Nahost-Engagement hat sich der ehemalige Straßenkämpfer einen respektablen Ruf erworben, der bis heute nachklingt.

Krisendiplomatie

Er setzte seine außenpolitische Karriere sozusagen mit anderen Mitteln fort: Anfang 2006 hielt Fischer zahlreiche Vorträge für Investmentbanken, 2006 übernahm er eine Gastprofessur für internationale Wirtschaftspolitik an der amerikanischen Princeton University. Er behandelte dort Themen um die „Internationale Krisendiplomatie“. Daneben engagierte sich Fischer als Mitglied des EU-Programms der Princeton University. 2007 gründete er eine Beraterfirma mit dem Namen Joschka Fischer Consulting. Daraus wurde dann Mitte 2009 die Unternehmensberatung Joschka Fischer & Company, (JF&C) die er gemeinsam mit dem langjährigen Pressesprecher der Grünen im Bundestag, Dietmar Huber, gründete. JF&C unterstützt Kunden in den Bereichen Public Affairs, Kommunikation und Nachhaltigkeit in Deutschland, in Europa und – mit dem exklusiven Partner, der Albright Stonebridge Group – sogar weltweit.

Digitalisierung

„Was vor zehn Jahren noch nicht so im Zentrum stand, waren die Konsequenzen der Digitalisierung. Das treibt mich sehr um. Da werden im Moment die Weichen gestellt für den Rest des Jahrhunderts, wenn wir da abgehängt werden, dann war’s das. Das wäre für uns eine Katastrophe. Und ich kann nur sagen, wir sind nicht gut aufgestellt, die Deutschen nicht, die Europäer insgesamt auch nicht“, merkte Fischer mit Blick auf die aktuelle Situation in einem Interview an. “Wir sind in einer Situation, in der große Umbrüche auf uns zukommen.“

Europa drohe in dem angespannten Vergleich zwischen den USA und China wirtschaftlich unterzugehen, sagt der ehemalige deutsche Außenminister. Eines der Beispiele dafür sei der Konflikt um Huawei. Die beiden größten Volkswirtschaften lieferten sich über ein Jahr einen erbitterten Handelskrieg, der das Wachstum in beiden Staaten bremst und auch der globalen Konjunktur schadete. Erst im Juni wurden wieder Handelsgespräche zwischen den beiden Staaten aufgenommen. Fischer warnt: „Wenn wir nicht umsteuern, werden wir enorme Marktanteile verlieren, was eine europäische Konsequenz haben wird.“ Der EU traue er das Umsteuern jedoch zu, denn: „Es ist die letzte Chance.

Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Der ehemalige grüne Außenminister agiert heute als Strategieberater für Unternehmen und Organisationen, beriet Unternehmen wie etwa Siemens, OMV. Auf der Referenzenliste finden sich ebenso der Energiekonzern RWE und der Autobauer BMW, ebenso unterstützte Fischer die Kölner Lebensmittelgruppe Rewe bei der Lösung von Aufgaben in Sachen Umwelt- und Sozialverträglichkeit.

In Bregenz wird er das internationale Wirtschaftsforum mit seinem Vortrag über Europas Zukunft zwischen Shenzhen und Palo Alto bereichern. „Wer bei den zentralen Faktoren der Wirtschaft von morgen nicht ganz vorne mit dabei ist, wird absteigen, abhängig werden und fremder Kontrolle unterliegen.“

Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssten Europas Staaten und Unternehmen geschlossen vorgehen und insbesondere ihre Vorreiterrolle im Bereich Nachhaltigkeit als Chance begreifen, ist Fischer sicher.

36. Vorarlberger Wirtschaftsforum

Thema: Risiko – Chancen und Herausforderungen in Zeiten der Disruption

Termin: Donnerstag, 14. November 2019, im Festspielhaus Bregenz

Preis: 330 Euro zuz. USt. ( bei einer gemeinsamen Anmeldung ab fünf Personen 275 Euro zuz. USt. pro Person. Es kann nur ein Rabatt pro Firma in Anspruch genommen werden; Early-Bird-Tickets sind bis 31. September 2019 zum Preis von 295 Euro zuz. USt. erhältlich)

Anmeldung unter wirtschaftsforum.vn.at