Brauerei-Egg-Geschäftsführer Lukas Dorner: „Vorarlberger sind sehr loyale Biertrinker“

Markt / 28.09.2019 • 19:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Geschäftsführer Lukas Dorner im Sudhaus. VN/SAMS

Das Bregenzerwälder Unternehmen feiert das 125-jährige Bestehen.

Egg Lukas Dorner leitet die Brauerei Egg, die heuer ihr 125-jähriges Jubiläum begeht. Im Interview spricht er über Tradition und Zukunft, Trends und Regionalität.

Die Brauerei Egg feiert Anfang Oktober ihr 125-jähriges Bestehen. Gibt es zum Geburtstag ein neues Bier?

Das hätten wir gerne gemacht, aber wir haben gute Jahre hinter uns und sind deshalb aktuell bei machen Produktionsprozessen am Flaschenhals angelangt. Speziell, was die Lager- und Tankkapazitäten betrifft. Darum haben wir uns entschlossen, heuer noch abzuwarten und die Innovationen auf die kommenden Jahre zu verschieben.

Bedingt das auch eine Erweiterung?

Ja. Wir sind dran, ein Grundstück nahe der Brauerei zu erwerben. Grund und Boden im Ortszentrum von Egg ist kein wahnsinnig breit angebotenes Gut. Es gibt noch einiges abzuklären, aber wenn es klappt, würden wir sofort loslegen. Wir würden einen Teil des bestehenden Gebäudes abreißen und auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern neu bauen.

Als die Brauerei gegründet wurde, gab es fast in jedem Ort eine Brauerei, jetzt sind es noch vier im Land. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf diesen hohen Geburtstag?

Es ist Stolz. Die Vorarlberger sind insgesamt sehr loyale Biertrinker. Wir haben schon Inseln im Rheintal oder im Montafon, aber als Wälder Brauerei sind wir hauptsächlich im Bregenzerwald vertreten. Der Marktanteil von großen Playern in Österreich ist nirgends so klein wie in Vorarlberg. Hier sind die regionalen Grenzen gezogen.

Inwieweit spielt da die Regionalität eine Rolle?

Bier ist ein sehr natürliches Produkt und es gibt nichts Besseres, als wenn ich zum Kunden oder zum Gast sagen kann, die Brauerei befindet sich gerade einmal fünf Kilometer entfernt. Das bekommt immer mehr Gewicht. Zudem haben wir seit 125 Jahren nur Mehrweg im Einsatz, also nur Fass- und Flaschenabfüllung. Das spielt uns ebenfalls in die Hände.

Der Biermarkt wird seit Jahren kleiner, wo liegt da das Potenzial?

Wir haben natürlich keine zweistelligen Wachstumsraten. Denn in Vorarlberg muss niemand verdursten. Die Vielfalt ist riesengroß. Es ist mehr eine Umverteilung innerhalb der vier Brauereien im Land. Wir sehen da schon noch Potenzial. Dabei hilft uns sicher auch der gute Ruf des Bregenzerwälder Handwerks.

Von Craft Beer hin zu Biermischgetränken: Inwieweit muss man auf Trends reagieren?

Experten sagen, der Craft-Beer-Trend hat den Zenit erreicht. Wir haben ein dunkles Bier entwickelt, das man dazuzählen kann, aber wir werden nie diejenigen sein, die im Craft-Beer-Bereich die Innovationsvorreiter sind. Denn als kleine Brauerei muss man schon schauen, womit man sein Geld verdient. Und das tun wir hauptsächlich mit dem Spezialbier. Die anderen Sorten dienen eher dazu, unser Know-how zu zeigen und vielleicht Kunden damit anzusprechen, die wir sonst nicht hätten.

Welche Entwicklungen beobachten Sie zurzeit bei den Biertrinkern?

Was auffällt, ist, dass Frauen mehr Bier trinken. Das ist eine Zielgruppe, die noch nicht wahnsinnig gesättigt ist und wo es deshalb sicher noch Potenzial gibt. Zugleich nimmt uns der Cider Marktanteile weg. Natürlich sind durch die Globalisierung insgesamt mehr Bierhersteller am Markt, aber das beobachte ich entspannt. Denn insgesamt ist eine Bierkultur entstanden. Bier ist nicht mehr nur das alltagstaugliche Alkoholgetränk. Durch die Vielfalt an Sorten wird es zunehmend mit Essen kombiniert. Da gibt es eine Veränderung, die erst angefangen hat und noch nicht zu Ende ist. Deshalb haben wir in Kooperation mit Mohren eine Biersommelier-Ausbildung initiiert.

Welche Rolle spielen die hauseigenen Limonaden?

Wir produzieren neun verschiedene Sorten. Im Ersten Weltkrieg war die Rohstoffbeschaffung fürs Bier sehr schwierig. Zucker wiederum war besser verfügbar, darum gibt es das Sortiment. Ebenfalls ausschließlich in Mehrweggebinden. Die Limonaden haben damals der Brauerei das Überleben gesichert und wir halten bis heute daran fest. Vorwiegend beliefern wir damit die Gastronomie. Sie finden aber auch im Handel immer mehr Anklang. Darum arbeiten wir daran gerade hinsichtlich Zuckerreduktion und Drehverschluss.

Wie sehen Sie die Situation, dass Bier im Lebensmittelhandel grundsätzlich ein Aktionsartikel ist?

Der Lebensmittelhandel ist zum einen eine Chance. Dort kann man viele Liter an den Endkonsumenten bringen, weil der Handel im Vergleich zur Gastronomie stark zunimmt. Stichwort: Gasthaussterben. Die Rabattpolitik ist allerdings schon schade, weil es dazu führt, dass die Brauereien in einen Preiskampf kommen.

Wie war Ihr Weg in die Geschäftsführung der Brauerei Egg?

Ich bin eigentlich ein kompletter Quereinsteiger. Denn ich komme aus der Bekleidungsbranche. Ich bin allerdings in Egg geboren und aufgewachsen und kenne die Gesellschafterfamilien der Brauerei. Eines Tages gab es ein Gespräch und letztlich hat sich das Angebot als große Chance herauskristallisiert, einen einheimischen Betrieb mit Potenzial zu führen.

Die Brauerei hat acht Gesellschafter, Sie führen die Geschäfte mit einem weiteren Geschäftsführer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm. Sie haben mit mir natürlich eine eher ungewöhnliche Entscheidung getroffen. Zum ersten Mal kommt ein operativer Geschäftsführer nicht aus einer der Familien. Sie lassen mir viele Freiheiten und ich versuche, das Vertrauen zu rechtfertigen, indem ich das bestmögliche Ergebnis liefere.