„Eine CO2-Steuer gibt es seit 15 Jahren“

Markt / 04.10.2019 • 19:59 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die ersten Kunden lassen bereits die Winterreifen aufziehen.

Die ersten Kunden lassen bereits die Winterreifen aufziehen.

Für Gottfried Koch und Markus Eichhorner (Auto Koch) braucht es Anreize anstatt Strafsteuern.

Feldkirch Gottfried Koch (52) und Markus Eichhorner (47) leiten die Geschicke im Feldkircher Autohaus Koch. Im Interview sprechen sie über E-Mobilität und wie man Kunden mehr dafür begeistern kann.

 

Ihr Großvater gründete das Unternehmen als Fahrrad- und Grammophon-Händler, 1950 stieg die Firma in den Kfz-Handel ein. Jetzt steht wieder ein Umbruch an. Wie gut sind sie vorbereitet auf E-Mobilität und geändertes Kundenverhalten?

Koch Noch nie kamen so viele Veränderungen auf uns zu wie aktuell. Nicht nur wegen der neuen Antriebsarten wie Elektromobilität. Ein großes Thema ist auch die Digitalisierung und zudem denken die Hersteller über neue Vertriebstrukturen nach, beispielsweise über einen Internetverkauf. Noch will der Kunde beim Autokauf allerdings schon noch ein Gegenüber haben.

 

Durch die E-Mobilität wird sich auch der Faktor Werkstätte und Service deutlich verändern. Was bedeutet das für Auto Koch?

Koch Software-Updates kann man quasi zuhause in der Garage durchführen und die Elektromotoren sind wartungsfreundlicher. Dafür müssen die Assistenten mehr gewartet werden. Auch das Berufsbild wird sich ändern, vor allem wenn es um das Thema Hochvoltanlagen geht. Durch das Arbeitnehmerschutzgesetz braucht man dazu aber erst den Lehrabschluss, um mit der ersten Stufe der Hochvoltausbildung starten zu können.

Eichhorner Es gibt drei Ausbildungsstufen zum Hochvolttechniker. Die Ausbildung dazu erfolgt direkt beim Hersteller und erst dann darf man an der offenen Batterie arbeiten. Fertig ausgebildeten Hochvolttechniker gibt es bei VW bislang einen in Vorarlberg.

 

Inwieweit spüren Sie im Verkauf die Nachfrage nach E-Autos?

Koch Momentan gibt es von VW zwei e-Modelle. Letztes Jahr haben wir rund 30 e-Golf abgesetzt. Die Autos haben realistisch rund 230 Kilometer Reichweite. Damit kann man sich in Vorarlberg gut bewegen. Die Tendenz geht klar hin zu Firmen. Jetzt wurden die Preise aber reduziert. Einen e-Golf bekommt man ab 33.990 Euro. Da fängt es dann auch für den Privaten an interessant zu werden. Nächstes Jahr kommt der VW ID.3, ein vollelektrisches Fahrzeug in drei verschiedenen Ladestufen von 330 bis 550 Kilometer Reichweite. Und in den kommenden fünf bis zehn Jahren wird es jährlich ein bis zwei komplett neue Modelle geben. Politisch erwarten wir Förderungen und Unterstützungen, damit diese Mobilität auch vom Endverbraucher wahrgenommen wird.

 

Unterdessen wird die öffentliche Diskussion zum Thema SUV intensiv und hart geführt. Zu Recht?

Koch SUV sind für uns nicht das 600-PS-3-Tonnen-Fahrzeug, das gerade so polarisiert, sondern auch kleinere Modelle, die mit 4,5 Litern Treibstoff zu bewegen sind. Der Kunde will einfach hoch sitzen, viele haben gar keinen Allradantrieb. Der Trend wird sich eher verstärken, aber natürlich auch mit anderen Antriebsarten wie Elektro. CO2 ist ein großes Thema, aber es ist zu einfach, das nur auf das Auto abzuwälzen. Die Industrie leistet dazu genauso einen Beitrag, wie der Schiffs- und Flugverkehr. Wenn man nun über CO2-Steuer diskutiert, muss ich sagen, wir haben mit der NoVA und der Mineralölsteuer seit 15 Jahren eine CO2-Steuer. Vielmehr braucht es Anreize, ein umweltfreundlicheres Fahrzeug zu kaufen.

Eichhorner Die CO2-Thematik kann man nicht politisch regeln. Da kommt es stark auf den Menschen an. Er reist gerne, aber es gibt viele tägliche Wege, die man ohne Auto machen kann. Die Mischung macht es aus.

 

VW wird durch den Dieselskandal erschüttert. Wie haben Ihre Kunden darauf reagiert?

Koch Wir haben gesehen, dass unsere Kunden uns gegenüber sehr loyal waren. Das war für uns ein positives Erlebnis, dass sie hier zwischen Hersteller und Händler unterschieden haben. Wir haben nur ganz, ganz wenige Kunden verloren. Aber haben sind Diesel-Fahrer schon mit einem Umstieg auf Benzin, Gas oder Elektro beschäftigt. Man muss aber schon festhalten, dass ein neuer Diesel für Vielfahrer das wirtschaftlichste Produkt am Markt ist.

 

Welche Antriebsart wird sich Ihrer Meinung nach durchsetzen?

Koch Wasserstoff wird kommen, aber momentan gibt es noch keine entsprechende Infrastruktur. Die nächsten Schritte werden daher Hybride und rein elektrische Fahrzeuge sein. Wir denken dabei stark über bedarfsgerechte Mobilität nach. Wir wollen eine eigene Leihwagenfirma aufstellen, so dass wir dem E-Auto-Kunden für seinen Familienurlaub einen Bus oder SUV ausleihen oder für berufliche Termine in Wien ein Bahnticket zur Verfügung stellen können. Mit dieser Sicherheit im Rücken könnte die Bereitschaft für eine Umstellung auf E-Mobilität steigen.

Welche Trends sehen Sie im Nutzfahrzeuggeschäft?

Koch Wahnsinnig im Trend liegt das Camping-Thema. Da gibt es den VW Bus mit Klappdach und ein neues Modell mit WC, Küche und Schlafmöglichkeit. Das spricht nicht nur den klassischen Camper, sondern auch Mountainbiker oder Golfer an.

 

Kfz-Techniker ist seit Jahrzehnten einer der beliebtesten Lehrberufe. Haben Sie genug Nachwuchs?

Koch Es ist schon eine Herausforderung. Wir haben ein emotionales Produkt, das Jugendliche interessiert. Daher tun wir uns schon noch einfacher, auch wenn man uns nicht gerade die Türen einrennt. Momentan ist der Beruf eine männliche Domäne, aber das Interesse von Frauen steigt zusehens. Wichtig ist uns, zu transportieren, dass die Lehre keine Sackgasse ist. Einige unserer Lehrlinge sind später Unternehmer, Abendmatura- oder Uniabsolventen geworden.

„Photovoltaik wird eine Wiederbelebung erfahren. Vor allem als Speicher für die E-Mobilität.“

Gottfried Koch und Markus Eichhorner führen die Geschäfte im Feldkircher Autohaus. Den zukünftigen Entwicklungen sehen sie positiv entgegen. VN/Lerch
Gottfried Koch und Markus Eichhorner führen die Geschäfte im Feldkircher Autohaus. Den zukünftigen Entwicklungen sehen sie positiv entgegen. VN/Lerch

Kennzahlen

Gegründet 1926

Geschäftsführung Gottfried Koch (Eigentümer), Markus Eichhorner

Umsatz 2018 40 Millionen Euro (35 Mill. Verkauf, 5 Mill. Werkstätte

Mitarbeiter 72

Autoverkauf 2018 1005 neue Pkw und Nutzfahrzeuge, 450 Gebrauchtfahrzeuge

Standorte 2 in Feldkirch Altenstadt, Beteiligungen CH und FL

Privat

Gottfried Koch

Geboren 13. April 1967

Ausbildung VS, HS, HTL Maschinenbau Bregenz, Meisterprüfung Kfz-Techniker, Schulungen Porsche Austria, WIFI

Laufbahn Vowa Innsbruck (Praktikum), seit 1989 in der Firma (Betriebsleitung), 1994 Betrieb übernommen, 25 Jahre als Innungsmeister und Innungsmeisterstellvertreter in der Wirtschaftskammer Vorarlberg

Familie verheiratet

Hobbys Jagd und Jagdaufsicht, Naturwacht, Motorradfahren

 

Markus Eichhorner

Geboren 22. Juli 1972

Ausbildung Pflichtschule, Lehre, Meisterprüfung, Abendmatura, Ingenieur Maschinenbau, seit 18 Jahren zuständig für Weiterbildung und Grundkurse Paragraph 57a (Pickerlüberprüfung)

Laufbahn seit über 25 Jahren bei Auto Koch, Geschäftsführer seit Mai 2019, in der Branche zuständig für Weiterbildung und Grundkurse Paragraph 57a (Pickerlüberprüfung)

Familie verheiratet drei Kinder

Hobbys Imker, Familie