EZB-Geldflutung war laut Wifo-Chef richtig

Markt / 27.10.2019 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christoph Badelt, gibt der Europäischen Zentralbank (EZB) recht beim Fluten der Märkte mit Geld – um über die ärgste Krise hinwegzuhelfen -, jedoch hätte die EZB schon 2018 ihre Politik ändern müssen, wie dies auch Ex-OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny gemeint habe. Die Niedrigsparzins-Effekte relativierte Badelt am Sonntag in der TV-Pressestunde.

Dass Mario Draghi im Juli 2012 erklärt habe, die EZB werde alles tun im Rahmen ihres Mandats, was nötig ist („whatever it takes“), um den Euro zu retten, bezeichnete Badelt als „ganz wichtige wirtschaftspolitische Entscheidung“, des Ende Oktober abtretenden EZB-Präsidenten. Doch jetzt, wo die Konjunktur schwächer werde, habe die EZB ihr Pulver bereits beschossen. Die Kritik des neuen OeNB-Gouverneurs Robert Holzmann, der das 2-Prozent-Inflationsziel der EZB für zu hoch ansieht, teilt der Wifo-Chef. An niedrigen Zinsen ist seines Erachtens auch nicht nur die EZB schuld – „das ist ökonomisch nicht der Fall“ -, sondern weil es weltweit ein Überangebot an Kapital gebe.

Die realen Geldverluste von Sparern durch die niedrigen Zinsen relativierte Badelt ausdrücklich. Natürlich sei es ein Problem für Menschen, real Geld zu verlieren, aber das wirklich Entscheidende für eine Vorsorge sei, dass das Geld durch eine Hyperinflation oder eine Finanzkrise „nicht einfach weg“ sei. Natürlich sei es „nett“, beim Sparen auch etwas zu verdienen. Doch habe der „kleine Mann“ selten 10.000 Euro oder mehr eingelegt, da sei ein Prozent mehr oder weniger „ein Hunderter pro Jahr“, der die Zukunft des Betreffenden nicht so wahnsinnig mehr oder weniger sichere. „Da würde ich nicht die Lebenskrise aussprechen.“

Den Satz „Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn man nicht vorsorgen kann?“ würde er eher bezüglich der Verteilung oder der Preise sehen, sagte Badelt. Denn er halte es für ein Problem, dass es für viele Menschen, die regulär arbeiten, immer schwieriger sei, ihren Alltag, insbesondere die Mieten , zu finanzieren – oder dass es für ein Akademikerpaar, bei dem beide verdienten, ein Ansparen auf ein Eigenheim nur möglich sei, wenn ihnen die Eltern ein paar 100.000 Euro drauflegen.

Schuld an einem Mangel an Wohnungen sei nicht nur, weil dieser Sektor als Anlageform beliebt sei – weil man wegen der niedrigen Zinsen weniger an andere Geldanlagen denkt -, sondern auch Grundstückspreise, die Widmungspolitik oder das Mietrecht, weil bei zu vielen Restriktionen Wohnungen nicht auf den Markt kämen, gab Badelt zu verstehen. Zum Berliner Mietendeckel zeigte sich der Wifo-Chef ablehnend: „Ich äußere mich dazu immer kritisch. Verbote helfen hier nicht.“ Es müsse das Wohnungsangebot vergrößert und dort, wo Menschen es benötigen, ihnen subjektiv geholfen werden.