„Die Zumtobel-DNA wieder richtig leben“

Markt / 01.11.2019 • 17:58 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Alfred Felder sieht in Licht eine leuchtende Zukunft.

Alfred Felder sieht in Licht eine leuchtende Zukunft.

Alfred Felder, CEO der Zumtobel Group, sieht für das Licht eine neue Ära kommen.

Dornbirn Alfred Felder will als CEO die Zumtobel Group wieder auf Kurs bringen.

 

Einen Konzern aus der Verlustzone zu holen, ist keine leichte Aufgabe. Was hat Sie daran gereizt, die Verantwortung zu übernehmen?

Felder Mein Vorvorgänger hat mich 2012 zu Tridonic geholt, und es war – zwar unter anderen Vorzeichen – auch eine schwierige Aufgabe, weil die Tridonic damals nicht für die LED-Thematik gerüstet war. Was mich damals gereizt hat war, mit einem tollen Team etwas Neues zu gestalten und aufzubauen. Das hat gut funktioniert. Bei der Zumtobel Group ist der Reiz, ein Unternehmen dieser Größe wieder auf Schiene zu bringen und in die positive Zukunft zu steuern. Schließlich sind wir im professionellen Lichtgeschäft die Zweitgrößten in Europa.

 

Siemens steht vor einem Umbruch, Osram in einem Übernahmekampf. Sehen Sie Parallelen?

Felder Ende 2016 ist die neue LED-Technologie in die Sättigung gekommen. Der technische Fortschritt war absehbar. Es gab eine Preiserosion und mehr Wettbewerber. Das hinterlässt auch bei anderen Marktbegleitern Spuren.

 

Was waren Ihre Maßnahmen, um Zumtobel auf Kurs zu bringen?

Felder 2018/19 haben wir als Übergangsjahr bezeichnet mit dem Ziel der Verbesserung der Profitabilität in einem schrumpfenden Marktumfeld. Wir haben einiges an Restrukturierung einleiten müssen. In der Zentrale haben wir Managementfunktionen rausgenommen, die Länder in ihren Verkaufsfunktionen neu aufgestellt. Mein Vorstandskollege Bernard Motzko hat begonnen, die operativen Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Das Lager in Langenau hatte Lieferschwierigkeiten, zudem gab es auf der Kostenseite Themen. Mit dem Werk in Serbien haben wir das beschleunigt. Wir haben die kosten­erosiven Produkte dorthin verlagert, um sie nicht zu verlieren.

 

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Felder Insgesamt war es eine ordentliche Herausforderung, die wir heute aber abgeschlossen haben. Für das Geschäftsjahr 2019/2020 sind wir vorsichtig optimistisch und glauben, dass wir ein kleines Wachstum hinbekommen. Auch wenn das unter den sich verändernden Rahmenbedingungen wie dem Brexit, der Preissituation, der Wettbewerbssituation sowie der Konjunktureintrübung in manchen Ländern nicht so einfach ist.

 

Dann wird es keine weiteren Einschnitte geben?

Felder Nein, wir haben das soweit abgeschlossen. Wir sind nun wieder in der Aufbauphase. In England mussten wir durch den Verfall von Währung und Markt Anpassungen vornehmen. Nun müssen wir wieder Leute aufbauen und die Fertigungsstandorte optimieren.

Großbritannien ist der größte Einzelmarkt für Zumtobel. Welche Rolle spielt der Brexit?

Felder Wenn es zu einem harten Brexit kommt, werden die Werke in England speziell für den englischen Markt produzieren. Die Exportprodukte werden dann an andere Standorte verlagert. Um uns vorzubereiten, haben wir die Lagerbestände hochgefahren. In Serbien sind neben den kostenerosiven Produkten teilweise auch Produkte für die osteuropäischen Märkte sowie Produkte, die früher aus China kamen, angesiedelt. Dornbirn bleibt die Innovationsschmiede und das Werk mit der höchsten Fertigungstiefe und Automatisierung. Wenn es etwas weniger Arbeitsplätze sein werden, bekommen wir das mit natürlicher Fluktuation hin.

 

Der Markt ist nach wie vor disruptiv. Kann man sich da freispielen?

Felder Wir sind nach wie vor groß, nur in den letzten Jahren nicht so gewachsen, dass alle zufrieden sind. Ja, ich glaube, dass eine neue Ära für das Licht beginnt. Bei LED war es anfangs nur ein Rennen um die Lichteffizienz. Jetzt geht es darum, an der Qualität des Lichtes zu arbeiten. Dort ist Zumtobel seit Jahrzehnten zu Hause, und hier können wir unsere DNA wieder richtig leben. Das kann uns befähigen, zur alten Stärke zurückzukehren. Zusammen mit Sensoren und Software können sich Geschäfte auftun, die über das Licht hinausgehen.

 

Wie intelligent ist Licht?

Felder Leuchten können, in Abhängigkeit vom Tageslicht, das Innenlicht steuern. Sie haben CO2-Sensoren und sind auch so vernetzt, dass man über eine App seine Meetingräume buchen kann. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man in Zukunft weiß, in welcher Stimmung der Mensch ist, der nach Hause kommt. Dementsprechend reagiert das Licht mit der Lichtfarbe.

 

Wie hoch ist mittlerweile der LED-Umrüstungsgrad?

Felder Gut drei Viertel sind noch nicht umgerüstet. Denn bei Industriegebäuden erneuert man das Licht alle 20 bis 30 Jahre, in Büros alle 10 bis 15 Jahre und in Shops alle drei bis fünf Jahre. Das heißt, es braucht noch eine gewisse Zeit.

Sie haben in jüngster Zeit mit Stadien prestigeträchtige Projekte realisiert. Wie wichtig sind diese?

Felder Große Stadien wie Mainz oder Dortmund mit Flutlicht auszustatten, sind tolle Referenzprojekte und neue Geschäftsmöglichkeiten. Wir haben nun Anfragen von Clubs aus Europa und Übersee. Durch das Beleuchtungsprojekt in der Allianz Arena sind ebenfalls neue Kontakte entstanden. In einem Stadion können wir für Fassade, Flutlicht und Beleuchtung alle unseren Marken abbilden. Wir sind also neben etablierten Bereichen auch wieder in diesen Applikationen zu Hause.

 

Darf man in einer AG grundsätzlich nur „vorsichtig optimistisch“ sein?

Felder Es ist wichtig, möglichst viele Parameter abzuschätzen, um eine Wahrscheinlichkeit zu haben, dass Lösungen erfolgreich sind. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nie. Man muss in der Umsetzung also ein gewisses unternehmerisches Risiko eingehen.

„Durch den Fokus auf Lichtqualität können wir wieder zur alten Stärke zurückkehren.“

Alfred Felder hatte verschiedene leitende Positionen bei Siemens, Infineon und Osram, bevor er Geschäftsführer von Tridonic und Vorstandsvorsitzender der Zumtobel Group wurde.VN/Sams
Alfred Felder hatte verschiedene leitende Positionen bei Siemens, Infineon und Osram, bevor er Geschäftsführer von Tridonic und Vorstandsvorsitzender der Zumtobel Group wurde.VN/Sams

Kennzahlen

Gegründet 1950

Geschäftsführung Alfred Felder (CEO), Thomas Tschol (CFO), Bernard Motzko (COO)

Eigentümer Aktiengesellschaft (größter Einzelaktionär ist die Familie Zumtobel)

Umsatz 2018/19 1,2 Mrd. Euro

Mitarbeiter 5900 Mitarbeiter

Produktion 14 Werken auf vier Kontinenten

Privat

Alfred Felder

Vorstandsvorsitzender Zumtobel Group AG

Geboren 20. Juli 1963

Ausbildung Technische Universität Wien, Abschluss als Doktor der Elektrotechnik

Laufbahn Verschiedene leitende Positionen bei Siemens und Infineon (1994 bis 2003), Management Osram (2004 bis 2011), Geschäftsführer Tridonic (2012 bis 2016), Vorstandsmitglied Zumtobel Group (2016 bis 2018), Vorstandsvorsitzender Zumtobel Group (seit 2018)

Familie verheiratet

Leider waren die letzten 18 Monate für den gebürtigen Südtiroler hektisch, deshalb kommt die Freizeit auch etwas kurz. Gerne geht Felder einmal in der Woche mit Arbeitskollegen auf den Karren, „runter fahre ich mit der Bahn“. Felder ist gerne in der freien Natur zum Radfahren und Skifahren,. Das bietet sich in Vorarlberg mit den kurzen Wegen an. Wenn Zeit bleibt, dann reisen seine Frau und er gerne, machen Städtereisen. „Das haben wir wieder angefangen.“ Und sie pflegen ihre Freundschaften.