Hubert Rhomberg

Kommentar

Hubert Rhomberg

Selbstverständlichkeiten

Markt / 16.11.2019 • 07:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auf Basis des Erfolgs der fleißigen Vorarlberger und der ebenso fleißigen Wirtschaft des Landes konnten wir – zu Recht – in den vergangenen Jahrzehnten einen sehr hohen Lebensstandard genießen. An die Selbstverständlichkeiten dieses Komforts haben wir uns längst gewöhnt: Selbstverständlich wollen wir ein großes Angebot an Gesundheitsvorsorge, Kinderbetreuung, Bildung, Infrastruktur etc. Selbstverständlich sollen Kultur, Sport und Vereine gefördert werden.

„Es geht hier nicht darum, unsere intakte, lebenswerte Umwelt zu opfern. Das will garantiert niemand, vor allem die Unternehmer dieses Landes nicht.“

Allerdings können wir derlei Annehmlichkeiten früher wieder verlieren, als uns das lieb ist. Denn unser Wohlstand wird nur von einer funktionierenden, stabilen Wirtschaft und insbesondere der Industrie mit einem Drittel aller Arbeitsplätze und sogar 40 % der Wertschöpfung im Land gesichert.
Wir dürfen uns aber nicht mehr einfach darauf verlassen, dass es ohnehin immer genug leistungsbereite Bürger und risikobereite Unternehmer im Land gibt, die den Wohlstand ermöglichen, den wir so gerne genießen und verteilen.

Die Herausforderungen an die Wirtschaft und damit den Standort steigen aktuell massiv und Eintrübungen des Exports sind bereits spürbar. Gleichzeitig stellt sich eine steigende Zahl von Menschen im Land gegen das Erfolgsmodell unserer ökosozialen Wirtschaft. Gefühlt wollen und fordern sie immer mehr Service von der Allgemeinheit, sehen aber immer weniger den Zusammenhang zur Finanzierung dieser Forderungen.

Die Diskussion über den richtigen Weg und den Ausgleich der Interessen ist absolut wichtig und legitim. Sie sollte aber proaktiv geführt werden, und nicht reaktiv populistisch. Es geht hier nicht darum, unsere intakte, lebenswerte Umwelt zu opfern. Das will garantiert niemand, vor allem die Unternehmer dieses Landes nicht.

Es ist aber sehr wichtig, jetzt einen ernsthaften Dialog darüber zu führen, was wir in unserem Land noch gemeinsam akzeptieren wollen. Allerdings sollte dieser Dialog auf Ebene der Landesregierung stattfinden, nicht separat und individuell in jeder Gemeinde. Dabei geht es um mehr als lediglich das Beispiel Rauch.
Es gibt noch viele andere, und es wird noch viele weitere geben. Wir dürfen nicht unterschätzen, welche Signale hier gesendet werden. Signale, die unseren Komfort bedrohen.

Hubert Rhomberg ist Baumeister und Geschäftsführer der Rhomberg Holding.