Der Stern im Süden und Licht an der Seidenstraße

Markt / 25.11.2019 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wer erste Schritte auf den ostafrikanischen Markt machen will, ist in der Boomtown Nairobi (Bild: Businessdistrict) am richtigen Platz.Reuters
Wer erste Schritte auf den ostafrikanischen Markt machen will, ist in der Boomtown Nairobi (Bild: Businessdistrict) am richtigen Platz.Reuters

Licht und Schatten in den süd- und südöstlichen Exportmärkten.

Dornbirn Die Gesprächstermine waren schnell ausgebucht. Zahlreiche Vorarlberger Unternehmen nutzten den Sprechtag mit den österreichischen Wirtschaftsbotschaftern, um die Geschäftslage interessanter, aber derzeit auch einiger wackliger Märkte im Nahen Osten und in Afrika auszuloten.

Hoffnung setzt die österreichische Wirtschaft in den Schwarzen Kontinent. Dementsprechend intensiv wird der Markt auch von der Außenwirtschaft Österreich bearbeitet, berichtet Edith Predorf im Gespräch mit den VN. Predorf vertritt als Wirtschaftsdelegierte die Interessen der österreichischen Wirtschaft in Ostafrika. Ihren Sitz hat sie in Nairobi, aber zum betreuten Gebiet gehören elf Länder, darunter Tansania, Kenia, Äthiopien, Ruanda, Uganda und die Seychellen. In Kenia boomt die IT-Branche. Nairobi gilt als Afrikas Silicon Valley. Seit dort die „mobilen Wallets“ für Geldtransaktionen der Bevölkerung die Teilnahme an der Wirtschaft ermöglichen, herrscht Aufbruch.

„Kein Quick Market“

Freilich sei das Wirtschaftswachstum in afrikanischen Staaten auch deshalb hoch, weil von einem niedrigen Niveau ausgegangen wird. Interessant ist der Markt derzeit im Bereich Bau- und Infrastruktur, für die Maschinenindustrie und Gesundheitsprodukte. Tätig seien österreichische Firmen in der Green Technology, wobei die „Asiaten in diesem Bereich sehr stark sind“, und in allem, was mit Wasser zu tun hat. In Supermärkten ist die Fruchtsaftmarke Rauch sehr gut vertreten, mit Niederlassungen ist der Verpackungshersteller Alpla aktiv.

Derzeit geht nur ein Prozent der österreichischen Importe nach Afrika, wer allerdings Fuß fassen wll, sollte gewähr sein, dass „es kein Quick Market ist“. Beziehungspflege sei sehr wichtig, so Predorf. Österreichs Exporte nach Afrika steigerten sich heuer bisher um 10,8 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro.

Fuß gefasst haben österreichische Firmen und Exporteure bereits in der Türkei, doch dort gelte es derzeit auszuharren nach der Wirtschaftskrise, doch es zeige sich, so Georg Karabaczek, Wirtschaftsdelegierter mit Dienstort Außenwirtschaftscenter Istanbul, schon wieder Licht am Ende des Tunnels. Die Wachstumsprognose für 2020 zeige ein Plus von drei Prozent. Die politische Lage sei ein anderes Thema, so Karabaczek. „Das ist grundsätzlich weiterhin ein Hoffnungsmarkt für die österreichische Wirtschaft“, erklärt er und verweist auf Aufträge im Eisenbahnbau, an dem z. B. Getzner Werkstoffe mitwirke, den Ausbau der Wintersport-Regionen und die Logistikbranche, in der Gebrüder Weiss sich sehr gut etabliert habe. Vor Ort produziert wird beispielsweise von Rondo Ganahl und Alpla, so Karabaczek, der außerdem für Aserbaidschan und Georgien zuständig ist. Dennoch: heuer gingen die Exporte bislang stark zurück, nämlich um 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf bislang 573,4 Millionen Euro.

Boomland Georgien

Asserbaidschan, das Öl und Gas besitzt, möchte sich unabhängiger von den Rohstoffen machen und hat sich die Industrialisierung ins Regierungsprogramm geschrieben, „das ist auch für Vorarlberger Firmen eine große Chance“, betont Karabaczek. Kein Geheimtipp mehr ist das Boomland Georgien, das „gute Möglichkeiten“ bietet. Im Tourismus ist das Flugunternehmen Wucher engagiert, das dort Heliskiing anbietet. Gebrüder Weiss hat in dem Land einen großen Stützpunkt an der Seidenstraße errichtet, so Karabaczek.

Nichts geht mehr in einem früheren Hoffnungsmarkt. Seit US-Präsident Trump den Iran mit Sanktionen belegt hat, taumelt das Land am wirtschaftlichen Abgrund. Auch Exporte, die noch möglich wären, sind versiegt, „weil sich die Banken auch in Europa an die US-Sanktionen halten“, berichtet der Wirtschaftsdelegierte Christoph Grabmayr aus einem Land im Ausnahmezustand. „Ich empfehle, dass sich die Vorarlberger Lieferanten bei ihren Geschäftspartnern melden, denn das Geschäft im Iran ist ein Beziehungsgeschäft“, so Grabmayr. Das geht allerdings derzeit nur per Telefon oder Fax, E-Mail und Internet funktionieren nicht mehr, sagt er und hofft, dass zumindest mittelfristig wieder so was wie Normalität einkehrt. VN-sca

„Die Türkei hat eine solide industrielle Basis, geplant sind große In­frastrukturprojekte.“

„Wer allerdings Fuß fassen will, sollte gewähr sein, dass es kein Quick Market ist.“