Nach Jahren sinkender Arbeitslosigkeit nun Anstieg erwartet

Markt / 02.01.2020 • 15:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Nach drei Jahren mit sinkender Arbeitslosigkeit erwartet AMS-Vorstand Johannes Kopf für 2020 nun einen Anstieg. Kopf rechnet mit einem „moderaten“ Zuwachs von 5.000 bis 10.000 zusätzlichen Arbeitsuchenden. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer ging 2019 im Vergleich zum Jahr davor um 4,6 Prozent auf 363.287 Personen zurück.

Die Arbeitslosenzahlen sinken seit 2017, davor stiegen sie fünf Jahre. 2015 und 2016 wurde mit 9,1 Prozent die höchste Arbeitslosenrate seit 1946 verzeichnet, 2019 lag sie wieder bei 7,4 Prozent.

„Nach drei Jahren sinkender Arbeitslosigkeit haben wir damit in etwa wieder das Niveau von 2013 erreicht“, sagte Kopf anlässlich der 2019er-Arbeitslosenzahlen am Donnerstag. Insgesamt ist der AMS-Chef mit der Arbeitsmarktentwicklung in den vergangenen zwei Jahren zufrieden. „Nach dem so hervorragenden Jahr 2018 war auch 2019 ein mehr als lobenswertes für den österreichischen Arbeitsmarkt. Bei einem Beschäftigungswachstum von rund 55.000 Personen sank die Arbeitslosigkeit in Österreich entgegen der Prognosen das ganze Jahr über.“

Weiterhin eine Herausforderung bleibt für Kopf die Arbeitslosigkeit bei besonders niedrig Qualifizierten. Bei Personen mit Lehrlingsausbildung liege die Arbeitslosenquote bei 6 Prozent und bei Pflichtschulabsolventen bei über 20 Prozent, sagte Kopf am Donnerstag im Ö1-„Mittagsjournal“ des ORF-Radios. Weitere Themen seien Menschen mit Behinderung und ältere Langzeitarbeitslose.

Die Arbeitslosigkeit sank 2019 im Vergleich zum Jahr davor in allen Bundesländern und auch in allen relevanten Branchen. „Auffallend ist der so starke Baubereich mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um mehr als 8 Prozent, mit ein Grund, warum die Männerarbeitslosigkeit mehr als doppelt so stark rückläufig war wie die der Frauen“, so Kopf. Die Dezember-Arbeitslosigkeit sank aber nur mehr um 1,5 Prozent.

Den stärksten Rückgang bei Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern zusammengerechnet gab es 2019 in Tirol (-6,9 Prozent), gefolgt von Salzburg (-6,6 Prozent), Kärnten (-5,2 Prozent), Wien (-4,7 Prozent), Burgenland und Niederösterreich (jeweils -4,4 Prozent), Steiermark und Oberösterreich (jeweils -3,9 Prozent) und Vorarlberg (-1,9 Prozent).

Der Boom bei Bauprojekten ließ die Arbeitslosenzahlen am Bau mit minus 8,4 Prozent im Branchenvergleich am stärksten sinken. Dahinter folgten die Bereiche Beherbergung und Gastronomie (-4,5 Prozent), Arbeitskräfteüberlassung (-4,4 Prozent), Gesundheits- und Sozialwesen (-4,2 Prozent), Handel (-3,1 Prozent), Herstellung von Waren (-2,5 Prozent) und Verkehrs- und Lagerwesen (-1,4 Prozent).

Bei Personen unter 25 Jahren sanken die Arbeitslosenzahlen um 8,5 Prozent, bei 25- bis 49-Jährigen gingen sie um 6 Prozent zurück. Bei über 50-Jährigen gab es hingegen ein kleines Plus von 0,6 Prozent. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (mehr als 12 Monate ohne Arbeit) sank um 5,5 Prozent auf knapp 48.000 Personen.

Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen stieg 2019 um 7,8 Prozent auf 77.093. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl kritisierte am Donnerstag erneut das kurzfristige „Zwischenparken“ von Arbeitskräften beim AMS. Dies würde rund 160 Mio. Euro pro Jahr kosten. „Das AMS wird dieses Geld dringend brauchen, um etwa älteren Arbeitslosen besser helfen zu können“, so Anderl in einer Aussendung. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch fordert von der geplanten türkis-grünen Bundesregierung mehr Engagement für ältere Arbeitslose und Arbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie Menschen mit Behinderungen. „Ich hoffe, die Grünen werden ihr soziales Gewissen nicht beim Portier im Bundeskanzleramt abgeben“, so Muchitsch.