Geordneter Rückzug

Markt / 23.01.2020 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bis Ende des Jahres gilt es noch Lieferverträge zu erfüllen. Dann steht bei Gastina auch diese Pasta-Maschine. FA/Widmer
Bis Ende des Jahres gilt es noch Lieferverträge zu erfüllen. Dann steht bei Gastina auch diese Pasta-Maschine. FA/Widmer

Interesse an Gastina-Mitarbeitern groß. Sozialplan soll im März stehen.

Frastanz, Bischofszell Bis Ende 2020 gilt es in der Frastanzer Schneebertschgasse noch Bestellungen abzuarbeiten. Dass der Migros-Nahrungsmittelhersteller Bischofszell dennoch bereits jetzt zuerst die Mitarbeiter und dann die Öffentlichkeit informierte, dass am 31. Dezember 2020 definitiv Schluss mit der Produktion ist, sei ein Gebot der Fairness. „Wir wollten die Mitarbeiter früh genug über die Pläne unterrichten“, sagt Corinne Harder, Sprecherin der BINA-Gruppe (Bischofszell Nahrungsmittel), zu der auch die Gastina in Frastanz zählt.

Schließung in Etappen

Die Abwicklung des Betriebes, der seit dem Jahr 2009 Teil der „M-Industrie Segment III“ ist, wird etappenweise durchgeführt, mit den Aktivitäten vor Ort wurde die prominente Dornbirner Anwaltskanzlei TWP (die übrigens auch die Interessen der Familie Rentschler vertritt) engagiert. Geplant sind sowohl Sozialplan wie Jobcenter. Mit dem AMS wurde bereits Kontakt aufgenommen, wie Bernhard Bereuter gegenüber den VN bestätigt. Es sei durchaus Nachfrage aus der Lebensmittelindustrie nach Arbeitskräften, außerdem gebe es die Möglichkeit einer Arbeitsstiftung, in der sich Mitarbeiter weiter- bzw. andersweitig qualifizieren können. Firmen, die Interesse haben, die freiwerdenden Mitarbeiter zu beschäftigen, können sich, so Bereuter, an das „AMS Service für Unternehmen“ wenden, die sich um alles weitere kümmere. Die Beratung der Mitarbeiter über Zukunftsperspektiven, aber auch was ihre Ansprüche betrifft, werde man zusammen mit den Arbeitsrechtsexperten der Arbeiterkammer organisieren und durchführen.

Die Vorarlberger Lebensmittelindustrie sucht wie andere Branche auch nach guten Mitarbeitern, die die Branche kennen. Das gilt auch für die Firma 11er Nahrungsmittel nur knappe zwei Kilometer entfernt. Man könne sich gut vorstellen, Mitarbeiter von Gastina zu übernehmen, sagt 11er-Geschäftsführer Thomas Schwarz. Auch die Personalabteilung der Firma Rondo hat schon Interesse bekundet und will Mitarbeiter übernehmen. Konkrekte Aktivitäten wurden aber bislang nicht gesetzt. Das würde Bürgermeister Walter Gohm freuen, der in einer Stellungnahme betont, dass ihm „wichtig ist, dass die betroffenen Mitarbeiter wieder zügig in Beschäftigungsverhältnisse in der Region kommen“.

Gastina war und ist nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Auftraggeber für regionale Zulieferer, z. B. Vorarlberger Mehl, Rupp Cheese Innovation, Schluge Transporte oder den benachbarten Verpackungsspezialisten Rondo Ganahl. Bei Gastina werden täglich rund 40.000 Fertiggerichte hergestellt, neben der Migros sind Firmen wie Weight Watcher, die unter eigenem Namen produzieren lassen, wichtiger Kunde des Lebensmittelherstellers. VN-sca

„Firmen, die Mitarbeiter von Gastina anstellen wollen, melden sich am besten bei uns.“