Daniel Feurstein widmet sich als Unternehmer der Hanf-Pflanze

Markt / 25.01.2020 • 07:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dr. Daniel Feurstein hat in Konstanz studiert und in den USA sowie in der Schweiz gearbeitet, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Hier in seinem Shop Hanafsan in Götzis. VN/STEURER

Der Biologe will den Menschen den medizinisch-therapeutischen Nutzen näherbringen.

Götzis Dr. Daniel Feurstein hat sich ganz dem Hanf verschrieben. Mit seinem Unternehmen Dr. Feurstein Medical Hemp will er Menschen den nahrungsergänzenden sowie medizinisch-therapeutischen Nutzen der Pflanze näherbringen. Unter der Marke Hanafsan verkauft er zertifizierte CBD-Hanf-Produkte und Hanf-Nahrungsmittel. 

Seit zwei Jahren gibt es den Hanafsan-Shop in Götzis, in dem Sie legale Hanf-Produkte verkaufen. Wer kommt zu Ihnen?

Die Kunden sind größtenteils über 50 Jahre alt. Es sind Menschen mit Schmerzen oder Entzündungen, mit Rheuma oder Neurodermitis. Wir haben teils auch sehr schwere Fälle. So zum Beispiel chronische Schmerzpatienten, die schulmedizinisch alles durchlaufen haben. Cannabis ist sicher kein Allheilmittel. Es gibt Erkrankungen, bei denen es gut helfen kann. Auch die Weltgesundheitsorganisation stuft CBD als sicher ein und attestiert einen hohen therapeutischen Nutzen. Allerdings dürfen wir zu unseren Produkten keine gesundheitsbezogenen Angaben, also beispielsweise zur Art der Dosierung, machen.

Wie vorurteilsbehaftet ist das Produkt?

Jene, die zu uns kommen, sind zu 95 Prozent vorurteilsfrei. Sie haben sich bereits im Vorfeld informiert und wir haben in den letzten Jahren auch viel Aufklärungsarbeit geleistet. Was dabei hilft, ist, dass wir ein pharmazeutisches Unternehmen und biozertifiziert sind.

Wie stehen Apotheker oder Mediziner Ihrer Erfahrung nach zu Hanf-Produkten?

Das ist durchwachsen. Ich sehe eine signifikante Zunahme des Interesses. Ich gehe viel zu Apothekern und Ärzten, um zu informieren. Apotheker sind generell offener. Viele stehen dem positiv gegenüber und sehen das Produkt mittelfristig als Medikament in der Apotheke. Die Ärzte nehme ich in Schutz. Durch unser Gesundheitssystem wäre das eher ein politisches Thema.

Hanf ist seit Jahrhunderten bekannt. Wieso hat die medizinische Verwendung erst in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen?

Hanf war ursprünglich sehr positiv besetzt. Die Landwirte mussten früher ein Drittel ihrer Fläche mit Hanf bebauen. Die Pflanze ist seit Tausenden Jahren in menschlichem Gebrauch. Die Chinesen haben bereits 3000 vor Christus über die heilende Wirkung geschrieben. Ich habe in der Bibliothek ein Ärztebuch von 1847 gefunden. 20 Seiten davon widmen sich dem Einsatz von Cannabis. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es eine umfassende Prohibition, ausgehend von den USA. Das ist das Paradebeispiel, wie man Lobbyismus betreibt. Heute hat sich das geändert. CBD bekam im vergangenen Jahr in den USA die Zulassung zur Behandlung von Epilepsie. Auch im deutschen Ärztebuch steht seit 2015, dass CBD und THC als magistrale Rezeptur verschreibbar sind.

Während man die Wirkstoffe CBD oder THC kennt, gibt es Hunderte weitere Bestandteile der Pflanze, deren Wirkungen unbekannt sind.

Das Potenzial ist noch viel größer und das war auch mein Ansatz, denn es gibt noch mindestens 98 Wirkstoffe und zudem die Kombinationen.

In Rankweil haben Sie eine eigene Produktion. Dort sollen bald Arzneimittel hergestellt werden. Heuer folgen klinische Studien. Wie finanziert man eine solche Phase?

Die Produktion steht, jetzt geht es um regulatorische und medizinische Themen. Bis jetzt sind wir organisch gewachsen. Wenn man mit der Arzneimittelforschung anfängt, braucht man Investoren. Wie viel das kostet, hängt vom Bereich ab. Klinische Studien bei intravenösen Medikamenten zur Krebsbehandlung beispielsweise dauern sieben bis zehn Jahre und das kostet Hunderte Millionen. Das haben wir im ersten Schritt nicht vor. Wir werden uns zunächst äußerlichen Anwendungen wie Neurodermitis oder Akne widmen. Investoren zu finden, ist an sich nicht schwierig. Aber ich brauche Sicherheit. Ich habe einen Investor aus der Schweiz. Da kenne ich die Geschichte dahinter und weiß, dass Fleisch am Knochen ist.

Ist die Finanzierung der Grund, wieso Cannabis-Firmen zwar gehypt werden, aber dann von der Bildfläche verschwinden?

Viele Firmen sprießen wie Pilze aus dem Boden und sind dann wieder weg. Viele unterschätzen das. Sie machen das Hobby zum Beruf und haben von Pharmazie keine Ahnung. In den USA wird eine Firma mit einer tollen Idee gleich extrem hoch bewertet. So etwas gibt es in Europa nicht.

Ab wann können Ihre Produkte im besten Fall in Apotheken verkauft werden?

Heuer und im kommenden Jahr nicht. Wenn wir in die dermatologische Richtung gehen, wäre 2022 realistisch.

Sie haben im pharmazeutischen Bereich gearbeitet. Wie kamen Sie dann zu Hanf-Produkten?

Ich bin nach dem Studium in die USA gegangen und habe in Florida in einem Forschungsinstitut gearbeitet. Dort habe ich zwei Jahre lang im Bereich Gehirntumore geforscht. Das war eigentlich für mich der Augenöffner. Damals hat sich das Cannabis-Thema in Kanada, Kalifornien und Oregon schon herauskristallisiert. Da war mir klar: Wenn es sich in den USA etabliert, kommt es früher oder später auch zu uns. Zudem hat CBD eine therapeutische Wirkung, aber keine Suchtmittelrelevanz. Ich war dann noch einige Jahre in der Schweiz und habe in der Bioanalytik gearbeitet. Die Selbstständigkeit ist schon ein großer Schritt. Man trägt ein Risiko. Deshalb war es mir wichtig, das Ganze finanziell balanciert anzugehen.