Vorarlberger Firmen in China im Kampf gegen Coronavirus

Markt / 30.01.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hochbetrieb herrscht in Fabriken wie dieser in Bankgok, die Atemmasken und Schutzanzüge herstellt. In China stehen viele Betriebe aller Branchen still. AFP

Coronavirus steckt Wirtschaft an.

Schwarzach Der Handelskonflikt zwischen China und den USA? War gestern. Der Ausbruch des Coronavirus bedroht nicht nur Millionen Menschen in China und weltweit, er hat auch die globale Wirtschaft weit schneller und kurzfristig auch heftiger durchgeschüttelt als der gesamte lautstarke Schlagabtausch der größten Wirtschaftsmächte. Abzuschätzen sei die Auswirkung aber noch nicht, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es ist noch deutlich zu früh, um eine seriöse Analyse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus erstellen zu können“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Gravierende Folgen

Lässt sich die Lungenkrankheit nicht eindämmen, sondern breitet sich weiter aus, hat das noch viel gravierendere Folgen als schon bisher auf drei Ebenen. So würde zum einen die Nachfrage etwa für Reisen nach China deutlich sinken. Bemerkbar machen würde sich auch das vorübergehende Schließen von Fabriken in China: Dies würde die globalen Wertschöpfungsketten beeinflussen und Firmen erschweren, benötigte Vorleistungen aus China oder anderen betroffenen Ländern zu beziehen. Weiterhin würde eine weitere Verbreitung für erhöhte Unsicherheit sorgen, die Unternehmen von Investitionen oder Banken von der Kreditvergabe abhalten könnte. Die Börsen jedenfalls haben in den vergangenen Tagen bereits reagiert auf die Unsicherheit, die durch Krisensitzungen in den großen internationalen Organisationen ebenso angeheizt wird wie durch Fakenews, die alle möglichen Verschwörungen hinter dem Virus vermuten.

Die Folgen sind allerdings schon jetzt zu spüren: So gibt es praktisch keine funktionierenden Flugverbindungen mehr in die Volksrepublik: Auch die AUA hat ihre Flüge bis 9. Februar wie so viele andere Fluglinien gestrichen.

Vorarlbergs Firmen mit Geschäftsbeziehungen oder Produktionsbetrieben in  China haben alle Reisen von Mitarbeitern in die Region oder aus der Region gecancelt oder raten ihren Mitarbeitern eindringlich davon ab. Wie es mit der Produktion weitergeht, ist im Dunkeln, da die traditionellen Neujahrsferien der Chinesen erst enden oder von den Regionalregierungen einfach verlängert wurden, wie Josef Rupp erzählt. Das Werk des Hörbranzer Lebensmittelunternehmens  Rupp & Dachan Foods in der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Tianjin steht derzeit jedenfalls still, in zehn Tagen werde man schauen, wie es weitergeht. Auch bei der Firma Alpla, die in China sieben Werke betreibt, befinden sich die rund 1600 Mitarbeiter noch bis einschließlich heute, Freitag, in den Neujahrsferien.

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Josef Rupp, Geschäftsführer Rupp GmbH: Unser Betrieb, den wir mit einem Partner in China betreiben, steht derzeit still. Wie es weitergehen wird, entscheidet sich in zehn Tagen. Derzeit beobachten wir die Lage.

Volker Buth, CEO Hirschmann Automotive: Wir haben in unserem Unternehmen weltweit Reisen von und nach China bis auf Weiteres untersagt. Die Regelung bei Hirschmann Automotive gilt bereits seit Montag.

Marina Konrad-Maerk, Sprecherin Zumtobel Group: Der Coronavirus hat bis jetzt keine Auswirkungen auf die Zumtobel Group. Als vorbeugende Maßnahme sollen Mitarbeiter derzeit keine Geschäftsreisen nach bzw. aus China antreten.

Betroffen sind alle Branchen

Handel und Produktion: Handelsketten wie Ikea und H&M sowie Gastroketten sind geschlossen, Produzenten wie Toyota und VW verlängern die Neujahrsferien bis 9. Februar.

Finanzwirtschaft: Der Coronavirus hat die asiatischen Börsen am Donnerstag wieder ins Minus gedrückt. Die Börse in Schanghai bleibt bis mindestens 3. Februar geschlossen.

Reisen: Nichts geht mehr. Alle großen Fluglinien haben den Verkehr nach China eingestellt. Das gefährdet den Business-Verkehr ebenso wie den Tourismus.