Vorarlberger Handel zurück in der Normalität

Markt / 05.02.2020 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Lebensmittelhandel (im Bild: Spar-Markt) legt im Land nach wie vor zu, allerdings herrscht ein harter Wettbewerb der Anbieter. <span class="copyright">SPAR </span><p class="caption"><span class="copyright"><span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"></span><span class="marker"></span></span></p>
Der Lebensmittelhandel (im Bild: Spar-Markt) legt im Land nach wie vor zu, allerdings herrscht ein harter Wettbewerb der Anbieter. SPAR

Vorarlberger Handel nach überproportionalem Wachstum der vergangenen Jahre 2019 wieder auf Österreich-Niveau.

Alberschwende Bentele Genuss ist ein Betrieb, wie ihn sich der Handel heutzutage wünscht: mit breitem Sortiment aus eigener Erzeugung, aber auch vielen regionalen Produkten und einem guten Verhältnis zwischen stationärem (70 Prozent) und Online-Handel (30 Prozent). Der richtige Ort also, um die Jahresbilanz des Vorarlberger Einzelhandels für 2019 zu präsentieren.

Knapp an der Null

Das Jahr ist – um es mit den Worten von Spartenobfrau Theresia Fröwis zu sagen – „stabil verlaufen“. 2,7 Milliarden Euro Nettoumsatz (3,2 Mrd. Euro Bruttoumsatz) machten die zirka 4400 Einzelhändler des Landes, ein nominelles Wachstum von 1,3 Prozent. Im Jahr 2018 betrug der Umsatz 2,6 Milliarden Euro netto und 3,1 Mrd. brutto. Mit 1,3 Prozent Plus ist der Zuwachs genau so hoch wie das österreichische, bewegt sich also knapp an der Null. Die Zeiten, als Vorarlberg dank den Einkaufstouristen aus der Schweiz und Liechtenstein teilweise um mehr als das Doppelte gewachsen ist als der Handel österreichweit, sind also vorbei. „Die Schweizer kommen nach wie vor zu uns, nur hat sich das inzwischen eingependelt“, stellt der Geschäftsführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, Michael Tagwerker, fest. Doch die Eidgenossen kaufen, nachdem der Schweizer Handel auf das Ungleichgewicht reagiert hat, auch wieder vermehrt im eigenen Land ein, wie eine Schweizer Handelsstudie zeigt.

Besonders im ersten Halbjahr erlebten Händlerinnen und Händler ein Wechselbad der Gefühle. Während im April ein Plus von 5,8 Prozent erzielt wurde, ging der Umsatz im März gegenüber dem Vergleichsmonat 2018 um drei Prozent zurück. „Weil Ostern im April war“, erklärt Tagwerker. Profitiert vom Aprilhoch haben vor allem Lebensmittel- und Spielzeughandel. Um ein Prozent konnte der Umsatz im wichtigsten Monat für den Handel, im Dezember, gesteigert werden. Geschuldet sei das dem Online-Geschäft, analysiert Fröwis, das gerade in dieser Zeit mit großem Aufwand und Aktionen wie dem „Black Friday“ viele Kunden anzusprechen vermöge. Damit nicht nur ausländische Onlinehändler vom Geschäft via Bildschirm profitieren, sei es eine Aufgabe auch im neuen Jahr, die Händler zu digitalisieren, was nicht bedeute, dass jeder einen Shop aufmache: „Aber er muss für die Kunden auch im Netz sichtbar sein.“

Es gibt keine Höhenflüge mehr, aber auch keinen Absturz.

Theresia Fröwis, Obfrau des Vbg. Handels

Der ausländischen Online-Konkurrenz will der Vorarlberger Handel durch neue Rahmenbedingungen zumindest teilweise beikommen. „Unsere Händler brauchen Steuergerechtigkeit und die Gewährleistung fairer Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer und Geschäftsmodelle“, drängt Fröwis die Regierung zur Schaffung entsprechender Steuermodelle. Zwar werden über 90 Prozent der Einkäufe immer noch vor Ort erledigt, doch online wächst der Handel mit sechs Prozent ungleich stärker.

Service und Beratung werden derzeit von 14.700 Mitarbeitern erbracht, das sind hundert weniger als im vergangenen Jahr. Vor allem Teilzeitarbeitsplätze seien verloren gegangen. Dem entgegenwirken will man mit einem Ausbau der Lehre, die durch neue Inhalte und einen Kompetenzcheck, der heuer ausgerollt wird, attraktiver geworden sei, und entsprechenden Löhnen. Ein weiterer Schwerpunkt der Sparte Handel liegt in diesem Jahr beim Übertritt der Betriebe in den neuen Kollektivvertrag.

45 Prozent der Vorarlberger Händler konnten 2019 den Umsatz ausbauen, aber 32 Prozent klagen über Umsatzrückgänge. Stabil ist die Entwicklung bei 23 Prozent der Betriebe, berichtet Wolfgang Ziniel, Projektleiter bei KMU Forschung Austria, der die Zahlen aufbereitet hat und zu bedenken gibt, dass zwar die 45 Prozent erfreulich seien, aber 32 Prozent mit Rückgängen Grund zu Aktivitäten sein müssten. Für das nächste Jahr erwartet der Experte ein Plus von 3,2 Prozent bei den Konsumausgaben und stützt sich dabei auf die Berechnungen des WIFO.

Vorarlberger Handel 2019

3,2 Mrd. Euro Jahresumsatz (brutto, inkl. Ust.)

1,3 Prozent Plus Umsatzwachstum

14.700 Mitarbeiter im Vorarlberger Einzelhandel (- 0,5 Prozent)

45 Prozent Umsatzzuwächse, 32 Prozent Rückgänge