Wie Carina Pollhammer ihr erstes Jahr als Spar-Chefin erlebte

Markt / 30.04.2021 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Wie Carina Pollhammer ihr erstes Jahr als Spar-Chefin erlebte
Pollhammer hebt vor allem die Leistung der Mitarbeiter in den vergangenen Monaten hervor. VN/PAULITSCH

Spar-Geschäftsführerin Carina Pollhammer will in Zukunft das regionale Angebot weiter ausbauen.

Dornbirn Für Carina Pollhammer begann ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin von Spar Vorarlberg turbulent. Nach dem Start im Jänner musste sie den größten Lebensmittelhändler Vorarlbergs durch die Coronakrise manövrieren. Wie das gelang und gelingt und wie es bei Spar und im Handel insgesamt weitergeht berichtet sie im VN-Gespräch.

Frau Pollhammer, Sie waren gleich nach ihrem Amtsantritt mit Corona konfrontiert. Wie war das?

Pollhammer Ich hatte mit Gerhard Ritter zuvor noch eine sehr gute Übergabephase, aber auf Corona konnte ich mich nicht vorbereiten. Von heute auf morgen war alles anders – von Hamsterkäufen bis Warenverfügbarkeitsprobleme und Mitarbeiter, die wie wir auch in wirklicher Sorge waren, weil wir alle nicht wussten, was da auf uns zukommt. Im Lockdown wechselten viele ins Homeoffice, bei uns waren viele Mitarbeiter draußen an der Front – systemrelevant. Da muss ich schon sagen, dass war ich sehr dankbar, weil es hat beinahe keine Ausfälle gegeben. Die Mitarbeiter haben wirklich Tolles geleistet draußen, sonst wäre das unmöglich gewesen. Wir hatten auch zentral ein  sehr gutes Krisenmanagement für die ganze Spar-Gruppe. Damit konnten wir uns gut abstimmen.

Carina Pollhammer: "Uns ist einfach wichtig, die Nahversorgung sicherzustellen und da gibt es bestimmt noch den einen oder anderen weißen Fleck."
Carina Pollhammer: "Uns ist einfach wichtig, die Nahversorgung sicherzustellen und da gibt es bestimmt noch den einen oder anderen weißen Fleck."

Was waren die größten Herausforderungen?

Pollhammer Die größte Herausforderung war, dass für jeden Kunden, für jeden Mitarbeiter, die Situation neu war. Auch die Bundesregierung war in sehr engem Austausch mit uns, denn wir waren ja die ersten, die diese Covidmaßnahmen umsetzen mussten, das ins Rollen zu bringen war schon eine Challenge.

Kann man daraus auch lernen?

Pollhammer Wichtig ist, dass man ein gutes Team um sich hat, das einem den Rücken stärkt. Ich habe ein sehr erfahrenes Vertriebsteam, das dann viel für die Mitarbeiter da war und sie unterstützt hat. Das braucht eine Vertrauensbasis und das war schon eine Herausforderung, weil ich noch nicht solange bei Spar Vorarlberg war. Aber das ist uns gut gelungen.

Es gab kritische Stimmen, was das Sortiment des Lebensmittelhandels betrifft.

Pollhammer Natürlich gab es kritische Meinungen, aber das typische Sortiment war ganz klar definiert. In der Großfläche ist unser typisches Sortiment Non-Food und wir haben erkannt, dass für den Kunden in dieser Krisenzeit Sicherheit ein großes Thema war. Dieses One-Stop-Shopping haben wir gut bieten können.

Nochmals Corona. Wie funktioniert bei Ihnen im Unternehmen das Impfen?

Pollhammer Wir sind voll dran. Wir haben für die Mitarbeiter extra eine Broschüre gemacht. Jetzt gilt es die Mitarbeiter zu motivieren. Die Impfbereitschaft ist noch nicht so hoch, wie wir es erwarten würden. Deshalb müssen wir die Leute überzeugen.

Sie sind auch Obfrau des Handels in der Wirtschaftskammer. Wie schafft man den Interessenausgleich?

Pollhammer Es ist für mich unglaublich, wie innovativ und lösungsorientiert die Vorarlberger an Themen herangehen. Das gilt auch in der Pandemie. Es ist uns gelungen, frühzeitig in den Austausch zu gehen und eine gute Kommunikation zu finden. Was mich so begeistert hat, wie innovativ viele Händler geworden sind. Es hat niemanden gegeben, der den Kopf in den Sand gesteckt hat. In dem Moment wo der Händler erreichbar war, hat er auch ein Geschäft gemacht. Es war ein Umdenken gefragt und das haben viele gut gemacht. Doch es gab auch Branchen die sehr gelitten haben. Wenn man an den Sporthandel im Montafon denkt, das war eine Katastrophe. Aber ich glaube schon, dass auch in diesem Fall die  Hilfsmittel, die von der Regierung angeboten wurden, gut sind. Ich weiß das auch aus unserem Unternehmen, dass im Ausland keine Rede von Kurzarbeit, von diesen Hilfsfonds war. Es war und ist in der Wirtschaftskammer ganz wichtig, dass wir spartenübergreifend zusammenwachsen.

In der Pandemie erlebte die Regionalität einen Boom. Wie wird sich die verstärkte Nachfrage auswirken?

Pollhammer Wir haben versucht, ganz unterschiedliche Branchen anzusprechen und zu unterstützen. Wir sind auch auf die Gastronomie zugegangen und wir haben schon länger in Dornbirn eine Kooperation mit der Elfenküche, wir arbeiten auch mit Wolfgang Fairkocht zusammen. Bei diesen Kooperationen merkt man auch, dass das Gegenüber überrascht sind, was man mit der großen Spar alles möglich ist. Ich glaube schon, dass wir das mitnehmen und besondere Highlights setzen können an einzelnen Standorten. Vorher war es für viele undenkbar, Spar als Vertriebskanal zu wählen und da sind uns tolle Beispiele gelungen, die man fortsetzen kann.

Es ist für mich unglaublich, wie innovativ und lösungsorientiert die Vorarlberger an Themen herangehen. Das hat sich auch in der Pandemie gezeigt.

Carina Pollhammer

Spar ist im Land in fast jedem Ort vertreten. Gibt es noch weiße Flecken?

Pollhammer Der Fokus liegt ganz klar auf der qualitativen Expansion. Aber uns ist einfach wichtig, diese Nahversorgung sicher zu stellen und da gibt es bestimmt noch den einen oder anderen weißen Fleck. Corona hat auch noch mehr gezeigt, wie wichtig dem Kunden ist, dass er Platz hat, wenn er durch den Markt geht und das sehen unsere Konzepte auch vor. Aktuell wird in Göfis auf das neue Konzept umgebaut und wir haben noch vier weitere Projekte in der Pipeline.

Sie sind vor rund eineinhalb Jahren nach Vorarlberg gekommen – wie haben Sie sich eingelebt?

Pollhammer Ich bin gerne in den Bergen oder am Tennisplatz, wo man schnell Anschluss findet. Das ist ein guter Ausgleich für mich. Ich fühle mich sehr wohl und bin froh, dass ich mich entschieden habe, nach Vorarlberg zu kommen.

Gespräch über Corona-Zeit und die aktuellen Pläne mit Sicherheitsabstand auf der Terrasse der Spar-Zentrale in Dornbirn Wallenmahd.
Gespräch über Corona-Zeit und die aktuellen Pläne mit Sicherheitsabstand auf der Terrasse der Spar-Zentrale in Dornbirn Wallenmahd.

Zur Person

Geschäftsführerin Spar Vorarlberg, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg

Geboren 13. März 1983

Ausbildung Studium Wirtschaftswissenschaften, Magistra rer. soc. oec.

Laufbahn seit 2009 bei Spar, ab 2011 als Mitarbeiterin im Bereich Expansion und Projektentwicklung, Internationalisierung, ab 2015 Gebietsleitung in Salzburg, seit 2020 Geschäftsführung Spar Vorarlberg, seit 2020 Obfrau Sparte Handel in der WKV.

 

Spar Vorarlberg

Mitarbeiter 3700

Märkte (insgesamt) 98