So hart trifft die Preisexplosion Wirtschaft und Konsumenten

Markt / 18.02.2022 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aufgrund der Preissteigerungen und Engpässe bei Verpackungen und Rohstoffen werden viele Lebensmittel heuer teurer. <span class="copyright"> AFP</span>
Aufgrund der Preissteigerungen und Engpässe bei Verpackungen und Rohstoffen werden viele Lebensmittel heuer teurer.  AFP

Hohe Rohstoffkosten treffen Wirtschaft und Konsumenten schwer.

Schwarzach „Wenn sich die Preise nicht beruhigen, ist das für unsere Papierfabrik existenzgefährdend“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Rondo-Ganahl, Hubert Marte.

Die Papier- und Rohstoffpreise in der Branche sind zwischen 60 und 70 Prozent gestiegen, der Papieranteil an den Rondo-Produkten ist mit 50 Prozent zudem besonders hoch. Marte ist nicht der einzige, dem die Preissteigerungen Sorgenfalten auf die Stirn. Die Preiserhöhungen ziehen sich praktisch durch alle produzierenden Betriebe im Land – vom Handwerkerbetrieb über Industrieunternehmen und Handel bis zur Landwirtschaft  und schlussendlich zu den Endverbrauchern.

Preisschübe in allen Bereichen

Bei den Betrieben geht es nicht um Jammern auf hohem Niveau. Denn nur allzuoft sind  Umsatzsteigerungen auf eben diese hohen Einkaufspreise zurückzuführen, was die Statistik Austria vor kurzem eindrücklich unterstrich. Nicht nur die Rohstoffpreise belasten – dazu kommen die Preissteigerungen bei Energie, die für die derzeit höchste Inflation seit 40 Jahren hauptverantwortlich sind.

Die Statistik Austria hat nachgerechnet. Bei agrochemischen Erzeugnissen wurde ein Anstieg um 62,1 Prozent binnen Jahresfrist festgestellt, bei Gummi und Kunststoffen in Primärformen von 60,6 Prozent. Feste Brennstoffe verteuerten sich im Großhandel um 59,4 Prozent, Getreide, Saatgut und Futtermittel um 52,5 Prozent.

Zu richtigen Preisschüben kam es laut Statistik Austria auch bei sonstigen Mineralölerzeugnissen (+46,9 Prozent), Altmaterial und Reststoffen (+45,9 Prozent), Nicht-Eisen-Metallen (+42,4 Prozent), Eisen und Stahl (+42,2 Prozent), Treibstoffen (+31,6 Prozent), technischen Chemikalien (+24,1 Prozent) sowie Rohholz und Holzhalbwaren (+23,2 Prozent). Und die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Die Inflation in Österreich wird weiterhin von den hohen Rohstoffpreisen getrieben, vor allem vom Erdgaspreis. Zur Hälfte wird der Anstieg des Preisniveaus vom Aufschwung der Weltwirtschaft und weltweiten Angebots- und Lieferengpässen verursacht, sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seinem aktuellen Konjunkturbericht. „Wir denken, dass es im Februar und März eine weitere Steigerung geben wird, diese danach aber wieder abschwächt“, analysiert WIFO-Experte Josef Baumgartner.

Hoffen auf Beruhigung

Allerdings, darin sind sich die Ökonomen einig, werden z. B. die Energiepreise auf einem hohen Niveau bleiben. Vorarlberger Unternehmer hoffen indes, dass sich die Lage wieder beruhigt. Dass es zu solchen Preisexplosionen gekommen ist, ist mehreren Faktoren geschuldet: Reduzierter Produktion in der Coronakrise, Störung der Lieferketten (ausgelöst durch die Havarie der Ever Given im Suezkanal), schlechten Ernten, politische Situation (Erdgas – Ukraine-Konflikt). Dazu beitragen werden auch Lohnsteigerungen, wie Raiffeisen-Vorstandschef Wilfried Hopfner bei Vorarlberg LIVE feststellte. Die Faktoren, die ineinander greifen, führen zu einem Dominoeffekt, der auch die Konsumenten trifft.

Preiserhöhung bei Lebensmitteln

Zuerst bei Lebensmitteln. Die Bäcker kündigten schon im vergangen Preissteigerungen an, denn sie kämpfen mit hohen Mehlpreisen und auch die Energiepreise schlagen voll durch. Meisterbäcker Bernhard Ölz, bezeichnet die Situation als „katastrophal“.  Aber auch Bier wird teurer, wie Mohrenbräu-Chef Heinz Huber mitteilt: „Wir müssen die Preis erhöhen, aber wir werden das sehr moderat tun.“ 

Verpackung wird ebenfalls teurer: Vertragliche Fixpreise für Kunden gibt es in der Branche nicht, die Preise werden in kürzeren Zeiträumen der Situation angepasst. So macht es auch der Verpackungs- und Papierhersteller Rondo-Ganahl, so Hubert Marte. „Wir erhöhen die Preise, wir nehmen sie aber auch zurück, wenn die Situation es erlaubt.Umfrage

Umfrage Wie sehr belasten Engpässe und Preiserhöhungen Ihr Unternehmen?

Wir sind leider nicht ausgenommen von der aktuellen Situation. Die Preise für Karton sind bis zu 100 Prozent gestiegen, jene für Kunststoffverbunde und Alu um 30 bis 40 Prozent, dazu kommen unsichere Lieferzeiten. Bei der Energie haben wir zum Glück einen Vertrag mit illwerke vkw bis Ende 2023. Stephan Ratt, GF Rattpack

Wir sind gezwungen, die Preise anzupassen und werden dies möglichst marktverträglich machen. Da sind wir schon in der Umsetzung. Verpackungsmaterialien werden teurer, auch Grundstoffe und der Transport. Da sitzen derzeit alle Branchen und Betriebe im gleichen Boot. Daniel Wüstner, GF Rauch

Wir haben eine sehr gute Auftragslage, doch das Ergebnis leidet, denn unsere Verträge wurden mit Fixkosten abgeschlossen. Preiserhöhungen gibt es bei allen Lieferanten und die Transportkosten belasten uns sehr. Die Lieferengpässe sorgen auch für Unruhe in der Produktion. Wolfgang Rohner, CEO IMA Schelling