Warum Einspeiser angespeist sind

Markt / 29.03.2022 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum Einspeiser angespeist sind
Eine berechtigte Frage: Zahlen illwerke vkw zu wenig für den eingespeisten Strom aus Photovoltaik?  Smileus

Strompreiserhöhung ab Mai – Private Photovoltaik-Einspeiser wollen mehr für ihren Strom.

Schwarzach, Bregenz Peter H. fühlt sich betrogen. Das tut er in den sozialen Netzwerken kund. Der Mann ist Stromproduzent, denn er hat eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Dach und den Strom, den er nicht benötigt, speist er ins Netz der VKW. Und die Kraftwerke haben dieser Tage ihren Kunden mitgeteilt, dass die Verbraucherpreise für Strom um 43,5 Prozent steigen. Jetzt ist er angespeist: Er will, wenn schon die VKW die Preise erhöhen, auch für den von ihm eingespeisten Strom eine Anhebung in ähnlicher Größenordnung. Denn es  könne ja nicht sein, dass sich die VKW mit dem „billigst zugekauften Strom einen goldenen Ast“ verdienen. Er ist nicht der Einzige, der das vermutet. Doch ist es tatsächlich so, dass sich der Landesenergiekonzern die Taschen füllt, ohne privaten Lieferanten etwas davon abzugeben?

Neun Cent pro kWh

Mit der Preiserhöhung ab 1. Mai steigen die Energiekosten für einen durchschnittlichen Haushalt in Vorarlberg um rund zehn Euro brutto pro Monat bzw. 2,50 Euro, weil die gesetzliche Ökostromregelung ausgesetzt wurde. Genug, jedenfalls wenn man alle Preisssteigerungen, die sonst auf einen Haushalt zukommen oder bereits zugekommen sind, zusammenzählt. Doch der illwerke-vkw-Sprecher Andreas Neuhauser macht eine andere Rechnung auf: Man habe die Einspeistarife mit 1. Jänner um zwei Cent auf neun Cent pro Kilowattstunde (kWH) für die ersten 3500 kWh erhöht, wer zwischen 3500 und 10.000 kWH zusätzlich einspeist, erhält sieben Cent und für alles, was darüber ist, gibt es fünf Cent. Für die meisten Einspeiser seien die ersten 3500 kWh relevant. Dieser Preis sei bis 1. Jänner 2023 garantiert.

„Die Preisgestaltung ist dem Markt überlassen, da gibt es keine Regelung.“

Harald Proidl, E-Control, Leiter Ökoenergie

Der Preis ist vielleicht nicht hoch genug für die privaten Einspeiser, aber tatsächlich höher als bei den meisten Energieanbietern, wie die Übersicht des Branchenverbandes Photovoltaik Austria zeigt. Auch müsse man die 43,5 Prozent Strompreiserhöhung relativieren, so Neuhauser, denn tatsächlich erhöhe sich der Strompreis insgesamt um nur 4,8 Prozent. Für Privatkunden, die alle Maßnahmen der Bundesregierung in Anspruch nehmen können, verringere sich der Strompreis sogar um vier Prozent.  Von einem „goldenen Ast“ könne deshalb nicht die Rede sein.

Keine gesetzliche Vorgabe

Auch Harald Proidl, bei der E-Control für den Ökostrommarkt zuständig, relativiert, sagt aber auch, dass es für diese Tarife keine gesetzlichen Vorgaben gebe, „das ist dem Markt überlassen“. Definitiv sei aber der aktuelle Einspeistarif höher als zuvor. Ob der zu niedrig oder zu hoch sei, dazu könne er kein Urteil abgeben, verweist er auf die schon erwähnte Übersicht von Photovoltaik Austria. „Der Energieversorger muss sich auch absichern, falls der Preis wieder fällt“, erklärt Proidl.