Die Pläne des neuen Wirtschaftskammerpräsidenten

Markt / 04.04.2022 • 05:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Pläne des neuen Wirtschaftskammerpräsidenten
Wilfried Hopfner: “Solange ich in der Wirtschaftskammer bin, werden der Wirtschaftskammerpräsident und der Wirtschaftsbundobmann nicht personenident sein.” VN/Stiplovsek

Nach den Rücktritten im Wirtschaftsbund: Wie der neue Wirtschaftskammerpräsident Wilfried Hopfner für Transparenz sorgen will.

Von Gerold Riedmann und Andreas Scalet

Feldkirch Nach dem Rücktritt von Hans Peter Metzler als Präsident hat die Wirtschaftskammer schnell reagiert und schon Stunden danach den Chef der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, Wilfried Hopfner, als interimistischen Präsidenten präsentiert. Der Banker, der eigentlich im Frühsommer seinen Ruhestand antreten wollte, hat eine breite Zustimmung über Wirtschaftskreise hinaus und war in der Kammer Sprecher der Banken und stellvertretender Präsident.

Der  gut vorbereitete Pensionsantritt ist abgesagt. Wie viel Zeit zum Überlegen haben Sie gebraucht?

Wilfried Hopfner Nicht wirklich viel Zeit, aber man hat mich auch nicht betteln müssen. Ich habe gerade den Pensionsantritt vorbereitet, im Unternehmen ist alles auf Schiene. Am Freitag hat mich Hans Peter Metzler über seinen Rücktritt informiert und seinen Wunsch geäußert, dass ich das Amt des Präsidenten übernehmen soll. Ich habe mir angewöhnt, mit Bauch und Kopf zu reagieren, und weder der Bauch noch der Kopf haben rebelliert. Dann hat auch noch Landeshauptmann Markus Wallner angerufen und auch das Präsidium war einhellig der Meinung, dass ich das machen soll.

Wie geht es nun weiter?

Hopfner Ich werde das für diese Funktionsperiode übernehmen. Das ist formaltechnisch möglich, doch es war bislang üblich, dass man dies im Wirtschaftsparlament zur Abstimmung bringt. Das werde ich auch so machen. Metzler habe ich als Präsident der Wirtschaftskammer kennen und schätzen gelernt. Er hat unheimlich viel bewegt, das will ich fortsetzen und neue Akzente setzen. Eines ist mir wichtig: Die politische Verflechtung aufzulösen. 

Hat die Wirtschaftskammer in Sachen Compliance versagt?

Hopfner Ich muss ehrlich gestehen, ich kann kein Versagen der Wirtschaftskammer feststellen. Die Kammer hat eine Struktur, die die zentralen Aufgaben Interessenvertretung und Servicierung leistet. Die Wirtschaftskammer brauchen wir. Solange ich in der Wirtschaftskammer bin, werden der Wirtschaftskammerpräsident und der Wirtschaftsbundobmann nicht personenident sein. Damit gibt es auch keinen Automatismus mehr. Über diese WB-Steuerprüfung ist ein zweites Mal ein Stein ins Rollen gekommen, da muss man das Ergebnis abwarten und dann müssen das der Wirtschaftsbund und die ÖVP regeln.

Der neue Wirtschaftskammerpräsident (M.) im Gespräch mit Gerold Riedmann (r.) und Andreas Scalet über seine Pläne und die Entflechtung von WKV und Wirtschaftsbund. <span class="copyright">VN/Stiplovesek</span>
Der neue Wirtschaftskammerpräsident (M.) im Gespräch mit Gerold Riedmann (r.) und Andreas Scalet über seine Pläne und die Entflechtung von WKV und Wirtschaftsbund. VN/Stiplovesek

Sie sind der erste Präsident, der nicht Unternehmer ist und Sie sind auch nicht Wirtschaftsbundobmann.

Hopfner Vielleicht ist das ein gutes Zeichen für den Neuanfang. Ich bin kein Unternehmer, aber ich habe mein Leben lang wie ein Unternehmer gefühlt. Wenn man vor einem Jahr gesagt hätte, dass ein Banker Präsident wird, dann hätten alle gesagt, das ist unmöglich. Es war immer klar, dass ein Unternehmer, der selbst eine Firma hat, diese Position einnimmt. Tradtionen sind gut, aber hin und wieder muss man sagen, jetzt probieren wir einmal etwas anders.

Ist die gemeinsame Wahlliste noch das richtige Instrument, um die Kammer in die Zukunft zu führen?

Hopfner Darüber habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Es gibt ja dieses Bündnis mit der Freiheitlichen Wirtschaft und dem  Vorarlberger Wirtschaftsverband. Ich will jetzt in dieser Funktionsperiode umschwenken auf die Sachpolitik. Und wenn dann die nächste Wahl ansteht, werden wir schauen. Ich möchte eine transparente und sachorientierte Wirtschaftskammer haben und wie in jeder Institution braucht es jemanden, der auch dazuschaut. Intern gibt es ja das Kontrollamt der Wirtschaftskammer Österreich, da habe ich den Eindruck, dass das seriöse Arbeit ist und dass genau hingeschaut wird. Da gibt es jährlich einen Prüfbericht und es wird auch mit den anderen Wirtschaftskammern verglichen. Das sind ja ähnliche Strukturen wie wir sie in der Raiffeisen-Organisation haben.

Zwei Themen, die bislang nicht geklärt wurden, sind die S 18 und die Landesgrünzone…

Hopfner Damit habe ich mich offen gestanden noch zu wenig im Detail auseinandergesetzt. Ganz generell zum Wirtschaftsstandort müssen wir klären, wie viel Wirtschaft hier im Land sein muss, wie viel Platz sie braucht. Auch die Frage, wie kann man trotzdem international erfolgreich sein, wenn wir mit dem einen und anderen auch außerhalb des Landes gehen, muss geklärt werden, gerade jetzt vor dem Hintergrund, dass die Prozesse möglichst in der Nähe sein sollten. Dass wir beim Klimawandel was tun müssen, ist für mich eine klare Sache. Ökologie und Ökonomie zu vereinen, ist schon lange ein Gedanke, der mich beschäftigt und und dieses Denken will ich auch in der Wirtschaftskammer verbreitern und erweitern. Über das Thema S 18 hat man ja schon vor 40 Jahre diskutiert und jetzt gibt es wieder einen Stopp. Dass wir eine funktionierende Anbindung brauchen, ist schon ein Thema.

Wie schaut es mit der Unabhängigkeit der Wirtschaftskammer aus. Ist Feldkirch jetzt eine Filiale der Landespolitik?

Hopfner Es wird immer eine gewisse politische Arbeit und immer einen Schulterschluss zur Politik und Regierung brauchen, weil es um den Standort geht und da muss die Politik mitgestalten. Es ist die Frage wie man das macht. Ich werde das in der Sache versuchen. Klar ist dabei eine strikte Trennung zum Wirtschaftsbund.