„Wir können loslegen“

Markt / 11.11.2022 • 18:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Energieexperte Christof Drexel bei der Präsentation der Roadmap zur Green Deal Modellregion Vorarlberg. Drexel
Energieexperte Christof Drexel bei der Präsentation der Roadmap zur Green Deal Modellregion Vorarlberg. Drexel

Experte Drexel: „Klimaneutralität in Vorarlberg bis 2030 erreichbar.“

Bregenz Christof Drexel hat sich ein Berufsleben lang mit energieeffizienter Gebäudetechnik beschäftigt. Das elterliche Handwerksunternehmen baute er mit seinem Partner Reinhard Weiss zu einem kleinen Industrieunternehmen auf, das unter dem Firmennamen Drexel und Weiss in Wolfurt Bekanntheit erlangte. Einen technologischen Meilenstein legte es im Jahr 1996 mit der Entwicklung des weltweit ersten passivhaustauglichen Kompaktgeräts für Heizung, Lüftung und Warmwasser. Auch im Bereich der heute coronabedingt an Aktualität gewonnenen Schulklassen-Lüftungsgeräte zeichnete Drexel und Weiss für das erste am Markt erhältliche und zertifizierte Produkt verantwortlich. Nach fast 30 Jahren Führungstätigkeit stieg Christof Drexel aus dem Betrieb aus und widmet sich nun mit seinem 2018 gegründeten Beratungsunternehmen drexel reduziert voll und ganz den Themenbereichen Gebäudetechnik, Energieversorgung und Klimaschutz. Sein Fokus liegt auf der Erarbeitung probater, wirtschaftlich optimierter Strategien für Kommunen, Länder, Verbände sowie Unternehmen, die Effizienzmaßnahmen setzen und den Weg in die Klimaneutralität gehen.

Technologien sind vorhanden

In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen und Expert*innen ist es Drexel ein zentrales Anliegen, faktenbasierte Lösungsansätze für diese komplexen Herausforderungen zu liefern. Seine zentrale Botschaft ist, dass wir angesichts der raschen Klimaveränderungen nicht in eine resignative Haltung verfallen. „Im Gegenteil, wir können auf ökonomisch und gesellschaftlich vertretbare Weise die Klimaneutralität erreichen. Dafür stehen uns bereits jetzt die erforderlichen Technologien zur Verfügung, und zwar in allen Bereichen“, ist Drexel überzeugt. Sei es in der Mobilität über die Elektrifizierung, in der Gebäudetechnik über eine entsprechende Wärmedämmung, hochwertige Sanierungen und Wärmenetze, in der Industrie über Großwärmepumpen, Biomassefeuerung und Biogas und in der Energieversorgung unter anderem über Wasserkraft und Photovoltaik, um nur einige Beispiele für die größten Emissionsbereiche zu nennen. In seinem 2018 erschienenen Buch „Zwei Grad. Eine Tonne. – Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern“ legt er auf klare und verständliche Weise dar, dass die Chance in der vernünftigen Kombination aus erneuerbaren Energien, Effizienz und Lebensstilveränderungen liegt. „Und bei Letzterem ist nicht der oftmals zitierte radikale Verzicht gemeint.“ Drexel spricht dabei von moderaten, verträglichen Anpassungen im Lebensstil, die mit einer besseren Gesundheit verknüpft sind, und uns die Möglichkeit verschaffen, die verfügbaren Technologien auch wirtschaftlich einzuführen.

Roadmap zur Klimaneutralität

Im Auftrag des Vereins „TUN Green Deal Vorarlberg“ verantwortete Christof Drexel die Erarbeitung der kürzlich vorgestellten Roadmap zur Green Deal Modellregion Vorarlberg (die VN berichteten). „In Zusammenarbeit mit vielen anderen Fachleuten entstand ein starkes, realisierbares Fundament, wie wir uns bereits bis 2030 weitestgehend dekarbonisieren können“, ist Drexel insbesondere von der Zielsetzung der beteiligten Vorarlberger Unternehmen begeistert. „Diese setzen die Strategie nicht nur im eigenen Betrieb um, sondern treten auch für die erforderlichen Rahmenbedingungen ein, damit wir uns alle in einer klimaneutralen Gesellschaft wiederfinden können.“ Die Roadmap zeigt systematisch die für jeden einzelnen Emissionssektor notwendigen Maßnahmen und deren eindeutig quantifizierbare Auswirkungen auf. „Die Roadmap ist machbar. Die Frage ist nicht, ob wir sie umsetzen können, sondern ob wir das als gesamte Gesellschaft auch wollen“, hofft Drexel auf eine breite Akzeptanz. „Denn es gibt wohl kaum eine andere Region, die bessere strukturelle Voraussetzungen vorweist, um die Green Deal Modellregion jetzt auch mit aller Kraft anzustreben.“

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